HOG-Schäßburg / Siebenbürgen

Dieter Schlesak

Ehrendoktor der Universität Bukarest
Ehrung auch in Schäßburg


Dieter Schlesak

Im Rahmen der Festveranstaltungen zum 100. Jubiläum des Germanistik¬lehrstuhls an der Universität Bukarest fand am 7. November 2005 die Ehrenpromotion des gebürtigen Schäßburger Schriftstellers und Publizisten Dieter Schlesak statt.
Der Geehrte nahm die Urkunde aus den Händen des Rektors der Universität, Prof. Dr. Ioan Pânzaru, entgegen. Die Laudatio hielt Prof. Dr. George Gut¸u, Leiter des Germanis¬tik¬lehrstuhls, der Leben und Wirken des 1934 in Schäßburg geborenen Autors würdigte.
Dieter Schlesak, Absolvent dieser Universität, war Redakteur der Monatszeitschrift „Neue Literatur“ in Bukarest und siedelte 1969 nach Deutschland aus.
Schlesaks Romane, Essays und die zahlreichen Presse- und Rundfunkbeiträge sowie die Übersetzungen rumänischer Gegenwartslyrik sind Ausdruck ungebrochener Bindung des heute in Italien lebenden Schriftstellers zu Siebenbürgen, zu Rumänien und seiner lebendigen Kultur. Paul Celan als Vorbild, seine Freunde Nichita Sta?nescu, Emile Cioran und Ion Caraion haben Schlesaks tief empfundene Sympathie zur Kulturlandschaft Rumäniens bestärkt.


Dieter Schlesak -
Ehrendoktoransprache


Nach der Aussiedlung vor 40 Jahren auf ständiger Identitätssuche im Spannungsfeld „Zukunft braucht Herkunft“ (auch als „Ohne Wurzeln keine Früchte“ bekannt), in ständiger Auseinandersetzung mit den zwei Diktaturen, die zum Verschwinden der sächsischen Gemeinschaft geführt haben, findet Schlesak immer zurück zu seiner auch geistigen Heimat in Schäßburg, in Siebenbürgen, in Rumänien. Mit der Verleihung der Ehrendoktorwürde wurde der Autor geehrt, dessen von GULAG, Auschwitz („Endstation unserer Zivilisation“) aber auch Hiroshima traumatisierten Romanfiguren um die historische Wahrheit ringen.
Auf Initiative von Frau Prof. Mariana Gorczyca wurde mit städtischer Unterstützung am Schäßburger „Colegiul Naional Mircea Eliade“, dem früheren rumänischen Lyzeum Nr. 1, ein Kabinett für deutsche Sprache und Literatur eingerichtet. Es trägt den Namen von Dieter Schlesak, der zur feierlichen Eröffnung persönlich gekommen war. Zahlreiche Ehrengäste, darunter der deutsche Generalkonsul aus Hermannstadt, Thomas Gerlach, und Ciprian Minodor Dobre, Präfekt des Kreises Mures¸, waren zugegen, als die Schulleiterin, Frau Gorczyca, das Projekt und den Namensgeber vorstellte. „Schäßburg verdankt der deutschen Gemeinschaft Jahrhunderte der Kultur und Zivilisation.“ Aufgrund der gegenwärtigen wirtschaftlichen Realität, in der nach der Wende deutsch-rumänische Firmen in Schäßburg eine bedeutende Rolle spielen, aber auch die Tatsache, dass die Bedeutung der deutschen Sprache im vereinigten Europa zunimmt, sei es nur verständlich, das Lehrangebot auszuweiten. Am Eliade-Kolleg lernen in drei rumänisch- und zwei ungarischsprachigen parallelen Klassenzügen rund 200 Schüler Deutsch als Fremdsprache. Die Einrichtung wurde auch von der Fachschaftsberaterin für Deutsch, Frau Ulrike Lück, und dem Vorsitzenden des Bergschulvereins, Dr. Karl Scheerer, begrüßt. Dieter Schlesaks Leben und Werk wurde von dem Literaturprofessor Ion Neagos¸ vorgestellt.
Neben einer bedeutenden Geldspende für das seinen Namen tragende neue Sprachkabinett erweiterte Schlesak das ursprüngliche Schulprojekt mit der Gründung der „Kulturvereinigung Dieter Schlesak 2007“ mit Sitz in seinem rückerstatteten Geburtshaus von nebenan. Als „sas sighis¸orean“, als Siebenbürger Sachse, fühle er sich moralisch verpflichtet, neben literarischen Projekten die Desaster der beiden Diktaturen hier zu erforschen. „Kabinett“ und „Kulturvereinigung“ werden mit einer bedeutenden Geldspende von der Schweizer Stiftung „Omnia Freundeshilfe“ unterstützt. Ein Teil von Dieter Schlesaks Werk wurde vom Deutschen Literaturarchiv in Marbach angekauft.

Hermann Theil (Weinsberg)

 


 

balken.gif (7924 Byte)

Letztes Update: 2006-04-21 - Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de http://www.schaessburg-net.de © 2000 by kdg