| HOG-Schäßburg / Siebenbürgen |
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Anno Domini 1906Was die Schäßburger vor 100 Jahren in ihrem "Groß-Kokler Boten" und in ihrer "Schäßburger Zeitung" lasenPartnerstädte Dinkelsbühl-Schäßburg
/ Sighisoara „Richttagball. Die 1. Baiergässer Nachbarschaft hält ihren diesjährigen Richttagball am 24. Februar im Saale des „Hotel Stern“ ab. Um verschiedenen bei ähnlichen Gelegenheiten vorkommenden Unzukömmlichkeiten vorzubeugen, ist be¬schlossen worden, dass außerhalb der Nachbarschaft stehende Einzelpersonen männlichen und weiblichen Geschlechts nur in dem Falle zur Teilnahme an dem Ball bzw. an den Mahlzeiten zugelassen werden, wenn sich dieselben vorher, spätestens bis zum 23. Februar mittags, beim Jungältesten, Herrn Heinrich Adleff, Tuchfabrikant, melden und die bezüglichen Taxen einzahlen. Da die Zahl der Teilnehmer eine beschränkte ist, empfiehlt es sich, die Anmeldung je früher zu machen, da nach dem genannten Termine niemand mehr zur Teilnahme zugelassen wird...“ (SZ 7. Januar)
„Frauenvereinsball. Die Tanzproben (zum Menuett) beginnen Montag, den 29. d. M., abends 8 Uhr in den Kredenzlokalitäten des Hotel Stern. Die jungen Damen, die sich bei dieser Gruppe beteiligen wollen, mögen sich daselbst pünktlich einfinden. Auf eine Anfrage hin diene zur Kenntnis, dass der Ball selbstverständlich auch in Balltoilette besucht werden darf, doch wäre es wünschenswert, wenn die Beteiligung bei den kostümierten Gruppen eine recht rege wäre. Das Ballkomitee.“ (21. Januar) „Seltenes Jagdglück haben in den vergangenen Tagen drei Schäßburger gehabt, indem Herr Alfred Pomarius am 12. d. M. ein Wildschwein (Keiler), Herr Ernst Capesius am 13. ebenfalls einen kapitalen Keiler und Herr H. Wokalek am 12. eine große Sau und am 14. auf drei Schritt einen mächtigen Eber erlegt hat.“ (SZ 21. Januar) „Radbruch. Den 31. v. M. war bei dem nach Agnetheln abgegangenen Nachmittagszug ein Rad eines Lastwagens auf der Strecke zwischen der ev. Mädchenschule und dem Polizeigebäude gebrochen, sodass der Lastwagen nicht mitgeführt werden konnte. Der Schaden konnte erst im Lauf des Nachmittags behoben werden, sodass der Wagen erst von dem mittlerweile aus Agnetheln kommenden Zug fortgeschafft werden konnte.“ (SZ 4. Februar) „Verein der Siebenbürger Sachsen in Berlin. Zu Berlin ist vor kurzem ein Verein der Siebenbürger Sachsen gegründet worden. Einige wenige Worte sollen hier kurz den Zweck des neuen Vereins beleuchten. Er ist in erster Linie bestimmt, die hier lebenden sächsischen Handwerker und Kaufleute zu sammeln. Mancher Landsmann, der bisher ohne rechten Anschluss in Berlin lebte, wird sich freuen, hier Landsleute zu finden. Außerdem will der Verein unter seinen Mitgliedern, die schon lange in Berlin leben, durch den Verkehr mit Landsleuten sowie durch Vorträge und Besprechungen über unsere heimatlichen Verhältnisse die Liebe zur Heimat wach halten. Wie viel Gutes der Verein durch Verkehr mit unseren reichsdeutschen Stammesbrüdern bewirken kann, braucht hier nicht weiter ausgeführt zu werden. Aber wenn der Verein diesen Aufgaben gewachsen sein will, so braucht er vor allem tätige Mitarbeiter. Wir haben schon über 25 Mitglieder, aber wir sind überzeugt, dass es noch viel mehr werden könnten, wenn alle in Berlin wohnenden Sachsen sich daran beteiligen wollten. Darum schicken wir diese Zeilen in die Heimat, mögen sie auf diesem Umweg recht vielen Landsleuten in Berlin die Mitteilung bringen, dat em hä uch sachsesch rieden hirt. Unser Stammlokal ist der Felsenkeller Louisen-Ufer 17, Versammlung jeden ersten und dritten Dienstag im Monat. Zuschriften sind zu richten an den Schriftführer Karl Schuster, Berlin S.O. Admiral-Str. 38,3.“ (SZ 11. Februar)
