Sportlehrer und Handballer
Hans Zultner wurde 75 / Geburtstag wird in Australien gefeiert

Hans Zultner
Kaum zu glauben, aber es ist wahr: Hans Zultner, Handball-Landesmeister
(Rumänien) 1948, langjähriger Sportprofessor und Trainer an
der Schäßburger Bergschule, wird 75 Jahre alt! Als ehemaligem
Schüler und Mitglied der „Bergschulsieben“ (Kleinfeldhandball)
1962 ist es mir eine besondere Freude, über einen Professor, Begleiter
und Freund aus meiner Schulzeit zu schreiben.
Hans Zultner, von seinen Schülern Zulli genannt, kann auf ein bewegtes
und spannendes Leben zurückblicken. Seine Kindheit war vom Zweiten
Weltkrieg geprägt. Am 27.Dezember 1930 in Schäßburg geboren,
war er 15 Jahre alt, als der Krieg zu Ende ging. Die Auswirkungen des
Krieges sollte er aber, wie alle Vertreter seiner Generation, noch jahrelang
zu spüren bekommen.
In seiner Vaterstadt besuchte Zulli zuerst die Grundschule und dann die
Bergschule, das damalige „Bischof-Teutsch-Gymnasium“. Mit
seinen sportlichen Aktivitäten begann er schon in frühester
Jugend. Es handelte sich um Ballspiele jeder Art, Geräteturnen, dann
Fußball bei den Junioren von „Victoria“ Schäßburg.
1947 landete er beim Handball. Schon nach einem Jahr sollte ein regelrechter
Paukenschlag erfolgen. Man schrieb das Jahr 1948. Die Mannschaft von „Victoria“
Schäßburg, Großfeldhandball Männer, wird Landesmeister!
Zulli ist Mitglied einer Elf, die eine regelrechte Begeisterung in der
kleinen Kokelstadt auslösen sollte. Er ist zusammen mit Walter Lingner,
dem heutigen sehr engagierten Vorsitzenden der HOG Schäßburg,
der Jüngste dieser Truppe, an die sich nicht nur die Sportfans von
anno dazumal mit Nostalgie erinnern!
1950 legte Zulli an der Bergschule seine Maturaprüfung ab und erhielt
gleichzeitig sein erstes Lehrerdiplom. Aus dem Bischof-Teutsch-Gymnasium
war nämlich das Pädagogische Lyzeum, kurz Päda genannt,
entstanden, und die Absolventen konnten sofort als Grundschullehrer arbeiten.
Zulli aber wollte studieren, und zwar an der Bukarester Sporthochschule,
dem damaligen ICEF. Sein Wunsch, Trainer und Sportprofessor zu werden,
stand schon lange fest. Doch die Festung ICEF konnte erst nach einem zähen
Kampf erobert werden. Als Deutscher hatte man es 1950 schwer. Sprüche
wie „are dosarul stricat“, „nu se încadreaza?
in schema?“, machten die Runde. Zulli jedoch ließ sich nicht
einschüchtern und schaffte es, trotz Behördenwillkür, nach
einer glänzenden Aufnahmeprüfung als Student und Handballer
akzeptiert zu werden. Neben seinem Studium war er auch gleichzeitig Mitglied
einer rumänischen Spitzenmannschaft geworden, und zwar von C.C.A.
Bukarest, dem Armeesportklub. Ein viel versprechender Start für einen
jungen Siebenbürger Sachsen in Bukarest! Nach nur zwei Jahren wurde
Zulli gezwungen, erneut in die Provinz zu gehen, nach Kronstadt als Soldat
und späterer Spielertrainer „S¸antierul“ Kronstadt
oder wie es damals hieß „Oras¸ul Stalin“ (Stalinstadt).
Aus heutiger Sicht kann gesagt werden, dass die erste Hälfte der
fünfziger Jahre der wohl schwierigste Abschnitt in seinem Leben gewesen
ist. Es gab zahlreiche Veränderungen, Erfolge, Niederlagen und immer
wieder ein Neubeginn. 1955 konnte Zulli mit dem Staatsexamen sein Studium
erfolgreich beenden und kam über die Zwischenstationen Fogarasch
und Hermannstadt zurück in die „Heimat“, nach Schäßburg,
an die Bergschule. Der 1. Septernber 1956 markiert den Anfang einer bemerkenswerten
Tätigkeit als Sportlehrer und Trainer.
Zulli startete mit viel Elan und Begeisterung seine Arbeit in einer Institution,
um deren Traditionen er wusste. Nach wie vor galt der Ausspruch „mens
sana in corpore sano“: Zuli unterrichtete insgesamt 16 Jahre an
der Bergschule und kann heute mit Zufriedenheit, aber auch mit Stolz auf
diese Zeit zurückblicken.

