Transsilvanisches memento
Zum 50. Maturajubiläum
Es gibt wohl keinen geeigneteren Ort
im Leben durch der Jahre Fliehen,
verbürgt im Suchen nach dem Hort,
als den, wo gemeinsame Erinnerungen blühen.
Gedankenflug in eine Welt,
wo man vor fünfzig Jahren
vom hehren Wunsche war beseelt,
den Geist zu fördern und zu wahren.
Der Weg zur höheren Erkenntnis
war beschwerlich und voller Pein,
behielt oft seine änigmatische Bewandtnis:
Was war denn echt, was war Schein?
Ort des Wissens und der Tugend,
o Tempora, o Mores! Du wandelbarer Raum,
elanvoll stets wie einst die Jugend,
verwirklichten wir denn unsern Traum?
Es stiehlt sich ins geistige Auge der Berg,
wo oben erhaben trotzte im Sturm,
gleich einer Festung – ein Meisterwerk:
der jahrhundertealte, verwitterte Turm.
Höhen und Tiefen umspannen den Bogen,
ein Bollwerk die Mauern und schützende Wehr,
verträumte Gassen, der Wald sagenumwoben,
Europas Danubius ergießt sich ins Meer.
Tradition und Berufung, ein hartes Geschlecht,
ad retinendam coronam auf freiem Boden,
es schützten die Freiheit, bewahrten das Recht
verwegene Siedler, die früh hergezogen.
Nach vielen segensreichen Jahren
begann der Wettlauf mit der Zeit:
Wie lang könnte man hier bewahren
angestammtes Recht und Freiheit?
Das Wandern ist nicht jedes Menschen Lust,
doch unerträglich ward dessen Last,
der fern der Urheimat in stetem Frust
in Sorg und Pein einst fronen musst.
Drum wagten viele den tollkühnen Sprung,
über viele Hürden führte ihr Weg,
durch dick und dünn, durchs Purgatorium,
und mit Dornen gepflastert war mancher Steg.
War es die Wiege unserer Väter,
die uns zum Aufbruch rief,
die Not, das Elend, Unbill der Missetäter
der Ungerechtigkeit Makel oder der Mief?
War es das Wirtschaftswunder, das uns rief,
der Glaube an eine freie, heile Welt,
“La dolce vita” oder der herbeigesehnte Brief,
war es des Vogels Lockruf, war es Geld?
Zurück blieb am entfernten Bogen,
was auswandernde Bürger Heimat nannten:
der Flüsse Lauf, das Tal, des Meeres Wogen,
das traute Heim, der Wald und die Bekannten.
Gedenket derer, die dort bleiben,
der Heimat treu sind und nicht klagen,
große Opfer bringen und viel leiden,
ein schweres Los mit Würde tragen.
Tag für Tag, Jahr um Jahr
ziehen wir Kreise des Lebens um die Zeit,
Rückblick und Vorschau bleiben immerdar
als zwei sich ergänzende Größen der Ewigkeit.
Gerd Schlesak (Tamm)

Letztes Update:
2006-04-21
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