„Urania-Vorstellungen in Schäßburg. Wie wir schon gemeldet
haben, wird Professor Georg Müller – bekannt als erste Autorität
auf dem Gebiete des Projektions-Vortragswesens – in unserer Stadt
am 17., 18., 19. und 20. März wieder seine Ausstattungsvorträge
abhalten. Müller war vor 4 Jahren bei uns und seine Darbietungen
sind unvergessen geblieben. Hunderte von Menschen haben damals seinen
herrlichen Vorträgen ge¬lauscht, und wir sind überzeugt
davon, dass unser Publikum auch diesmal wieder zeigen wird, wie sehr man
einen so illustren Gast bei uns zu schätzen weiß. Das Programm,
welches Müller diesmal zur Abwicklung bringt, ist womöglich
noch reichhaltiger und noch schöner als vor 4 Jahren, und als besonderes
Verdienst müssen wir es ihm anrechnen, dass er uns diesmal auch mit
den Schönheiten unserer eigenen Heimat vertraut machen will. „Eine vornehme Geldfälscherbande. Die Klausenburger Polizei hat am 17. d. M die Mitglieder einer weit verzweigten Geldfälscherbande, die aus Angehörigen der besseren Gesellschaft besteht, verhaftet. Der Chef der Bande ist der Grundbesitzer Aladar Paßthory, von dem über hunderttausend falsche Kronennoten in den Verkehr gebracht wurden. Die Entdeckung geschah folgendermaßen: Ein Bierbursche wollte in einem Essengeschäft mit falschem Geld bezahlen. Die Polizei nahm den Burschen ins Gebet und dieser sagte aus, das falsche Geld von Aladar Paßthory erhalten zu haben, der häufig nach Klausenburg komme und im Mezeischen Hotel absteige; auch jetzt erwarte er ihn mit dem Frühzuge. Die Polizei sandte nun an Paßthory im Namen des Burschen folgende Depesche: ,Kommen Sie und bringen Sie das Geld.’ Paßthory kam in dem Glauben, dass der Bursche ihn rufe, abends halb elf Uhr mit dem Zuge an und kehrte ins Hotel ein, wo er sich sofort in den Speisesaal begab, um zu speisen. Dort wurde er sofort verhaftet. In Briefkuverts verpackt, wurden mehrere tausend Zehn- und Zwanzig-Kronennoten und eine Korrespondenzkarte gefunden, die auf die Spur der anderen Mitglieder der Bande führten.“ (SZ 25. März) „Silvesterrrummel. Wir nähern uns immer mehr der Großstadt, wenigstens was den Grad des wüsten Sylvesterrummels anbetrifft, dessen Ausgelassenheit und Rohheit bekanntlich in einem geraden Verhältnis zur Größe der Städte steht. Von den feierlichen Klängen der Sylvesterglocke konnte man heuer kaum einen Ton hören, weil der durch Pfeifen, Klingeln, Toben, Schreien, Schüsse usw. auf dem Marktplatz verursachte Lärm alles übertönte.“ (SZ 25. März)
„Theaternachricht. Sonntag, den 29. April, kommt ,Sherlock Holmes’, englische Detektivkomödie nach Conan Doyle und Gilette, von Albert Bozenhard zur Aufführung. Dieses Sensationsstück, der Hauptschlager der Saison, beherrscht gegenwärtig das Repertoire aller deutschen Bühnen und wurde in Hermannstadt in der kurzen Zeit von vierzehn Tagen fünfmal, bei stets ausverkauftem Hause, aufgeführt. Die Aufführungszahl wäre sicher noch auf das Doppelte gestiegen, wenn nicht das Ende der Spielzeit gekommen wäre. Es wird also auch auf diese Komödie, die mit den Damen Bellau, Scherer, Gusti Richter und den Herren Viebach, Stärk, Wurmser, Kunst, Lechner und Pistol in den Hauptrollen besetzt ist, besonders aufmerksam gemacht. Mittwoch, den 2. Mai, wird ,Probepfeil’ gegeben, ein bewährtes Lustspiel von Oskar Blumenthal; Donnerstag, den 3. Mai, ,Heimkehr’, Schauspiel in 3 Akten von Rudolf Hawel. Diese Novität aus der Feder des Verfassers von ,Muttersorge’, ,Politiker’ wurde bei der Aufführung im Wiener Burgtheater, zu dessen Repertoire-Stücken es zählt, von der Presse sehr günstig beurteilt und erzielt überall großen Erfolg. Beginn der Sonntagsvorstellung 1/2 8 Uhr abends.