Wenn Steine reden ....
hat der Steinmetz und Bildhauer Ditmar Schuster sie bearbeitet.

Ditmar Schuster
Die malerische Stadt Schäßburg wird immer wieder gezeichnet,
gemalt, fotografiert, weil sie so überraschend interessant ,anregend
und abwechslungsreich ist. Besonders die altertümlich und mittelalterlich
anmutende Burg mit ihren winkligen Häusern und Blumenfenstern, mit
ihren Mauern, Türmen und Toren hat es den Künstlern angetan.
Sie kann aber auch mittelbar künstlerisch anregen, z.B. einen Steinmetz
zu künstlerischem Gestalten anregen. Nicht sofort und nicht zum naturgetreuen
Abbilden, sondern zum kreativen Umgang mit den Gestaltungsmitteln eines
Bildhauers.
Ditmar Schuster kam am 25.Mai 1950 als Sohn des Walter Schuster und der
Hildegard geb. Roth in Schäßburg zur Welt. Beide Eltern hatten
die Zwangsarbeit in Russland überlebt. Früh regte sich seine
gestalterische Begabung. Mit Ton aus der „Lihmkell“ begann
er
schon als Junge zu modellieren und als Schüler der Bergschule zeichnete
er, was er an Modellen und Vorbildern in der Schulbibliothek fand. Das
anschließende Psychologiestudium in Klausenburg durfte er nicht
beenden, weil er 1973 um die Ausreise zu seinem Onkel, dem Schwiegersohn
von Prof. Dr. Hermann Oberth, nach Deutschland angesucht hatte und sich
dadurch angeblich „als Klassenfeind“ erwies.
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| "Doppelbootschaft" in Marmor (70x20x10 cm) |
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"Arche - Torso I" in Marmor (50x40x12 cm) |
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| "Toro-Häutung 2", Basalt (28x25x19 cm) |
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"Arche Torso 4", in Carrara Marmor (45x50x13 cm) |
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"Bootschaft K1", Vulkanisches Tiefengestein Diabas (120x15x16) |
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| Mantelteilung zum Hl. Skt. Martin, in Edelstahl/Holz |
"Botschaft 4", in Basalt (70x13x15 cm) |
"Toro-Häutung 3", Basalt (30x18x15 cm) |
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"Torso B2" in Marmor (100x80x25 cm)
Nach diversen Gelegenheitsjobs (der sog. „amerikanischen Millionärslehre“,
wie D. Schuster diese Zeit bezeichnet) studierte er in Erlangen Jura und
schloss mit dem ersten Staatsexamen ab. Seine Heirat (1980) und das künstlerische
Interesse fesselten den jungen Mann mehr und mehr; das 2. Staatsexamen
ging daneben. Nun gab er seinem künstlerischen Drängen eine
handwerkliche Grundlage: er lernte Steinmetz und schloss mit der Gesellenprüfung
ab. Nach mehreren Firmenwechseln hat er bei der Firma Steinmetz Scherer
in Ulm einen Arbeitsplatz gefunden, wo er ideale Arbeitsbedingungen und
viel Verständnis für sein künstlerisches Schaffen fand.
(Der Firmenchef ist selbst auch Bildhauer ). In mehreren Einzel- und vielen
Gruppenausstellungen hat das süddeutsche Publikum die Werke von Ditmar
Schuster bewundern können. Als Anerkennung seiner Leistung wurde
ihm der Kunstpreis des Landkreises Günzburg verliehen. Immer mehr
private und öffentliche Sammlungen zählen zu den glücklichen
Besitzern seiner Originale.
