HOG-Schäßburg / Siebenbürgen

 

Schülergenerationen mitgeprägt

Lehrer und Schulinspektor Michael Konradt wurde 80 Jahre alt


Michael Konradt

Der Pädagoge und ehemalige Rayonsinspektor Michael Konradt erfüllte am 23. März 2005 sein 80. Lebensjahr. Wohl dem, der anlässlich seines runden Geburtstages mit Stolz und Dank für die Anerkennung in seinem erfüllten Beruf auf sein Lebenswerk zurückblicken kann.
Wenn das Kreisschulamt im Jahre 2004 den ehemaligen Lehrer und Direktor nach 27 Jahren Landesabwesenheit noch kennt und ihn für seine herausragenden organisatorischen und pädagogischen Verdienste, anlässlich der 100-Jahrfeier zum Bestehen der ehemaligen Schäßburger Schule Nr.3, mit einem Ehrendiplom ehrt, dann muss diese Persönlichkeit namens Michael Konradt auf besondere und nachhaltige Weise für Rumänen und Deutsche an dieser Schule und im Rayon gewirkt haben.
Geboren am 23. 3.1925 in Birthälm als Ältester von fünf Geschwistern, als Sohn eines Metzgermeisters und Landwirts mit Weinbau-, Ackerbau- und Viehzuchtbetrieb, lebt Michael Konradt heute mit seiner Ehefrau Inge, geb. Martini, in Geretsried. Die beiden Kinder, Dr. phil. Edith (Magister für Kunstgeschichte) und Dr. med. Michael (Internist und Chirurg in Ausbildung), leben in Geretsried bzw. in Würzburg.
Seine zwei Brüder und zwei Schwestern leben als Großfamilie in Minden in Westfalen und halten den Sippenkontakt aufrecht.
Schon der Großvater war als Metzger und Landwirt einer der Wohlhabendsten in der Gemeinde, der eine Dreschmaschine und eine eigene Mühle mit Dieselmotorantrieb und später ein Elektrizitätswerk besaß.
Die Schule besuchte Konradt in seinem Heimatort, wo er auch konfirmiert wurde. Danach ging er auf das Untergymnasium an der Stefan-Ludwig-Roth-Schule in Mediasch und weiter auf das Lehrerseminar in Hermannstadt, welches er 1944 mit sehr gutem Abschluss beendete. Seinen Berufsanfang hatte er als Junglehrer für zwei Jahre in der Heimatgemeinde Birthälm. Nach dem Militärdienst begann er 1950 als Lehrer und später Direktor der Dorfschule von Kreisch bei Schäßburg mit deutschen, rumänischen und ungarischen Schülern.
Zum Schulinspektor des Rayons Schäßburg ab 1. August 1952 ernannt, setzte er sich mit Nachdruck für die pädagogischen Belange an den Schulen ein. In Anerkennung seiner Verdienste wurde ihm der hohe rumänische Arbeitsorden in einer Feierstunde in Neumarkt / Târgu Mure verliehen.
Seine Berufung als Direktor an die große Allgemeinschule Nr. 3 in Schäßburg mit über 1200 Schülern in deutschen und rumänischen Klassenzügen im 10-Klassen-System, dazu der Musikschule und im Fernstudium, waren eine besondere Herausforderung organisatorischer und pädagogischer Art für den ordnungsliebenden Siebenbürger Sachsen inmitten eines bunt gemischten Lehrerkollegiums. Bald hatte die Schule einen guten Ruf, mauserte sich zur Vorzeige- und Musterschule des Landkreises Mure und wurde von in- und ausländischen Delegationen besucht. Der Schulleiter Konradt war maßgeblich daran beteilig, dass die Schule bei zahlreichen Kulturwettbewerben erfolgreich war und Spitzenplätze belegte. So errang die Schule für den Bau einer elektronischen Orgel die Goldmedaille des Landes im Bereich Elektrotechnik.
Seinen Fähigkeiten entsprechend sorgte er für die Zusatzausstattung von Laboratorien für Chemie, Biologie und Physik, von Ateliers für Schlosserei, Schreinerei und Elektrotechnik, für eine große Bücherei, Musikräume und eine Turnhalle sowie mehrere Sportplätze. Viele Arbeiten wurden in Eigenregie erstellt, wie z. B. die selbst gezimmerten Schulbänke und Klassenmöbel.
Alles in allem, stellt Konradt mit Genugtuung fest, wurde die Schule derart reich ausgestattet, dass eine spätere Umwandlung in ein weiteres Gymnasium der Stadt Schäßburg vollzogen werden konnte.
Damals war Konradt gleichzeitig mit mehr als 10 Funktionen im Landkreis beauftragt, von Sonderaufgaben der Erhebung von Statistik-Daten, über Viehzählungen bis hin zur Feststellung und Bekämpfung des Analphabetentums. Gute Erinnerungen hat der Jubilar an die Organisation von Schulausflügen ans Schwarze Meer, von Gebirgsausflügen und sommers von in der Schule eingerichteten Pionierlagern.
Die Familie siedelte 1977 in die Bundesrepublik Deutschland um und ließ sich in Geretsried nieder, wo sie sich ein schmuckes Familienhaus schuf. Beruflich konnte das Ehepaar Konradt erfolgreich in den bayerischen Schuldienst einsteigen. Von 1977 bis 1980 war Michael Konradt an der Hammerschmid-Schule in Wolfratshausen als Lehrer bis zum Renteneintritt beschäftigt und erinnert sich an gute Erfolge bei Quali-Ergebnissen seiner 9-te-Klasse-Absolventen.
Dank seiner sportlichen Verfassung hatte er sich schon in Rumänien das Landessportabzeichen GMA II (Gata pentru Munc i Aprarea Patriei) erkämpft und in Deutschland sowohl das Bundessportabzeichen in Gold, 1978 als 53-Jähriger, sowie das Bayerische Landessportabzeichen in Gold erworben.
Seit 1977 ist Michael Konradt Mitglied der Kreisgruppe Bad Tölz – Wolfratshausen der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen, für die er in mehrfacher Weise tätig werden konnte. Er organisierte für die Mitglieder der Kreisgruppe mit viel Umsicht Busfahrten ins europäische Ausland als Studienreisen.
Über 27 Jahre lang sammelte er aus dem Bekanntenkreis abgelegte Kleider und Schuhe als Spenden für arme Leute in Siebenbürgen und brachte und verteilte diese Gaben Jahr für Jahr persönlich an die Notleidenden.
Sein großes Hobby, die Liebe zu den Schmetterlingen, konnte er erfolgreich in mehreren Vorträgen vor den Mitgliedern der Kreisgruppe bekannt machen; aber auch in Minden und 2003 in Fürth bei dem großen Schäßburger Treffen waren seine Dia-Vorträge gut besucht. Einzelheiten und besonders farbenprächtige Bilder über sein Schmetterlingshobby sind in einem lesenswerten Artikel unter dem Titel: „Im Banne der Schmetterlinge“ in den „Schäßburger Nachrichten“ Nr.13 vom 15. Juni 2000 erschienen.

Walter Klemm (Geretsried)


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