Zum Geleit
Ein Jahr danach / Rückblick von Harald Gitschner als Stadtrat
und Forums-Vorsitzender
Nach über einem Jahr Forums-Vorsitzender und fast einem Jahr Stadtrat
in Schäßburg stelle ich mir die Frage : Was haben wir geschafft
und was steht noch vor uns?

Schäßburg heute - Aquarell: Heinz Georg Schwarz
Zunächst die Feststellung: Es hat Spaß gemacht! Vor allem habe
ich im Forum eine Mannschaft von motivierten Mitstreitern um mich versammelt,
auf die Verlass ist. Ob es unser Vize ist, Dr. Karl Scheerer, mit seiner
hervorragenden Rhetorik, oder unser Adolf Hügel mit seiner vielseitigen
Erfahrung, oder Stefan Gorczica, der besonnene Fachmann, ob Wilhelm Fabini,
unser Künstler, oder Andrea Rost, unsere Jugendbeauftragte, ob Michael
Meyndt, der Bauexperte, und seine Beziehungen, oder Traudi Schuster mit
ihrer Liebenswürdigkeit, ob Grete Salati mit ihrer Zuverlässigkeit
oder Hildegard Martini mit ihrer Beständigkeit, ob Michael König,
unser Russlandbeauftragte und Kleinbusfahrer, oder Georg Schuller , der
Blumenmann, Prof. Rusu Viorel, unser Geschäftsführer, alle bringen
sich ein, machen mit, ich spüre, wie es aufwärts geht, und das
gibt Kraft und macht Mut, weiterzumachen.

Baiergasse heute - Foto: Harald Gitschner
Ich möchte jetzt nicht alle Aktivitäten aufzählen, dies
habe ich in meinem Rechenschaftsbericht vor der Vollversammlung getan,
sondern nur einige wichtige Ereignisse erwähnen wie z. B. die Herausgabe
der Monografie von Schäßburg von Prof. Gheorghe Baltag, die
sehr gut angekommen ist. Soweit Gelder vorhanden sind, denken wir an eine
Überarbeitung und Übersetzung ins Deutsche.

CEC-Rohbau, Ecke Mühlgasse - Foto: Harald Gitschner
Im Haus mit dem Hirschgeweih haben wir vom Forum zusammen mit ifa, dem
Institut für Auslandsbeziehungen in Deutschland, vertreten durch
die Kulturreferentin Anita Dulma, die Ausstellung Wortreiche Landschaft
eröffnet:deutsche Literatur aus Rumänien, die vom 5.6.2005 bis
17.7.2005 geöffnet ist, in deren Mittelpunkt die wechselvolle Geschichte
deutscher Literatur aus Siebenbürgen, dem Banat und der Bukowina
steht.

Standbild Miron Neagu - Foto: H. Gitschner
Wir sind heute dabei, die Feier „700 Jahre Malmkrog“ vorzubereiten.
Wir tun das, weil Malmkrog zum Zentrumsforum Schäßburg gehört.
Unser Vorstandsmitglied Andrea Rost, selbst geborene Malmkrogerin, ist
da sehr aktiv und kümmert sich nicht nur um den kulturellen Rahmen,
sondern darüber hinaus um alles Notwendige. In der nächsten
Ausgabe werden wir darüber berichten. Was die Arbeit für den
Stadtrat angeht, so treffen wir uns am Mittwoch vor der Stadtratssitzung
im Vorstand und besprechen die anstehenden Themen, bilden uns gegebenenfalls
eine Meinung, die dann im Stadtrat vertreten wird. Somit hat jeder die
Möglichkeit, Meinungen oder Ideen einzubringen.

Ausstellungsplakat - Foto: H. Gitschner
Von Anfang an haben wir versucht, mit allen Stadtrats-Fraktionen jeweils
themengebunden zusammenzuarbeiten. Und von Anfang an waren wir der Meinung,
im Stadtrat soll ohne Fraktionszwang gearbeitet werden. Wir versuchen
hier, eigentlich über alle Fraktionen hinweg, für die Stadt
und für die Bürger dieser Stadt etwas zu tun und zu bewegen.
Und vielleicht gerade durch uns, durch unser Forum – das haben uns
vor allem die Kollegen, die schon seit mehreren Wahlperioden dabei sind,
bestätigt – gibt es im Stadtrat mehr Disziplin, es ist Effizienz
eingekehrt, es wird nicht lang herumdiskutiert, es wird zum Thema gesprochen,
es sagt jeder seine Meinung, dann bildet sich eine Meinung und dann erst
wird abgestimmt. Insofern sind unsere bisherigen Erfahrungen im Stadtrat
durchaus positiv. Und ich freue mich, dass wir immer wieder auch in den
Kommissionen unseren Standpunkt durchsetzen konnten. Das ist zum Beispiel
geschehen bei der Wahl des Stadtrat-Vertreters im Aufsichtsrat des Haltrich-Gymnasiums.
Zunächst gab es einen anderen Vorschlag, doch wir haben darauf bestanden,
dass da ein Forumsmitglied diese Vertretung übernimmt, so ist Harald
Gitschner mit dieser Aufgabe betraut worden.