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| Ausstellung in der Ulmer Pauluskirche |
Denkmal für eine junge verstorbene Frau die Geselligkeit liebte. |
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| "Arche Noah D1" inBasalt u. Südafrikanischem Sandstein
(50x40xx12 cm) |
"Legolandschaft", in Wachauer MArmor (75x75x22 cm) |
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| "Brunnen", in Marmor (80x80x45 cm) |
Detail Brunnen |
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„Ich möchte also mit Steinen Geschichten erzählen, die
Steine also zum Reden bringen“ schreibt Ditmar Schuster. Oder: „Was
ich versuche ist das Unsichtbare, oder besser: das Verborgene sichtbar
zu machen und dem Stein Leben einzuhauchen. Das eine erfordert geistige,
das andere handwerkliche Arbeit, und beides Intuition.“ Versuchen
wir, im Folgenden dem Künstler auf diesem Weg zu folgen und das Reden
der Steine in Worte zu fassen. Dabei wollen wir bei den „Deutungen“
möglichst vorsichtig von den Formbeziehungen der Arbeiten ausgehen,
wohl wissend, dass im Kunstwerk diese Deutungsversuche neben den vielen
anderen möglichen, die jeder Betrachter für sich vornehmen könnte
- und sollte !- alle zugleich enthalten sind, solange sie auf Formzusammenhänge
gestützt und darin begründet sind. Die vom Künstler vorgegebenen
Titel können bei der Deutung helfen. Im „Brunnen“ ist
schon eine Spannung angelegt zwischen dem eher geometrisch klar geordneten
eckigen und kantigen Brunnenrand und dem weichen, fantastischen, fast
chaotischen Formenreichtum des Wassers, eine Spannung, die wir in mehreren
weiteren Werken finden. Aus der amorphen „Legolandschaft“
heben sich die exakten Zylinderformen der Noppen heraus. Ähnliches
geschieht in den „Häutungen“ 3 und 4 (2003), wo aus dem
formlosen Basalt aus dem rau belassenen Stein sich klare, polierte Formen
herausschälen. Ähnlich geschieht es in den „Nereiden“
und anderen „Häutungen“: die formal diffuse Außenhaut
ist in Teilen weggeschlagen, ist aber noch deutlich erkennbar als Kontrast
zu der tiefer liegenden, fein und glatt polierten klaren Form.

"Entwurfskizzen"
Eine weitere wiederkehrende Form ist die des Bootes, deren „Boot
- schaften“ recht verschieden ausdeutbar sind. Die Urform des länglichen
Rechteckes mit den beiden Spitzen treffen wir in mehreren Arbeiten : in
„Doppelbotschaft“, in „Arche“ - Variationen u.a.
Die Form suggeriert gleich Bewegung, die Spitzen weisen pfeilartig in
der Längsrichtung nach vorne und nach hinten. Das Boot balanciert
auf einer schmalen Kante in der Mitte und erinnert an die schwankende
Auf – und – Ab - Bewegung eines Bootes auf dem Wasser.
Was bei dieser Form vorne und hinten ist, kann man in den meisten Fällen
nicht entscheiden: Vergangenheit und Zukunft treffen sich im Moment der
Gegenwart. Selbst die Arbeit „Arche Torso 4“, bei der das
eine, tiefer liegende Ende des Bootes ein menschlicher Kopf zu sein scheint,
bleibt offen, ob die Blickrichtung nach hinten gerichtet sein soll, wie
das beim Rudern der Fall ist, oder in die Tiefe? Oder ob der Kopf als
„Motor“, als Antrieb und Steuer des „Bootes“ dient?
In der „Arche“, einem wiederkehrenden Titel mehrerer Arbeiten,
wird ein besonderes Boot angedeutet: die Arche des Noah, in der je zwei
Lebewesen einer Gattung in der Sintflut gerettet wurden. Die Rundung der
Arche kann einerseits die Geborgenheit, andrerseits die Schaukelbewegung
andeuten; und die zwei kleinen Formen vertreten die überlebenden
je zwei Tiere einer Art. Die Form des offenen Ringes beschäftigt
den Bildhauer immer wieder - seine vielen Skizzen beweisen es. Wie bei
der Herz-Form, dem Hufeisen, der Blattform des Ginkgo biloba bleibt die
Frage offen, wie polare Zweiheit und Einheit in eier Form ausgedrückt
werden .(Goethe schrieb dazu ein sinniges Gedicht). .Andrerseits bedeutet
das Wort „Arche“ griechisch Anfang, Anbeginn, (Z.B. in „Archäologie“).
Die Archäologie hat Ditmar Schuster schon immer interessiert: er
half schon als Schüler bei Ausgrabungen in Schäßburg,
er ging bei den Bildhauern der ersten Stunde in die Lehre .Weibliche Körperformen
finden wir in ähnlich monumentaler Wiedergabe in mehreren „Torsi“.
