The Mihai-Eminescu-Trust aus London
Die Stiftung „Mihai Eminescu Trust“ wurde während der
dunkelsten Jahre der Ceauescu Diktatur gegründet, um Dissidenten
einen Rettungsring zum westlichen Wissen und zur westlicher Zivilisation
zu ermöglichen. Gegen Ende des Jahres 1988 wurde die Welt von Ceauescus
Plan der Zerstörung ländlicher Architektur alarmiert und dabei
half die Stiftung hunderten von Städten und Dörfern, diese vor
seinem Vorhaben zu schützen.
In der postkommunistischen Ära drohte die ländliche Landschaft
Rumäniens durch den Kollaps in der Landwirtschaft, ein Vakuum im
Eigentumsrecht sowie mangelndes Verständnis für das Kulturerbe
zerstört zu werden. Diese Situation wurde mir im Juli 1993 während
eines Besuchs in Siebenbürgen offensichtlich.
Wir hatten mit zwei Freunden ein Auto gemietet und fuhren nördlich
von Kronstadt in Richtung Schäßburg. Wir sahen uns etwa zehn
alte Dörfer an, alle mit typisch siebenbürgischen Merkmalen,
sahen außergewöhnliche Kirchen mit herrlich bemalten Kanzeln,
Schnitzereien sowie Schmiedeeisenarbeiten. Überall Zeichen ernster
Baufälligkeit sowie vom Einsturz bedrohte Bauten.
Es war besonders die Kirche in Radeln, die mich die Faszination Siebenbürgens
entdecken ließ. Ein exzentrischer Westdeutscher war es, der mir
den Altar zeigte. Es war ein Triptychon von großer Schönheit,
welches Szenen vom Leben der Jungfrau Maria widerspiegelte. Ich war überrascht,
in einem von Sachsen verlassenen Dorf ein Kunstwerk zu entdecken, das
mich an ein Werk der italienischen Renaissance erinnerte.
Von diesem Augenblick an fasste ich Vertrauen und konzentrierte mich auf
die sächsischen Dörfer in Siebenbürgen. Der plötzliche
Massenexodus der sächsischen Bevölkerung nach Deutschland im
Jahre 1990 verursachte einen Ausnahmezustand im Lande. Einige Rumänen
und Zigeuner hatten Häuser übernommen, jedoch lagen viele Gebäude
verwaist. Ein wertvolles Kulturerbe drohte vor unseren Augen verloren
zu gehen. Es bestand nicht nur aus außerordentlichen Kirchen und
Bauernhäusern, Ställen und Höfen im Wesentlichen seit dem
Mittelalter, die uns bezauberten, sondern betraf auch die noch alte Bauernwirtschaft
in Obstgärten, auf Hügeln und in Tälern, die seltenen Wildblumen,
die Schönheit und den Frieden der Berge sowie die Buchen- und Eichenwälder,
in denen noch immer Wölfe, Bären und Luchse überleben.
Was mit einer Sondierungsarbeit für den Schutz einiger bedrohten
Kirchen begann, entwickelte sich zu einem kulturellen und erneuerbaren
Programm, das wir „Whole Village Programme“ (Dörfliches
Gesamtprogramm) nennen. Im Laufe der Jahre wurde dieses ehrgeizige Programm
mittels Großzügigkeit der Packard Humanities Institute, der
Horizon Foundation, des Headly Trust sowie seiner Königlichen Hoheit,
dem Prince of Wales wesentlich erweitert.
1999 begannen wir die Arbeiten in fünf Dörfern 50 Meilen (80
km) nördlich von Kronstadt. Im darauf folgenden Jahr folgte eine
weitere Gruppe von Dörfern weitere 50 Meilen nördlicher. Bisher
sind zirka 200 Häuser insgesamt oder teilweise mit unserer Unterstützung
restauriert oder renoviert worden. Wir gewähren auch Rat, Beihilfe
und Darlehen, um den Dorfbewohnern zu ermöglichen, Kleinunternehmen
zu gründen. Zum Beispiel helfen wir Interessenten, ihre Bauernhäuser
in Gasthöfe umzuwandeln oder einheimische Produkte herzustellen und
zu vermarkten.
Jährlich bilden wir mithilfe europäischer Restauratoren Handwerker
in traditionellen Baumethoden aus, vermitteln ihnen, wie man spezifisch-ländliche
Architektur und dadurch Harmonie und Charakter der Straßen, aufrechterhält.
