HOG-Schäßburg / Siebenbürgen

 

Henndorfer Truhen: Rückblick und Ausblick

„Hildesheimer Wissenschaftler bleiben am Ball“

Der Fachbereich Konservierung und Restaurierung der Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst aus Hildesheim hatte am 17. Dezember zu einem Rückblick auf die Aktivitäten des Jahres 2004 in Siebenbürgen geladen. Wer trockene Vorträge und distanzierte wissenschaftliche Betrachtungen erwartet hatte, wurde enttäuscht. Professorin Dr. Maierbacher-Leg, Werkstattleiter Ralf Buchholz und die Studentinnen und Studenten, die zwei anstrengende, aber auch anregende Wochen in Siebenbürgen verbracht hatten, berichteten engagiert und begeistert von ihren Aktivitäten zur Konservierung der Henndorfer Vorratstruhen, von denen nun bereits zwanzig Exemplare im Rahmen einer deutsch-ungarisch-rumänischen Kooperation vor dem weiteren Verfall gerettet werden konnten. Sie sind in der Turmhalle der Schäßburger Bergkirche zu besichtigen. Anlässlich der Veranstaltung wurde auch über den Stand der dendrochronologischen Untersuchungen des verwendeten Holzes berichtet. Obwohl diese Forschung noch nicht abgeschlossen ist – für Buchenholz liegen anders als bei Eichenholz kaum Erkenntnisse vor – kann bereits definitiv festgestellt werden, dass viele der Truhen aus einem Baum gearbeitet wurden und somit zur selben Zeit entstanden. Der Entstehungszeitraum einiger Truhen dürfte ca. um 1600 liegen. Mit den endgültigen Ergebnissen ist noch im Laufe dieses Jahres zu rechnen.


Hennendorfer Truhen - Foto: W. Lingner


Der überwiegende Teil des Arbeitseinsatzes der Studenten erfolgte in Schäßburg. Auf dem Stadtpfarrhof konnte in den ehemaligen Archivräumen Platz für die Konservierungsmaßnahmen geschaffen werden. Die Studentinnen und Studenten lernten auf diese Weise Schäßburg und seine Bewohner intensiv kennen und zeigten sich auf der Dezember-Veranstaltung von der Atmosphäre der Stadt fasziniert.
Ziel der Hochschule Hildesheim ist es, auch im Jahre 2005 wieder ein Studienpraktikum in Siebenbürgen durchführen zu können. Maierbacher-Legl und Buchholz ließen keinen Zweifel daran, dass es noch viel Arbeit in Siebenbürgen gibt, die sie gerne im Rahmen von Projektwochen anpacken möchten. Das Birthälmer Chorgestühl beispielsweise sei von Schädlingen befallen und bedürfe dringend einer Restaurierung, sollen ernsthafte Schädigungen vermieden werden. Gleiches gelte für die Stundturmbrüstung und für die Schäßburger Schülertreppe, deren Allgemeinzustand u. a. durch Vermoosung und vernachlässigte Pflege immer schlechter werde.
Die Studenten und Mitarbeiter der Hochschule Hildesheim wünschen sich eine mit dem Nötigsten ausgestattete Werkstatt in Schäßburg. Wasser- und Stromversorgung müssten noch in den Räumen im Pfarrhof eingerichtet werden, um sie intensiver nutzen zu können. Dann konnten Lampen und Arbeitstische sowie weiteres notwendiges Mobiliar dauerhaft installiert und auch von anderen Fachdisziplinen genutzt werden. Der Arbeit könnte. auf diese Weise eine gewisse Perspektive gegeben werden. Mit Maßnahmen zur Konservierung oder gar Restaurierung von weiteren Vorratstruhen will man derzeit nicht beginnen. Solange nicht geklärt ist, ob die Truhen nach Henndorf zurückgebracht werden können, erscheine es – so die Fachleute – nicht sinnvoll, Weiteres zu veranlassen. Die Präsentation in der Bergkirche jedenfalls sei nur eine vorübergehende Lösung. Anzustreben sei – dies betonte Frau Maierbacher-Legl am Rande der Veranstaltung im Dezember – die Kirchenburg von Henndorf so herzurichten, dass die Truhen an ihrem Fundort präsentiert werden könnten. Ein kaum schätzbarer Wert für einen kulturell orientierten Tourismus in Siebenbürgen, wie Buchholz ergänzte.
Geld regiert auch die Projektlandschaft, und um die Bereitstellung von Geldern für weitere Maßnahmen wird es auch 2005 gehen. Die Hochschule Hildesheim hat entsprechende Anträge gestellt. Zwei Studentinnen wollten allerdings nicht so lange warten und setzten ihrerseits bereits im Dezember 2004 eine Idee in die Tat um, die auf äußerst attraktive Weise Geldspenden für die weitere Arbeit in Siebenbürgen einwerben wird: In 30 Arbeitsstunden schufen Mirja Harms und Anja Bachmann das detailgetreue Modell einer Henndorfer Vorratstruhe, die nun als Sparbüchse für weitere Maßnahmen in Siebenbürgen zum Einsatz gelangen soll. Der Aufstellungsort ist noch nicht ganz geklärt. Im Gespräch ist die Bergkirche, wo zahlungskräftige Touristen sicher gerne einen Obolus entrichten würden. Bis dies entschieden ist, dient die Truhe schon einmal in Deutschland als Sammeldose. Ob sich die beiden Studentinnen dazu überreden lassen, weitere solche Kleinode zu fertigen? So ganz abgeneigt zeigten sie sich nicht – vielleicht eine Idee, um ein wirklich traditionsgebundenes Schäßburger Souvenir anbieten zu können?

Andreas Mausolf (Bremen)

 

 

 

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Letztes Update: 2006-04-21 - Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de http://www.schaessburg-net.de © 2000 by kdg