Die Schäßburger Bergkirche ist
Trägerin des Großen Preises für Kulturerbe 2004 der Europäischen
Union, verliehen durch EUROPA NOSTRA
Bekanntlich haben am Sonntag, 4.09.2005 im Anschluss an den Hauptgottesdienst
in der Bergkirche die Festlichkeiten zur Verleihung des Großen Preises
für Kulturerbe 2004 der Europäischen Union stattgefunden. Mit
der Enthüllung der Plakette von EUROPA NOSTRA an der Ostwand des
südlichen Seitenschiffs wird ‚materiell’ die Anerkennung
und hohe Auszeichnung dokumentiert, die den 1993 – 2004 durchgeführten
Instandsetzungs- und Restaurierungsmaßnahmen an der Bergkirche zuteil
geworden ist.
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| Urkunde an Architekt Enczedi - Foto: W. Lingner |
Ehrenplatte der Europa Nostra |
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| Ansprache Dr. A.H. Schuler - Foto: W. Lingner |
Architekt Benczeli dankt - Foto: W. Lingner |
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| Vertreter der Stiftung Europa Nostra - Foto: W. Lingner |
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Der Preis für Kulturerbe der Europäischen Union’ ist
auf Veranlassung der Europäischen Kommission im Rahmen des Programms
“Kultur 2000” im Jahre 2002 eingeführt worden. Für
die Preisvergabe mit all den langwierigen Formalitäten über
Antragstellung, Bewertung, Auswahl und Preisverleihung wurde die paneuropäische
Föderation für das gemeinsame Erbe EUROPA NOSTRA ausgewählt,
die auf jahrzehntelange Erfahrung in der öffentlichen Würdigung
von individuellen oder gemeinsamen Leistungen zur Sicherung des Kulturerbes
auf europäischer Ebene zurückblicken kann. Als Zusammenschluss
von über 200 europäischen „Nicht-Regierungs“- Organisationen
(englisch abgekürzt NGO’s) bündelt EUROPA NOSTRA die Bemühungen
der Bürgerinitiativen für die Erhaltung des Kulturerbes europaweit
und vertritt ihre Interessen gegenüber den Institutionen der Europäischen
Union, des Europarates und der UNESCO.
In der von EUROPA NOSTRA herausgegebenen Broschüre mit den Preisträgern
2004 ist
nachzulesen, welche Zielsetzungen sich hinter dem ‚Preis für
Kulturerbe’ verbergen: Zum einen soll er höchste Qualitätsstandards
in der Praxis der Denkmalpflege und den grenzüberschreitenden Erfahrungsaustausch
in der Kulturgutsicherung fördern. Zum anderen soll er Kraft des
“guten Beispiels” zu weiteren Anstrengungen und Projekten
zur Kulturgutsicherung in ganz Europa anregen.
Diese waren und sind die Maßstäbe, nach denen die Jury von
EUROPA NOSTRA den Restaurierungsmaßnahmen an der Bergkirche einstimmig
den Großen Preis zuerkannt hat, und das von 113 Bewerbungen europaweit.
In der Begründung ist denn auch nachzulesen, dass die Gesamtmaßnahme
ein exemplarisches Beispiel pluridisziplinärer und internationaler
Zusammenarbeit darstelle, wo u.a. zur statischen Sicherung erstmals in
Rumänien das sogen. Vorspannverfahren angewandt worden sei, für
die freigelegten Wandgemälde ein Restaurierungskurs stattgefunden
habe und die Kirche als siebenbürgisch-sächsisches Kulturzentrum
und Museum mit neuem Leben erfüllt werde. Auch habe das Projekt zweifellos
als Katalysator für andere Instandsetzungsmaßnahmen in der
Altstadt gewirkt.
Zum Verständnis all dieser Fakten fehlen bedauerlicherweise wichtige
Grundinformationen, die mit der Initiative der Messerschmitt Stiftung
München hätten beginnen müssen, in Siebenbürgen ein
bedeutendes kirchliches Bauwerk nach internationalen, von ICOMOS (dem
Internationalen Rat für Denkmalpflege der UNESCO) vertretenen denkmalpflegerischen
Maßstäben zu sichern bzw. instand zu setzen, und nur weil der
ICOMOS - Berater der Stiftung – und Verfasser dieser Zeilen –
gebürtiger Schässburger ist, die Bergkirche ausgewählt
wurde. Von ihm stammt neben der denkmalpflegerischen Gesamtkonzeption
z.B. der Vorschlag für die Anwendung des Vorspannverfahrens zur statischen
Sicherung und die Vermittlung von Dr. Jürgen Haller, Karlsruhe, der
das Projekt in Zusammenarbeit mit dem Bukarester Statiker Ing. Constantin
Pavelescu ausgearbeitet hat, die Vermittlung der durchführenden Firma
aus München oder die Initiative und Organisation des 1995 in der
Bergkirche seitens ICCROM, dem internationalen Restaurierungszentrum der
UNESCO in Rom, durchgeführten europäischen Wandgemälde
- Restaurierungskurses. Die Finanzierung des zweiten Bauabschnittes durch
das rumänische Kulturministerium geht schließlich auch auf
seine Intervention zurück. Damit sollen die Verdienste des örtlichen,
von Horst Zickeli geführten Bauunternehmens und jene des Architekturbüros
“M” unter der Leitung von Sandor Benczedi in keiner Weise
geschmälert werden, denn nur Dank ihres Einsatzes konnte die denkmalpflegerische
Konzeption umgesetzt, die geplanten Maßnahmen durchgeführt
und die dafür erforderlichen Baumaterialien und auch die entsprechenden
Fachleute (Holzrestaurator, Steinrestauratoren aus Ungarn, Archäologin)
vermittelt werden. Ihnen allen gebührt Dank und Anerkennung.
Die Liste all derer, die an der Instandsetzung der Bergkirche beteiligt
waren, würde den Rahmen dieses Beitrages sprengen. Sie sind an jenem
Septembersonntag in der Bergkirche allesamt namentlich und/oder auch persönlich
geehrt worden. Der hohe Stellenwert dieser europäischen Auszeichnung
ist auch daran zu messen, dass an den Feierlichkeiten neben den Vertretern
der kirchlichen (Bischofsvikar Dr. Hans Klein, Stadtpfarrer Bruno Fröhlich)
und politischen Gemeinde (Vizebürgermeister Sorin Savu), des rumänischen
Staates (Adrian Craciunescu, Kulturministerium, Mona Musca, Kulturministerin
a.D., Ioan Opris, ehem. Staatssekretär im Kulturministerium) und
den Vertretern von EUROPA NOSTRA - Wynford Evans, Vorsitzender der Jury
und Dr. Andrea H. Schuler, neuer Präsident der Organisation, auch
Jonathan Scheele, Botschafter der Europäischen Union in Bukarest
teilgenommen haben.
Christoph Machat (Köln)

Letztes Update:
2006-04-14
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