Ausstellung - Foto: H. Gitschner
Eines unserer – zugegeben – ehrgeizigen Bestreben ist es,
die Stadtverwaltung in die Unterstadt zu verlegen, u. zw. in den „schrecklichen“
CEC-Rohbau, und das jetzige Rathaus für kulturelle Zwecke zu nutzen,
z. B. für eine Universität oder eine Akademie der bildenden
Künste. Aus der ganzen Welt kommen junge Leute, die hier zeichnen
und malen, weil sich ja jede Ecke der einmaligen Burganlage dafür
anbietet. Der wunderschöne Festsaal könnte für Konzerte,
für Vorführungen, für Vorlesungen und Sonstiges benützt
werden. Es ist zu schade, dass nur die Stadtverwaltung in diesem Haus
sitzt. Im Prinzip hat auch der Bürgermeister nichts dagegen, er hat
erkannt, dass das Rathaus als kulturelle Einrichtung genutzt werden muss.
Sicherlich, seine Pläne waren, im Rathaus ein Hotel, Hilton oder
Ähnliches einzurichten, weil die sehr viel investiert hätten,
Geld gebracht hätten, auch ins Stadtsäckel natürlich. Wir
sind schon auch für Tourismus, jedoch für sanften Tourismus,
ebenfalls einer unserer Programmpunkte, aber wir glauben, dass dieses
Haus zu schade wäre, nur für „schlafende Touristen“
genutzt zu werden, sondern einer breiteren Masse geöffnet werden
sollte.
Nicht immer können wir uns mit unserer Meinung durchsetzen: Wie zum
Beispiel mit dem Projekt Wasserverbund. Mit dem viel diskutierten Dracula-Park
sollte Schäßburg eine neue Wasserversorgung, ein neues Abwassersystem
und eine neue Kläranlage erhalten. Das war übrigens auch der
Grund, weswegen ich wahrscheinlich als einziger Schäßburger
Sachse für den Dracula-Park war. Alle waren dagegen, weil sie Angst
hatten, die Breite und die Stadt gehen kaputt und es gibt keinen Profit.
Ich habe damals gesagt, was interessiert mich, ob Profit gemacht wird
oder nicht. Mich interessiert die Infrastruktur, die sich dadurch entwickelt.
Es sollte der Wasserverbund Zetea entstehen, und alle Ortschaften an der
Kokel, bis Kleinkopisch / Copa Mic, sollten vom Stausee Zetea mit frischem
und gutem Kokel-Wasser versorgt werden. Daraus ist aus verschiedenen Gründen
nichts geworden. Jetzt aber wurde leider, nach einem englischen Beispiel,
ein Wasserverbund in Tg. Mure gegründet, der für das gesamte
Kreisgebiet und damit auch für Schäßburg zuständig
ist. Wir, die sächsischen Stadträte, hatten im Stadtrat alle
zweimal dagegen gestimmt, doch dann kamen von Bukarest „Beamte“,
die behaupteten, wenn wir jetzt dagegen sind, dann gibt es keine Gelder
von der Europäischen Union, denn die gibt es nur für große
Verbunde mit was weiß ich wie vielen Mitgliedern. Unser Forum hat
eigentlich die dezentrale Variante favorisiert und unterstützt, wie
das in Westeuropa üblich ist: Die Kommunen, die ein Interesse am
gleichen Wasser haben, die setzen sich zusammen und gründen einen
Verbund. Wir haben mit Tg. Mure keine guten Erfahrungen gemacht. Wenn
Gelder dorthin fließen, dann werden sie für Mure verwendet,
und auf Schäßburg wird vergessen. Als Forum sind wir grundsätzlich
für die Dezentralisierung, doch haben wir uns leider nicht durchsetzen
können. Die anderen, die zweimal dagegen gestimmt haben, änderten
ihre Meinung und haben dann dafür gestimmt, und mit einer Mehrheit
von nur einer Stimme ist dann der Beschluss gefasst worden, dem Wasserverbund
Mure beizutreten.
In der Stadt hat sich eine Menge getan. Wenn wir an die kaputten Straßen
und die aufgerissenen Gehwege letztes Jahr denken, so sieht das Zentrum
heute ganz anders aus! Anstatt der Trauerweide gegenüber dem Kino
steht jetzt die Büste von Miron Neagu in einer kleinen, aber feinen
Parkanlage mit blühenden Blumen - die Zigeuner haben sie noch nicht
gestohlen.

Führung durch die Ausstellung - Foto: H. Gitschner
Die Durchgangsstraße, die E 60, wurde verbreitert und neu geteert,
führt allerdings immer noch quer durch Schäßburg. (Siehe
Bild von Kreuzung beim Kino)
Es gibt noch eine Menge zu tun, wie zum Beispiel die vielen Autos von
der Burg verbannen, eines unserer Anliegen. Es wird versucht, mit teuren
Einfahrgenehmigungen die Anzahl der Fahrzeuge zu reduzieren, wir sind
jedoch der Auffassung, dass nur durch ein totales Verbot dies Problem
gelöst werden kann, indem außerhalb der Burg genügend
Parkplätze geschaffen werden. (Siehe Bild Burggasse)
Wir bleiben unserem Wahlspruch weiter treu. Wir halten unser Versprechen!
„Ein Mann, ein Wort !“
Harald Gitschner (Schäßburg)

Letztes Update:
2005-08-27
- Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de
/ http://www.schaessburg-net.de
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