Das Klavichord des Samuel Mätz
Ein bedeutendes Exponat aus dem Stundenturmmuseum wurde restauriert
Dieser Vorläufer des Klaviers wurde von Samuel Joseph Mätz,
geb.10.02.1760 in Holzmengen (Kreis Hermannstadt), gest.27.07.1826 in
Birthälm, dem Begründer der bekannten siebenbürgischen
Orgelbauer- und Musikerfamilie, gebaut. Das Klavichord befand sich im
Besitz der Familie Dr. Fritz Mild aus Schäßburg und wurde 1924
dem Museum „Alt-Schäßburg“ gestiftet. Nach unseren
Kenntnissen ist es eines von ganz wenigen Klavichorde in Rumänien,
das einwandfrei funktioniert. In der Familie der Tasteninstrumente ist
es das erste, bei dem die Saiten angeschlagen und nicht wie bei einem
Vorgänger, dem Spinett zum Beispiel, angerissen werden.
In der sehr umfangreichen und wertvollen Sammlung des Geschichtemuseums
im Stundturm befinden sich auch Musikinstrumente, unter anderem das bereits
angeführte Klavichord, zwei Pianofortes, eine Querflöte, Trompeten
und Hörner sowie neustens ein weiteres Klavier aus dem 19ten Jahrhundert.
Auf das Vorhandensein dieser wertvollen Instrumentensammlung wurde 2002
in Krakau von dem Museologen Mihai Adonis und Herrn Dozent Dr. Ing. Radu
Radescu aus Bukarest anlässlich der von der Europäischen Gemeinschaft
organisierten Konferenz für die Erforschung bzw. Erfassung für
die Nachwelt des kulturellen Erbes hingewiesen. Ein Aufruf an profilierte
europäische Institutionen und Körperschaften, sich in die Instandsetzung
und Reparatur von schützenswerten „Nachlässen“ einzubringen,
hatte für die Schäßburger Instrumentensammlung Gehör
gefunden. Die Stiftung Mihai Eminescu aus London hatte den Aufruf aus
Krakau vernommen und im Auftrag von Frau Jessica Douglas-Home eine kompetente
Fachkraft nach Schäßburg geschickt, um die Restaurierung des
Mätz’schen Klavichords in die Wege zu leiten. Die Stiftung
errichtete eine Zweigstelle in Schäßburg und beauftragte den
Restaurator Edmund Handy aus England, sich des Instrumentes anzunehmen.
Schon 2002 wurde, mit Unterstützung der Museumsleitung, der Weg für
das Vorhaben geebnet. Als schließlich auch die Genehmigung vom Kulturministerium
vorlag und die Finanzierung des Vorhabens klar war, konnte der Restaurator
an 20 Tagen (04.-24.April 2005), in der Restaurationswerkstätte des
Stundturmmuseums das Instrument wieder funktionstüchtig machen. Dabei
soll hier bloß die Feststellung gemacht werden, dass am Klavichord
so einiges zu ersetzen, zu erneuern und zu reparieren war.

Der Restaurator Edmund Handy am Werk

Konzert in Birthälm am Klavichord

Konzert im Stundturm am Klavichord
An dieser Stelle will ich nun denjenigen meinen Dank aussprechen, die
uns vor Ort bei der Umsetzung des Vorhabens geholfen haben. Unser Dank
geht an Herrn Ing. Florin Pipas, Direktor der S.C. Consig S.A., an Herrn
Harald Gitschner, Direktor der S.C. Parato S.A., sowie an Herrn Volker
Reiter, Direktor des „Centrul Educat¸ional Interetnic pentru
Tineret“ in Schäßburg.
Das wieder bespielbar gemachte Instrument sollte sein Können auch
bald unter Beweis stellen. In den Räumlichkeiten des Stundturms wurden
zwei Konzerte veranstaltet. Das erste fand am 18. Juni 2005 statt. Der
Organist Erich Türk spielte Werke von Codex Caioni (17. Jh.), Girolamo
Frescobaldi (1583-1643), Jean Henri d’Anglebert (1635-1691), Georg
Muffat (1653-1704) und Johann Sebastian Bach (1685-1759). Das zweite Konzert
fand am 20.08.2005 im Rahmen des Festivals für Akademische Musik
statt. Außer dem Organisten Erich Türk wirkten noch mit: Melinda
Beres (Geige) und Ciprian Campean (Cello), beide aus Klausenburg. Zu Gehör
gebracht wurden Werke von Antonio Vivaldi, Georg Philipp Telemann, Johann
Heinrich Schmelzer und Georg Muffat.
Das letzte Konzert fand am 17. September d. J. anlässlich der „Sächsischen
Tage“ in Birthälm statt, wo der Restaurator des Instruments,
Herr Edmund Handy, gemeinsam mit dem englischen Klaviervirtuosen Wiliam
Howard, eine außergewöhnliche musikalische Darbietung brachten.
Zum Vortrag kamen Werke von Dietrich Buxtehude, Wiliam Byrd, Andonio Soler,
Johann Sebastian Bach, Herbert Howels, Bela Bartok sowie David Hewson
(geb. 1953).
Das Konzert fand in einem Birthälmer Haus statt, das heute der Stiftung
„Mihai Eminescu“ gehört.
Der künstlerische Vortrag führte uns nochmals vor Augen, dass,
wenn Interesse da ist und auch die Unterstützung gewährleistet
wird, einmalige kulturelle Höhepunkte geschaffen werden können.
Darum an dieser Stelle nochmals unseren ganz besonderen Dank an Herrn
Dozent Dr. Radu Radescu, der am Gelingen dieser Konzerte maßgeblich
beteiligt war.
Adriana Antihi (Schäßburg)
Übersetzung aus dem Rumänischen: Helwig Schumann

Letztes Update:
2006-04-14
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