Aus der Reihe "Ökumene in Schäßburg"
(Teil 5)
Die griechisch - Katholische Kirche in Schäßburg
Die Geschichte der griechisch-katholischen Kirche (Biserica Greco-Catolica?
oder Biserica Româna? Unita? cu Roma) beginnt im Jahre 1700, als
Bischof Atanasius (Atanasie) – zur Rettung der byzantinischen Tradition
einerseits und auch zur Rettung der rumänischen Sprache und Kultur
– sich mit der römischen (katholischen) Kirche vereinigt. Im
Laufe der Zeit hat diese Kirche für die Erhaltung der rumänischen
Kultur gekämpft: Am 11. Oktober 1754 wurde die erste rumänische
Schule unter der Leitung von Bischof P. P. Aron in Siebenbürgen gegründet.
Blasendorf/Blaj wird Bischofssitz und seit 1854 Sitz der Metropolie und
somit Hauptstadt der rumänischen Kultur oder – wie es der größte
rumänische Dichter Mihai Eminescu genannt hat – „Mica
Roma“ (Klein-Rom).
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| Der Ikonistaz - Foto: W. Lingner |
Die Siechhofkirche - Foto: W. Lingner |

Empore mit Orgel - Foto: W. Lingner
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| Durchblick auf den Altar der evangelischen Kirche - Foto: W. Lingner |
Die Kanzel - Foto: W. Lingner |
Aufgrund ihrer Kontakte zum Westen, insbesondere zum Vatikan, wird 1948
die Griechisch-Katholische Kirche von dem kommunistischen Regime zur illegalen
Organisation erklärt. Im Jahre 1948 begann – wie es der große
Bischof Ioan Suciu nannte – der „Karfreitag der griechisch-katholischen
Kirche“. Leider ist es so, dass auch heute noch, 15 Jahre nachdem
unsere Kirche wieder in voller Legalität ist, ihre Wunden stark bluten;
der Grund dafür ist, dass das aktuelle politische Regime die Kirchen
präferentiell behandelt.
Das „Ereignis 1948“ hat die Gemeindegliederzahl extrem verringert.
Vormals eine Mehrheitskirche in Siebenbürgen, sind die Griechisch-Katholischen
heute eine Minderheit, die etwa 5% der Bevölkerung Siebenbürgens
ausmacht.
Die Stadt Schäßburg hatte nie eine große griechisch-katholische
Gemeinde, so dass das „Ereignis 1948“ unsere Gemeinde nicht
so stark betroffen hat. Die lokalen Volkszählungen erwähnen
nur zwei Gläubige gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Diese Zahl steigt
auf etwa 50 Seelen zur Hälfte des 20. Jahrhunderts. Diese wenigen
Gemeindeglieder feierten ihre Gottesdienste in einer angemieteten Kapelle
(wahrscheinlich war diese in einem Wohnhaus in der Hintergasse, vielleicht
weiß jemand von den älteren Schäßburgern Genaueres),
ohne größere Ansprüche. Zur Zeit hat die Gemeinde 215
Seelen; die meisten davon sind ältere Menschen, allerdings gibt es
auch eine starke und aktive Jugendgruppe die uns Hoffnung für unsere
Gemeinde und unsere Kirche gibt.

Die Tafeln über dem Eingang der Siechhofkirche - Foto:
W. Lingner
Im Jahre 1990 wird die Schäßburger Gemeinde (Parohia Sighioara)
wieder gegründet. Zur Verfügung gestellt wurde ihr die „Heilig-Geist-Kirche“,
bekannt auch unter dem Namen „Siechhofkirche“, weil sie neben
einem Leprosorium funktionierte. (Für die Traditionskirchen, die
orthodoxe, die katholische, ist es sehr wichtig, wem die Kirche geweiht
ist, die Gläubigen feiern dann – in diesem Fall zu Pfingsten
– die Kirchweih, „Hramul Bisericii.) Das Gotteshaus ist unserer
Gemeinde von der evangelischen Gemeinde zugestellt worden und zwar in
Form eines Mietvertrages, der alle fünf Jahre erneuert wird. (Es
handelt sich um einen so genannten „Contract de comodat“;
d. h., sie zahlen keine Miete, halten aber dafür die Kirche in Schuss.)
Beginnend mit dem Jahr 1990 haben mehrere Pfarrer hier gedient: in den
ersten Jahren bis 1996 wurde die Gemeinde von den Pfarrern Pa?dureanu,
Camil Peteu (er aktivierte schon zu kommunistischen Verfolgungszeiten)
und Nicolae Tânt¸a?reanu betreut. Beginnend mit dem Jahr 1996
wird ein Stadtpfarrer, „paroh permanent“ (Paroh bedeutet,
dass der betreffende Pfarrer auch als Administrator der Gemeinde vorsteht;
bei uns ist das der geschäftsführende Pfarrer oder der Stadtpfarrer),
in der Person von Emil Jude eingesetzt, der das Amt bis 2001 inne hatte.
In dieser Zeit begann unsere Gemeinde eine Identität zu entwickeln.
Zusammen mit den Pfarrern der andern historischen Konfessionen beginnt
mit dem Jahr 1998 eine ökumenische Bewegung, die ihresgleichen sucht.
Es kommt die Ökumenische Gebetswoche zustande: ein geistliches Ereignis,
welches einzigartig für die ganze Gegend ist. Es wurde aus Gegenden
übernommen, wo das ökumenische Element besser entwickelt ist.
Pfarrer Jude veranlasst einige Veränderungen im Innenraum der Kirche:
die für unsere byzantinische Identität notwendige Bilderwand
(Ikonostas); allerdings ist diese mobil, so dass auch die Evangelische
Kirche ihre geistlichen Veranstaltungen halten kann (das sind die Advent-
und Passionsandachten sowie Trauerfeiern für jene, die am Siechhof
beerdigt werden). Zurzeit lebt Pfarrer Jude in Kanada, wo er die Gemeinde
der Griechisch-Katholischen aus Toronto „Frohe Botschaft“
(Buna Vestire) ins Leben gerufen hat.
Im Jahre 2001 wird Pfarrer Ciprian Da?ra?ban als Pfarramtsverwalter (administrator
parohial) ernannt. Er ist vor allem im Bereich der Jugendarbeit aktiv;
die Jugendlichen der Gemeinde nehmen an Veranstaltungen der katholischen
Jugend teil.
Im Jahre 2004 ist die Siechhofkirche renoviert und vom Metropoliten Lucian
Mures¸an (aus Blasendorf) eingeweiht worden. Für Pfarrer Da?ra?ban
ist auch die Ökumenische Arbeit ein Anliegen; hier konnte die vor
ihm begonnene Arbeit fortgesetzt werden. Zwischen den Pfarrern der verschiedenen
Konfessionen gibt es nicht nur eine gute Zusammenarbeit, sondern auch
richtige Freundschaften.
Zur Zeit funktioniert unsere Gemeinde normal (für unsere Verhältnisse).
Probleme die wir haben, sind finanzieller Natur, weil die Gemeindeglieder
in der Regel ältere Menschen, eben Rentner, mit kleinen Einkommen
sind. Hilfen von außerhalb der Gemeinde sind gering.
Pfarrer Ciprian Daraban (Schäßburg)
(Übersetzung aus demRumänischen und Erläuterungen: Hans
Bruno Fröhlich)

Letztes Update:
2006-04-14
- Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de
/ http://www.schaessburg-net.de
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