HOG-Schäßburg / Siebenbürgen

 

Unser Kindergarten am Hämchen: „Es regnet uns herein“

Wir bitten um Hilfe

Vielen von euch ist der Kindergarten am Hämchen gut bekannt, ist er ja inzwischen 70 Jahre alt und waren doch die meisten Schäßburger Kinder in diesem Kindergarten. Wer erinnert sich nicht gerne an Emmi Zebli, Wiltrud Baier (Wulletante), Edda Helwig, Christa Wohl, Alida Homm, Ute Schwarz, Roswitha Herberth, Ursula Baier, Brigitte Teutschländer, Waltraud Schuster, Hedda Binder und alle anderen „Tanten“?


Der Kindergarten am Hämchen


Nun, den Kindergarten gibt es noch immer, zwar mit weniger Gruppen und viel weniger deutschen Kindern als vor der Wende, aber das Gebäude und die Gruppenräume sind noch dieselben, nur sind sie jetzt anders eingerichtet als früher. Ich arbeite nach vier Jahren Tageskindergarten beim Sportplatz und acht Jahren Kindergarten in der Schaasergasse nun seit Herbst 1990 in diesem Kindergarten.
In den letzten 14 Jahren haben wir versucht, den Kindergarten, so gut es ging, instand zu halten und zu verschönern. Damals gehörten wir noch zum Bürgermeisteramt und wurden außerdem über einige Jahre vom „Freundeskreis Rumänienhilfe e. V.“ aus Chemnitz unterstützt. Mit seiner Hilfe wurden z. B. Vorraum, Toiletten und Waschraum gefliest und modernisiert.
Jetzt wäre es wieder an der Zeit, Reparaturen vorzunehmen, sowohl innen als auch – und vor allem – außen: Die Außenfassade ist in schrecklichem Zustand, das Dach benötigt dringend einer Erneuerung, es regnet uns herein, die Räume müssten ausgebessert und frisch getüncht werden – überall sind Risse in den Mauern, unser Abstellschuppen fällt bald in sich zusammen, Zaun und Eingangstor sind ebenfalls reparaturbedürftig. Abgesehen davon ist die Inneneinrichtung noch dieselbe wie vor zig Jahren und hält nicht mehr lange. Das wäre nur so einiges.
Seit etwa zwei Jahren bekommen wir von der Stadt kein Geld mehr für Reparaturen, und Sponsoren haben wir keine. Wir haben auch in diesem Jahr Geld für die notwendigsten Reparaturen beantragt, aber es gibt nichts mehr. Warum wohl? Weil wir, wie der Rumäne so schön sagt, „ai nimnui“ sind. Ja, liebe Schäßburger, ihr habt gut gelesen – wir gehören momentan zu niemandem! Wieso?
Bekanntlich gehörte der Kindergarten seinerzeit der evangelischen Kirche A. B. Dann kamen die Enteignungen, und er wurde vom Staat übernommen. Jetzt hat die evangelische Kirche u. a. auch das Kindergartengebäude zurückverlangt und ist mit dem Staat im Rechtsstreit, weil die Stadt nicht so ohne weiteres darauf verzichtet. Jetzt wird der Fall beim Obersten Gerichtshof in Bukarest verhandelt. Und bevor ein Urteil vorliegt, kümmert sich weder die Stadt noch die Kirche um uns; außerdem ist unsere Kirche, soviel ich weiß, ziemlich arm.
Unser Hilferuf richtet sich nun an all jene, die vielleicht noch etwas für diesen Kindergarten übrig haben, auch wenn es nicht ihre Kinder oder Enkelkinder sind, die diesen besuchen. Wenn es möglich war, die Bergschule mit all ihren Gebäuden mit Hilfe einer Stiftung auf Hochglanz zu bringen, sollte das doch auch für diesen inzwischen 70-jährigen Kindergarten möglich sein! Im Jahr 2000 haben wir 65 Jahre seit dem Bau dieses Gebäudes gefeiert. Unter den jetzigen Umständen werden wir die 70-Jahrfeier wohl verschieben müssen...
Wir haben im Kindergarten noch je zwei deutsche, rumänische und ungarische Gruppen mit je 20–22 Kindern im Alter von 3–7 Jahren. In den deutschen Gruppen arbeiten wir mit sehr wenig deutschen Kindern, weil ja kaum noch welche da sind, dafür aber mit gut gewillten andersnationalen Kindern. Die Arbeit ist für uns zwar schwerer als vorher, der Verständigung wegen, aber sie macht trotzdem Spaß. Wir versuchen, so gut es geht, den Kindern gute Bedingungen zu bieten, damit auch sie Spaß bei der Sache haben und gerne in den Kindergarten kommen. Nur: dazu braucht man oft finanzielle Unterstützung, und gerade die fehlt uns!
Bitte, liebe Schäßburger, denkt an eure Kindheit, denkt an die Kindheit eurer Kinder und Enkelkinder, denkt daran, dass das vielleicht die schönste Zeit eures Lebens war, wo ihr noch unbeschwert und frei von Sorgen sein konntet. Und denkt daran, dass wir „unseren“ Kindern hier auch eine unbeschwerte, sorgenfreie schöne Zeit bieten wollen.
Vielen Dank für eine eventuelle Unterstützung und viele liebe Grüße an alle, die mich kennen. Ich nehme an, dass ich als „Wulletantes“ Tochter noch einigen Schäßburgern bekannt bin.
Annemarie Martini (Schäßburg)


 

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Letztes Update: 2005-10-16 - Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de http://www.schaessburg-net.de © 2000 by kdg