Dabei spielen die kräftigen Oberschenkel eine tragende Rolle, sie
scheinen richtig auszuschreiten. Diese Schreitbewegung macht sich dann
selbständig: das wird besonders deutlich, wenn, - wie das in der
Ulmer Ausstellung geschehen ist, diesem Schreiten der Weg in der Bodenfärbung
angeboten wird. Wieder eine Variante der offenen Rundung, dieses Mal mit
anderer Bewegungsdeutung.
„Das Unbewusste, die Archetypen, die Magie des Verborgenen, Verschütteten
sind von Anfang der Menschheit Bestandteil, wenn nicht des Bewusstseins,
so doch der Seele“ (D. Schuster). Dieses im Stein verborgene Archaische
sichtbar zu machen ist seit jeher Wunsch und Bemühen des Bildhauers.
Dazu setzt er Ausdauer, Körperkraft und Maschinen ein, um die äußeren
Hüllen zu entfernen. Wenn er alles Überflüssige von d e
r Form wegräumt, die des Künstlers Phantasie im Stein sieht,
steht diese Form schließlich rein, makellos poliert, handwerklich
perfekt ausgeführt als dreidimensionaler Körper im Raum, von
allen Seiten interessante Ansichten bietend, zum anfassen, zum streicheln
einladend. Der Stein als dauerhaftes Material „erzählt“
gleichzeitig „als Teil vom Ganzen die Geschichte der Erde“(D.
Schuster). Noch spannender sind diese „Erzählungen, wenn Teile
der hüllenden „Häute“ stehen geblieben sind und
den Entstehungsprozess, das Herausschälen der inneren Form sinnfällig
nachvollziehbar machen, die Metamorphose sich vor den Augen des Betrachters
zu vollziehen scheint und die Spannung zwischen den einzelnen Entwicklungszuständen
dem unbewegten Stein das Zeit-Moment hinzufügt. Dadurch wird der
Betrachter aktiv in das Kunstgeschehen eingebaut und die erzählte
Geschichte wird verwirklicht und verstanden. Dass dazu nicht riesige Formate
und nicht fertige, das ganze Naturvorbild nachgestaltende Figuren nötig
sind, sondern auch ein Torso diesen wesentlichen Vorgang erfüllen
kann, zeigen die Arbeiten Schusters. Es sind Zeugnisse einer Entwicklung,
bei der prähistorische und moderne Bildhauer (H. Moore, H. Arp) Lehrmeister
waren, deren Anregungen dem Bildhauer auf der Suche nach seinem eigenen
Weg geholfen haben.
Lässt man das sorgfältig und ansprechend aufbereitete Bildmaterial
immer wieder auf sich wirken,(natürlich wäre eine Begegnung
mit den Originalen und dem Künstler in seinem Atelier wünschenswert!)
und erfährt im Gespräch mit dem Bildhauer an einzelnen Beispielen,
wie viele Geschichten und Gedanken in der Figur Gestalt bekommen haben,
muss man sich nicht wundern, wenn Theologen, katholische und evangelische,
Kunstgeschichtler und Preisjuroren von seinen Arbeiten überzeugt
sind und sie in Vorträgen und Einführungen mit viel Einfühlung
und Verständnis loben, seinen Humor und Witz erkennen und sein handwerkliches
und künstlerisches Können hervorheben. So schreibt Herr Adelbert
Schloz-Dürr aus Ulm: „ Für mich legen Ditmar Schusters
Arbeiten davon Zeugnis ab, dass, biblisch gesprochen, die Steine nicht
schweigen. Was Rilke, geschult an Rodins Schöpfungen an einem „archaischen
Torso Apollos „erkannte, gilt für Schusters Steinskulpturen
gleichwohl: „Denn da is keine Stelle, die dich nicht sieht. Du musst
dein Leben ändern“.
Hans Orendi (Mülheim)
(Anm. der Redaktion: Interessenten erfahren mehr über den Künstler
D.Schuster in der Homegage: http://www.ditmar-schuster.de)

Letztes Update:
2006-04-14
- Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de
/ http://www.schaessburg-net.de
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