HOG-Schäßburg / Siebenbürgen

 

Siebenbürgische Sagen“ – das Standardwerk für die sächsische Sagenkunde

90 Jahre seit dem Tod von Friedrich Müller


Sachsenbischof Friedrich Müller

Friedrich Müller, Josef Haltrich und Friedrich Wilhelm Schuster bildeten im 19. Jahrhundert das Dreigestirn der siebenbürgischen volkskundlichen Forschung. Angeregt von der folkloristischen Bewegung der deutschen Romantik, die das Studium des Volksgutes zum Ziel hatte, und insbesondere von den Arbeiten der Brüder Grimm, hatten sich die drei Siebenbürger bereits als Studenten in Leipzig verschworen, in der Heimat sich ebenfalls der Sammlung und Erforschung des siebenbürgisch-sächsischen Volksgutes zu widmen.

Friedrich Müller, am 15.5.1828 in Schäßburg geboren und am 24.4.1915 in Hermannstadt gestorben, studierte in Leipzig und Berlin, war Professor und Rektor des Schäßburger Gymnasiums und ab 1893 in der Nachfolge von Georg Daniel Teutsch Sachsenbischof.
Seine volkskundlichen und historischen Publikationen haben eine weitgespannte Thematik: die römischen Inschriften in Dazien, deutsche Sprachdenkmäler in Siebenbürgen, Hexenglauben und Hexenprozesse, Kirchenbauten, Glockenkunde u. a. Vielleich sein wichtigstes, sicher sein volkstümlichstes Werk war eben die Sammlung und Herausgabe der „Siebenbürgischen Sagen“. Das Buch erschien 1857, ein Jahr nach Haltrichs Märchensammlung (1856). Eine zweite Auflage kam noch zu seinen Lebzeiten 1885 heraus. Die erste Auflage enthält 444 Sagen, die zweite 620. Es sind mythische Sagen, die Legenden ähneln, und historische Sagen, die wiederum an Anekdoten erinnern. 1972 verfasste Misch Orend eine erweiterte und mit Fotografien geschmückte Neuauflage. Hervorzuheben ist, dass Müller in seine Sagensammlung nicht nur sächsische (deutsche) Sagen aufnahm, sondern auch ungarische und rumänische sowie Sagen aus antiken Quellen, die sich auf diesen geografischen Raum beziehen. So entstand eine echte siebenbürgische Sagensammlung. Stücke aus Müllers Sammlung fehlten früher aus keinem deutschen Schullesebuch. Müller widmete sein Buch ausdrücklich „den deutschen Schulen in Siebenbürgen zu treuer Pflege“.

Alle siebenbürgischen Sagensammler nach Müller haben sein Sagenbuch als Vorbild betrachtet, und es ist somit bis heute nach 150 Jahren das Referenzwerk der sächsischen Sagenkunde geblieben.

Walter Roth (Dortmund)


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Letztes Update: 2005-10-16 - Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de http://www.schaessburg-net.de © 2000 by kdg