Zehnjähriges Treffen zweier Chorgemeinschaften
Kammerchor Schäßburg / Sängerbund Obereisesheim
Als Uwe Horwath, der in Hermannstadt geborene Schäßburger
Musiklehrer, 1993 den Dirigentenstab beim Sängerbund Germania Hoffnung
e.V. in Obereisesheim übernahm, war für ihn bald klar, dass
er mit seiner bundesdeutschen Singgemeinschaft auch in Schäßburg
einmal ein Konzert geben wird. 1995 war es dann so weit, der von Hermann
Baier geleitete Schäßburger Kammerchor empfing zum ersten Mal
die Sängerinnen und Sänger aus Obereisesheim. Es folgten im
Wechsel gegenseitige Besuche – mit diesem letzten waren es insgesamt
sechs – wobei immer auch üppige Programme, künstlerische
wie auch freizeitgestalterische, im Gepäck des jeweiligen Gastgebers
bzw. der Gäste waren.
Wie das zehnjährige Bestehen dieser Freundschaft zweier Chorgemeinschaften
abgelaufen ist, wollen wir diesmal aus der Sicht der Schriftführerin
des Sängerbunds, Frau Christine Thiemt, hören bzw. lesen. Ihr
Beitrag musste aus objektiven Gründen etwas gekürzt werden.
Dritter Besuch des Kammerchors Schäßburg in Obereisesheim
 Kammerchor
Schäßburg |
Als zu Pfingsten 2003 ein Zug aus Schäßburg abfuhr, an
Bord die Obereisesheimer Sänger am Ende ihrer dritten Chorreise
nach Siebenbürgen, am Bahnsteig viele Mitglieder des Schäßburger
Kammerchors, und das lautstarke zweisprachige „Auf Wiedersehen!“
„La revedere!“ fast den Zuglärm übertönte
– da stand schon fest, dass es ein Wiedersehen auf jeden Fall
geben würde, und zwar zwei Jahre später, wenn man den zehnjährigen
Bestand der Sängerfreundschaft zwischen dem Obereisesheimer Gesangverein
und dem Kammerchor Schäßburg würde feiern können.
Am Freitag, dem 21. Oktober 2005, war es dann soweit: Ein Bus mit
rumänischem Kennzeichen hielt hinter dem Rathaus, und mit großem
Hallo nahmen die Obereisesheimer Sänger ihre Freunde aus Schäßburg
in Empfang. Nach der traditionellen „Erstversorgung“ mit
Sekt und Brezeln hinterm Rathaus konnten sich die Weitgereisten –
immerhin hatten sie fast zwei Tage Fahrzeit im Bus hinter sich! –
bei ihren Quartiergebern etwas ausruhen, ehe es am Abend zur gemeinsamen
Probe ging. |
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Kammerchor Obereisesheim
Gemeinsames Singen
Kernstück unseres Beisammenseins war naturgemäß das
gemeinsame Konzert am Abend des 22. Oktober. Wir konnten uns über
ein „volles Haus“ freuen, besonders darüber, dass viele
gebürtige Siebenbürger, auch aus dem weiteren Umfeld, in die
Festhalle gekommen waren. Zweierlei hatte man sich vorgenommen: zum einen
lässt sich das Jubiläum einer Freundschaft zwischen zwei Chören
selbstredend nicht besser feiern als mit Musik. Zudem sollte dem Publikum
die höchst lebendige Musiktradition Rumäniens nahe gebracht
werden. Dies gelang dem Kammerchor Schäßburg auf eindrucksvolle
Weise. Unter der Leitung von Nicolae Bogdan präsentierte der Kammerchor
eine anrührend schöne, sehr klangrein vorgetragene Auswahl rumänischer
Volkslieder, darunter „Foaie verde ...“, „Jineasca“
und „Mult ma? întreaba? inima“. Hinzu kamen Chorbearbeitungen
bekannter Komponisten, wie „Ciocîrlia“ (Die Lerche)
von Felix Mendelssohn-Bartholdy, und als kleine Reverenz an die Gastgeber
zwei deutsche Volkslieder. Das „Bild zum Ton“ lieferte danach
die (Obereisesheimer) Singgruppe, die eine musikalisch untermalte Diashow
mit Impressionen aus den bisherigen drei Chorreisen vorbereitet hatte.
Die große Vielfalt modernen Chorgesangs stellten anschließend
die Chöre unseres Vereins unter Beweis, dirigiert von Chorleiter
Uwe Horwath. Bei den abwechslungsreichen Darbietungen war sicher für
jeden Geschmack etwas dabei: Singgruppe und gemischter Chor stellten Evergreens
aus UFA-Filmen und von den Comedian Harmonists ebenso vor wie ein „Swinging
Menuett“ à la J. S. Bach. Dass uns um die Zukunft des Vereins
nicht bange sein muss, bewies die Chorjugend ’93 mit modernen, geistlichen
Liedern und den bekannten Titeln „Aquarius“ und „Lollipop“.
Begleitet wurden die Sänger von Martin Lechner (Piano) und Oliver
Urtel (Schlagzeug).
Einen viel bejubelten Schlusspunkt setzte der gemeinsame Auftritt von
Schäßburgern und Obereisesheimern mit der „Ode an die
Freude“ als Beitrag zum Schillerjahr und dem Tanzlied „Hat¸egana“,
das schon wegen seines schier unglaublichen Tempos das Publikum begeistert
mitgehen ließ.
Natürlich war für unsere rumänischen Freunde auch ein Beiprogramm
arrangiert. So konnten die Schäßburger – begleitet vom
einen oder anderen aus unseren Reihen – in der Weinbaugenossenschaft
Neckarsulm hiesige Gewächse verkosten und die historische Altstadt
von Bad Wimpfen besichtigen. Am Montagnachmittag gab es bei strahlendem
Herbstwetter einen Ausflug zum Schloss Ludwigsburg und dem Blühenden
Barock. Und nicht zu vergessen die beiden Anlässe, bei denen der
Schäßburger Kammerchor sein musikalisches Können zeigte.
Wer zum Sonntagsgottesdienst nach St. Dionys kam, erlebte eine stimmungsvolle
heilige Messe mit wiederum erstklassig gestalteter geistlicher Chormusik,
unter anderem dem Choral „Ich bete an die Macht der Liebe“
in rumänischer Sprache. Und ein Ständchen erhielt auch Oberbürgermeister
Volker Blust beim offiziellen Empfang des Chores im Neckarsulmer Rathaus.
OB Blust würdigte öffentlich die langjährige Beziehung
der beiden Chöre und betonte die Wichtigkeit von Begegnungen dieser
Art für das Zusammenwachsen in Europa.
Apropos Europa: Falls sich jemand bislang gefragt hat, auf welche Weise
Sprach- und sonstige Grenzen am einfachsten überwunden werden können,
bekam die Antwort bei unserem gemeinsamen Abschlussabend im evangelischen
Gemeindehaus.
Europa, das sind nicht irgendwelche Bürokraten in Brüssel. Europa
ist, wenn jemand sich ans Klavier setzt und der Nächste seine Geige
auspackt, man zusammen lacht, miteinander singt und tanzt und Worte nicht
mehr benötigt werden, und wo man sich auf ein Wiedersehen freut.
Europa, das sind wir, wenn wir es wollen!
Helwig Schumann (Untergruppenbach)

Letztes Update:
2006-04-14
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