Schullandesmeister 1965
Das sportliche Aushängeschild war natürlich der Handball, genauer
gesagt der Kleinfeldhandball, da Großfeldhandball durch Beschluss
„von oben“ nicht mehr praktiziert wurde. Hier nun einige der
größten Erfolge der Bergschulmannschaft unter Zullis Leitung:
1958 Stadtmeister von Schäßburg
1961 Vizelandesmeister von Rumänien
1962 Vizemeister der damaligen Region Kronstadt
1963 Landesmeister von Rumänien
Udo Acker, heute Direktor im Haus des Deutschen Ostens in München,
Mitglied des 1961-er Teams, erinnert sich: „Hans Zultner hat uns
mit seiner ihm eigenen Art der Begeisterungsfähigkeit und seiner
Erfahrung als ehemaliger Spieler in Spitzenmannschaften zu diesem Erfolg
geführt.“
Zulli hat eine ganze Reihe von hervorragenden Handballern entdeckt und
gefördert, die nach ihrem Abgang aus Schäßburg jahrelang
auf nationaler und internationaler Ebene aktiv waren. Erwähnt seien
hier u. a. Peter Keul, Gelu Pereteatcu, Udo R. Reich, Ioan Negulescu,
Roland Gunesch, Tic Pantziru. Roland Gunesch, der aus Denndorf nach Schäßburg
kam, ist wohl der „prominenteste Sportler“, den die Bergschule
hervorgebracht hat. Mit seinen 217 Berufungen in die rumänische Handballnationalmannschaft,
mit zwei Weltmeistertiteln, mit Silber und Bronze bei den Sommerolympiaden
von München .und Montreal hat „Rolli“, das kann man ruhig
sagen, regelrecht Sportgeschichte geschrieben.
Ioan Negulescu war 1963 Mitglied der Schülermannschaft, die in Rîmnicul
Vîlcea Landesmeister wurde. Er ist Universitätsprofessor geworden
und Leiter der Sektion Handball. Negulescu schrieb mir: „Hans Zultner
war für mich ein berufliches Vorbild. Seine pädagogischen Fähigkeiten
als Lehrer und Trainer haben mich so sehr beeindruckt, dass ich auch Sportlehrer
werden wollte, und dazu geführt, dass ich die gleiche Laufbahn eingeschlagen
habe wie er.“
Die Schäßburger Jahre waren für Zulli aber nicht nur aus
sportlicher Sicht sehr erfolgreich. 1957 heiratete er die gebürtige
Bukaresterin Karola Kurtz, deren Familie aus Scharosch bei Fogarasch stammt.
Drei Kinder wurden geboren, die alle studiert haben und mit ihrem Nachwuchs
den Großeltern viel Freude bereiten. 1972 kam Hans Zultner nach
Deutschland, die Auswanderung der Siebenbürger Sachsen hatte begonnen
und sollte auch in seinem Leben zu einschneidenden Veränderungen
führen! Am Heilbronner Wirtschaftsgymnasium, der „Gustav-von-Schmoller-Schule“,
wirkte er 22 Jahre lang als Sportlehrer, bis er 1994 in den wohlverdienten
Ruhestand trat. Der Anfang war nicht leicht, aber schon immer an Schwierigkeiten
gewöhnt, als Kämpfer auf dem Spielfeld und im Umgang mit bürokratischen
Behörden, leistete der Studienrat aus Siebenbürgen auch hier
im Württembergischen ganze Arbeit! Unser Zulli organisierte Fußball-
und Handball-Stadtmeisterschaften. Am Bau einer neuen Sporthalle für
die Heilbronner Gymnasien war er maßgeblich beteiligt. Er betreute
jahrelang die Ausbildung von jungen Sportreferendaren und kümmerte
sich um die Fortbildung von Schiedsrichtern.
Und Zulli heute? Er ist ein treuer Schäßburger geblieben! Gerne
kommt er zu den Klassentreffen seiner ehemaligen Bergschüler und
schwingt, wie könnte es anders sein, das „sportliche“
Tanzbein. Regelmäßig fährt er zu den Veteranentreffen
der „old boys“ und pflegt die Kontakte zu seinen Kameraden
und Gegnern von einst.
Ein Besuch bei Familie Zultner in Heilbronn-Böckingen ist immer ein
Erlebnis. An seinem Ehrentag ist der Jubilar samt Frau allerdings unterwegs,
und zwar buchstäblich am anderen Ende der Welt, in Australien. Die
jüngste Tochter, Doris, lebt in Melbourne, der Olympiastadt von Sommer
1956. In dieser sportlichen Region also wird Geburtstag gefeiert. Man
könnte fast sagen, auch hier hat sich ein Kreis geschlossen!
Lieber Zulli, stellvertretend für Deine vielen Schüler und Handballspieler
wünsche ich Dir „nor de Geseangd“, bleib weiterhin aktiv
und rüstig, so wie wir Dich alle kennen und schätzen!
Karl Günter Reich (Gießen)

Letztes Update:
2006-04-21
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/ http://www.schaessburg-net.de
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