HOG-Schäßburg / Siebenbürgen

 

Vom Tagebuch zur Kurzprosa

Das Ergebnis fleißiger, harter Arbeit / Lehrerin und Autorin Grete Scheida

Die Lehrerin Grete Scheida, geb. Fuss, wurde am 5. Juni 1937 in Schäßburg geboren, besuchte die Grundschule und die Deutsche Pädagogische Schule und wurde nach erfolgreichem Abschluss derselben 1955 Lehrerin. Diesen Beruf übte sie zunächst in Kronstadt aus, heiratete und schenkte ihrem Sohn das Leben. Als ihr Mann 1973 von einem Besuch in die Bundesrepublik Deutschland nicht mehr zurückkehrte, wurde sie aus dem Schuldienst entlassen und musste drei Jahre warten, bis sie mit ihrem Sohn nach Köln zu ihrem Mann nachkommen konnte. Nach der Anerkennungsprüfung in Dortmund - mit Schwerpunktfach Musik - lehrte sie an der Grundschule - vorwiegend Musik - zunächst in Köln, später in Wesseling, wohin ihr Mann als Chemiker versetzt wurde. In den Ferien bereisten die Eheleute Scheida mit ihrem Wohnmobil viele Länder Europas und Afrikas; besonders beeindruckten die afrikanische Wüstenlandschaft und die Nord- und Ostsee.
Frau Grete Scheida hat neben ihrem Beruf schon früh angefangen zu schreiben. Zunächst war das Tagebuch „Gesprächspartner“, mit dem sie in ausführlich breiten Texten ihre Erlebnisse verarbeitete. Später wurden ihre Texte kürzer, konzentrierter auf das Wesentliche: Kurzprosa und freirhythmische Gedichte (bis zum 17-silbigen Haiku!). Im Mal- und Rucksackbuch „Das Froschkonzert“ wendet sich die engagierte Lehrerin den Schulkindern zu und verdichtet in lustigen Gedichten die Metamorphose der Frösche. Für die nächste Zeit plant sie Märchen für ihr Enkelkind.
Das Schreiben war für Grete Scheida ein Überlebensmittel: die Erlebnisse und Eindrücke der Wirklichkeit musste sie sich bewusst machen, in Worte, in die r i c h t i g e n, gültigen Worte fassen und äußern. Sie sagt: „Schrei“ und „reiben“ sind im Wort „Schreiben“ enthalten. Ihr Bändchen mit Gedichten und Kurzprosa heißt bezeichnenderweise „Litera-Türchen“. Die Titel der Sammelbände, in denen auch ihre Gedichte veröffentlicht wurden („Wahrheiten und andere Lügen“, „Kopfreisen“, „Liebe, Lust und Leichen“ und „Lieber Gott, jetzt spreche ich“) zeigen, dass „schmunzeln steuerfrei“ und erlaubt ist, auch wenn nicht alles nur witzig ist. Im Jahrbuch „Lyrik 2000“ und im starken „Band 6 der Nationalbibliothek des deutschsprachigen Gedichtes“ sind ihre Gedichte aufgenommen und veröffentlicht worden. Dieser Erfolg begegnet ihr immer wieder bei Lesungen im Rundfunk und in Schulen im In- und Ausland in angeregten und interessanten Gesprächen, besonders mit jungen Hörern. Der Erfolg ist das Ergebnis fleißiger, harter Arbeit! „Sie sprechen ja wie zu Goethes Zeiten“, sagte man ihr anfangs in Deutschland. Diesen Sprachschock hat sie u.a. im Literaturkreis und in der „Schreibwerkstatt“ der Melanchthon-Akademie verarbeitet, wo sie aufbauende Kritik und Hilfe erfahren hat, wo sie lernen musste, für Neues offen zu sein, ohne sich selbst zu verlieren oder zu verleugnen. Nach dem Motto (frei nach Camus): „Seiner Heimat und seiner Herkunft wahrhaft treu ist nur der, der sie in seinem gegenwärtigen Leben einfließen und wirken lässt.“
Das tut Grete Scheida in mehrfacher Weise. In Seniorenkreisen ihrer Kirchengemeinde engagiert sie sich durch Lesungen und musikalische Aktivität. Was sie von ihren Schäßburger Lehrern, besonders von Ernst Irtel und Dr. Eckhard Hügel, mitbekommen hat, hat ihren Musik- und Biologieunterricht geprägt: Sie spielt Klavier und Akkordeon, hat Schulorchester und Musiziergruppen organisiert und geleitet. Das Kinderbuch „Froschkonzert“ bringt den kleinen Hörern spielend in lustigen gereimten Versen die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse der Metamorphose des Frosches und den Lebensraum Teich in einer Lesung bei, der reguläre Biologieunterricht brauchte dafür mehrere Stunden. Und - ganz nebenbei - ihr ehemaliger Biologielehrer hat auch gedichtet!
Heute lebt Grete Scheida in Wesseling in einem schmucken Reihenhaus, „einsam, aber nicht allein“, wie sie sagt. Ihr Mann ist vor drei Jahren gestorben, ihr Sohn mit Familie lebt als Heilpraktiker in Barcelona. Im Wohnzimmer steht eine einladende Sitzgruppe, im kleinen Gärtchen stehen um den Tisch viele Stühle, für Freunde, die zu Besuch kommen. In ihrem sportlichen „Freelander“-Auto ist sie oft „auf Achse“, auf Waldspaziergängen, in der nahen Eifel oder sonstwo, wo es schön oder interessant ist, wo sie neue Ideen in ihrem Notizbuch sammelt, Samenkerne für neue Gedichte oder Texte, die manchmal lange reifen müssen, bis sie ihre endgültige Form bekommen. Zettel, die das Ringen um die beste sprachliche Gestalt bezeugen könnten, flattern zerrissen in den Rhein.

Hans Orendi (Mülheim a. d. Ruhr)


 

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