“ (SZ 29. April) „Reichstagswahl. Montag, den 30. April l. J., 8 Uhr früh findet im alten Gewerbevereinshause die Reichstagsabgeordnetenwahl des Schäßburger Wahlkreises statt. Kandidat des sächsischen Kreisausschusses ist der bisherige vielverdiente Abgeordnete, Herr Wilhelm Melzer. Da dem Vernehmen nach von magyarischer Seite ein Gegenkandidat aufgestellt wird, werden die sächsischen Wähler auch auf diesem Wege dringend ersucht, vollzählig an der Wahlurne zu erscheinen.“ (SN 29. April) „Die neue Orgel in der Klosterkirche, deren Aufstellung nun beendigt ist, wird zum erstenmal im Gottesdienst am ersten Pfingstfeiertag gespielt werden. Das Werk hat 35 klingende Stimmen und 18 Koppeln, respektive Hilfszüge; es kostet 20.000 K samt dem 2-pferdekräftigen elektrischen Motor. Erbauer sind die Gebrüder Rieger in Jägerndorf.“ (20. Mai)
„Bezirkslehrerversammlung in Groß - Lasseln. In den Tagen
vom 14. bis 16. d. M. tagte einer der denkwürdigsten Lehrerversammlungen
unseres Bezirks in Groß - Lasseln. Sie war besucht von nahezu 80
Mitgliedern und hatte als einzigen Verhandlungsgegenstand: die Kunst!,
bisher wenigstens in Landschulen ein Stiefkind auf dem Gebiete der Erziehung
und des Unterrichtes. „Schäßburger - Agnethler Vizinalbahn. Am 30. Mai d. J. früh unternahm die Direktion der Schäßburg - Agnethler Eisenbahngesellschaft eine Streckeninspizierungsfahrt von Schäßburg nach Agnetheln und kam um 8 Uhr abends wieder zurück. Der fast täglich im Monat Mai niedergefallene, oft wolkenbruchartige Regen hat an mehreren Stellen an dem Bahnkörper und den Brücken mehr oder weniger Schaden angerichtet. Sehr viel Schaden hat der Wolkenbruch am 25. Mai besonders in Henndorf gemacht.“ (3. Juni)
„Eröffnung der Bukarester Ausstellung. Vom schönen Wetter begünstigt, wurde am 19. Juni vormittags in Anwesenheit des Königs, der Königin, des Kronprinzenpaares, der Minister, des diplomatischen Korps, zahlreicher Notabilitäten und eines ungefähr 20.000 Köpfe zählenden Publikums die Ausstellung eröffnet.“ (21. Juni) „Tödlicher Unfall. Der Tagelöhner St. Martini hatte am 19. d. M. seine drei Kinder in seiner Wohnung, Knopf Nr. 8, zurückgelassen. Als der 11-jährige Stephan einen Napf mit aufgekochter Milch vom Feuer wegstellen wollte, stolperte er über sein Schwesterchen Anna und überbrühte die in der Wiege liegende 51/2 Jahre alte Marie, welche krüppelhaft und taubstumm war. Trotz Überführung ins Spital trat der Tod noch an demselben Tag ein. Die gerichtliche Obduktion hat stattgefunden. Die Eltern des verunglückten Kindes werden wegen fahrlässiger Aufsicht zur Verantwortung gezogen werden.“ (SZ 23. Juni)
„Deutsches Theater. Samstag, den 26. Juni, fand als Benefiz-Vorstellung
des Alfred Viebach und Frl. Therese Bellau das dramatische Gedicht von
Fr. Halm ,Der Sohn der Wildnis’ statt. Ein guter Besuch zeichnete
die beiden Benefizianten aus und wurden ihnen mehrere Blumensträuße
für ihr brillantes Spiel vom Publikum gespendet. „Zum 100. Todestage des Generals der Kavallerie, Michael Freiherr von Melas.
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