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In alten Schriften geblättert
Schäßburg, du meine Vaterstadt ...
Der hier folgende Text stammt aus dem von Heinrich Höhr
1930 im „Groß-Kokler Boten“ (Nr. 2703) veröffentlichten
Beitrag: „Ein Rundblick über Schäßburg vom Türmchen
der Bergschule“. Seine Ausführungen sind eine Liebeserklärung
an seine Vaterstadt und deren Gemarkung. In diesen beschreibt Heinrich
Höhr – Lehrer an der Bergschule, der Generationen von Schülern
geprägt hat, – die Pracht der Herbstfärbung des heimatlichen
Waldes und zugleich nennt er auch eine Reihe wichtiger Flurteile seines
Schäßburger Wander-, Jagd- und Forschungsgebietes.
Heinz Heltmann (Siegburg)

Heinrich Höhr mit seinen Schülern -
Archivbild
Der Bergwald lodert in den Farben des Herbstes. Er bietet ein Schauspiel
von entzückender Pracht. Mutter Natur hat sie ausgegossen in verschwenderischer
Fülle über Baum und Strauch, wie wenn sie unser schönheitstrunkenes
Auge noch einmal entzücken wollte, ehe sie zur Ruhe geht und das
große Sterben anhebt im Walde, das zuletzt von der Farbenpracht
nur mürrische Stämme und ernste Kronen übrig läßt
...
... Welchen Reichtum an Farben entfaltet er doch heute, der heimatliche
Wald, an dem wir Alle mit unserem Herzen hängen, die wir uns die
im deutschen Gemüt tief wurzelnde Liebe zu ihm mit seinem Frieden,
seiner Einsamkeit bewahrt haben! Hainbuchen und Ahome, Birken und Ulmen
prangen in sattem Gelb, und die Buchen erstrahlen in Goldgelb und Feuerrot;
die ernsten schwermütigen Eichen kleiden sich in düsteres Braun,
Hartriegel und Spindelbaum in Violett; die Espen leuchten in gelbroten
Farbtönen, und dort, wo die starren Kronen blaulichgrüner Kiefern
und die schlanken Wipfel schwarzgrüner Fichten das bunte Bild des
Laubwaldes durchbrechen, leuchtet hier und dort auf diesem dunklen Grunde
die Feuergarbe eines einzelnen Wildkirschbaumes auf oder gleich einer
lohenden Flamme die goldig schimmernde Krone einer weißstämmigen
Birke ...
... Überwältigt von all dieser Pracht, die ich von der Höhe
des Schulberges, vom Türmchen der Bergschule trunkenen Blickes genieße,
habe ich die Empfindung, als tönten leise die schwermütigen
Weisen eines Abschiedsliedes an mein Ohr aus den sterbenden Kronen des
farbenfrohen Laubwaldes. Doch heute gilt‘s: nicht wehmütig
sein! Bei all der Schönheit, die mich die allgütige Mutter Natur
in tiefen Zügen genießen läßt! Froh stimme ich darum
ein in den Ruf. Schäßburg! Du meine Vaterstadt, im Rahmen deiner
farbenglühenden, herbstlichen Bergwälder bist du am schönsten,
wenn auch der Lenz dir ein liebliches Blütenkleid zu weben versteht
und der Winter dich in einem unendlich schönen, leuchtenden Gewande
erstrahlen läßt! ...
... Wie ein Torwächter hält zur Linken der rebenbepflanzte „Reiskeberg“
den Eingang des Tales besetzt, das nordwärts und nordwestwärts
zu den blumenreichen Bergkesseln des „Reissels“, „Hirschels“
und „Klossels“ emporsteigt, während im Vordergrunde rechts
der nadelwaldbedeckte, mit Lößton zugeschüttete „Gelbe
Berg“ und die ihm vorgelagerte Schotterterrasse des Hennerbergs,
am Eingang ins Quertal des Hundsbachs, gegenüber der Mammutkatakombe
des Galtberges, sich erheben ...
... Die unruhige Kammlinie des Reiskeberges taucht nach einer Unterbrechung
durch das Quertal des „Muslers“ an der diluvialen Schotterterrasse
des Galgenberges wieder auf, der sich in dem einst mit schlankwüchsigen
Eichen gekrönten Siechhofberg fortsetzt, auf dessen Gipfel die „Villa
Franka“ liegt, von wo sich der Blick über die Stadt hinaus
und das liebliche, im Herbstschmuck prangende, laubwaldbedeckte Bergland
in blaue Fernen verliert, aus denen die Riesenhäupter der Transsilvanischen
Alpen (Südkarpaten) herübergrüßen. Von der alten
Eiche der Villa Franka senkt sich der Bergrücken südwestwärts
hinab zur diluvialen Terrasse des Kreuzbergs mit dem Grab des eiszeitlichen
Auerochsen (Bison priscus), dessen prachtvolles Skelett im Naturhistorischen
Museum in Hermannstadt zu sehen ist.
... Den nordwestlichen Horizont schließt der Wietenberg ab mit seiner
einstigen reichen neolithischen und La-Tène- Kultur, die die kundige
Hand unseres kenntnisreichen, verehrten Professors Karl Seraphin aus ihrem
langen Schlafe geweckt hat, und die heute im Museum „Alt-Schäßburg“
ihre Heimstätte gefunden hat. Dann folgen die Tonberge der „Wench“
mit ihrer unruhigen Kammlinie und ihren Lößtonsedimenten und
schließlich in derselben Richtung, uns näher gerückt,
die Schotterterrasse des „Burgstadls“ mit dem einstigen römischen
Standlager, dem „castrum Stenarum“ der XIII. Legion ...
... Im Südosten winkt uns von ferne der „Riese“ „Jungkernberg“
entgegen, der mit seinem 692 Meter hohen Gipfel die anmutige Waldlandschaft
weit überragt. Der „Knopf“ und der „Eichrücken“
schließen das Bild im Süden ab, zusammen mit dem Wiesengrün
des „Hohen Rain“ und den Bergschlipfen oder Bücheln des
„Schaaser Feldes“. Im Südwesten, durch die Bergkirche
uns von unserem Standorte aus entzogen, dehnt sich die Breite aus, mit
ihren altehrwürdigen, breitkronigen Eichen, ihren weiten, blumengeschmückten
Triften, ihren romantischen Schluchten und dämmerigen Dickungen ...
... Dies ist der Rahmen, der das Schäßburg von heute umschließt.

Letztes Update:
2006-04-14
- Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de
/ http://www.schaessburg-net.de
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