Wir wissen, dass heute Restaurierungsarbeiten von Rechnern, Digitaltelefonen
und modernen Sanitäreinrichtungen begleitet wird. Der entscheidende
Zweck ist jedoch, die moderne Technik des 21. Jahrhunderts mit dem Schutz
des unvergleichlichen kulturellen Erbes zu kombinieren.
Ein gutes Beispiel hierfür stellt die Ortschaft Malmkrog dar, die
den Sitz der ehemaligen Fürstenfamilie Apáfi beherbergte.
Hier haben wir das weitgehend zerfallene Gutshaus erworben, welches zurzeit,
mit dem Ziel, es zu einem gebrauchsfähigen Gebäude mit einer
regionalen Bibliothek umzuwandeln, vollkommen restauriert wird. Der anschließende
250 Morgen große Obstgarten, hauptsächlich Äpfel, den
wir durch Investitionen der Gemeinde als Einkommensquelle und Beschäftigung
zur Verfügung stellen, sowie Einrichten der ersten Apfelobstfarm
Siebenbürgens sind weitere zurzeit in Arbeit befindliche Maßnahmen.
Wir begrenzen unsere Bemühungen nicht nur auf die Dörfer. So
haben wir zum Beispiel im Jahre 2002 in der Stadt Heltau unweit von Hermannstadt
aufwändige Stuckfassaden restauriert. Diese Arbeiten, ausgeführt
von Auszubildenden aus Deutsch-Weißkirch, wurden zum Ausgangspunkt
für die preisgekrönten Arbeiten von vier Fassaden in Hermannstadt.
Mit Unterstützung der bundesdeutschen Gesellschaft für technische
Zusammenarbeit haben wir auch eine Hausfassade der Schäßburger
Hauptstraße restauriert und arbeiten zurzeit an der Mauer eines
der berühmten neun Türme der Altstadt.
Der Erfolg des „Dörflichen Gesamtprogramms“ beginnt,
die regionale Restaurationspolitik zu beeinflussen und dient auch als
Beispiel für weitere Dorfgemeinschaften in Rumänien, die sich
für diese Ziele interessieren. Es wird heute sogar auf internationaler
Ebene darüber gesprochen, dies als mögliches Modell für
bedrohte Dorfregionen generell zu übernehmen.
Gleichzeitig wächst auch das Vertrauen, dass die Dörfer als
lebende Gemeinschaften gerettet werden können. Mittlerweile sind
über 1000 Siebenbürger Sachsen aus dem Ausland zurückgekehrt,
und die hinzugekommene Bevölkerung rumänischen und zigeunerischen
Ursprungs ist in das Gemeinschaftsleben integriert worden. Vor allem Deutsch-Weißkirch
unter der Leitung der Gemeinderätin Frau Caroline Fernolend hat große
Aufmerksamkeit erregt. Hier wurde die historische Restauration mit einer
ökonomischen Regeneration der Wirtschaft optimal verbunden.
Das Dringendste und Notwendigste zurzeit besteht darin, die heute angewandte
Gesetzgebung so zu beeinflussen, dass diese die Region vor Einheitsbebauung
sowie vor dem Verfall schützt. Im November des letzten Jahres, als
Folge von Gesprächen zwischen Staatspräsident Iliescu, dem Trust
und dem Prinzen von Wales in Suceava (2002), hat der Trust in Schäßburg
eine Konferenz für integrierte Entwicklung der sächsischen Dörfer
in Siebenbürgen organisiert. Die neue rumänische Regierung zusammen
mit UNDP (United Nations Development Programme, Entwicklungsprogramm der
Vereinten Nationen) und MET (Eminescu Trust) hofft, die erste geschützte
Zone (first pilot protected zone) im September dieses Jahres zu realisieren.
Unser Ziel ist es, unser Konzept bis auf 200 sächsische Dörfer
zu erweitern, wir können aber nicht damit rechnen, dass unsere Geldgeber
uns unbegrenzt unterstützen.
Unser Wunsch ist es, mit der sächsischen Diaspora zusammenzuarbeiten.
Wie wunderbar wäre es, wenn weitere 20.000 Rückkehrer ihr Heimatland
sanft in das neue Jahrhundert führen könnten.
Jessica Douglas-Home (London)
Die Übersetzung aus dem Englischen erfolgte durch Arpad Bako (Lohmar).

Letztes Update:
2005-10-16
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/ http://www.schaessburg-net.de
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