HOG-Schäßburg / Siebenbürgen

Der Botanische Garten

in der "Castaldo Bastei" vor dem Goldschmiedeturm in Schäßburg

...Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen. Horch! Von fern, ein leiser Harfenton. Frühling! Ja, du bist’s,
Dich hab ich vernommen.

(E. Möricke)

Unser Botanische Garten – wer kennt ihn nicht? Hoch oben, am höchsten Punkt von Schäßburg, ja, sozusagen schon entrückt von dem emsigen Getriebe in der alten Stadt, liegt der Botanische Garten, auch „oberste Schanz“, „Castaldo Bastei“ oder „Kollegiengärtchen“ genannt.
Frei von Baulichkeiten und gehalten von den jahrhundertealten Mauern, steht ihm die Totenhalle zur Seite, die ihrerseits auch schon mehr zum Jenseits als zum Diesseits gehört.
Die alte Stadtmauer – hier ein besonders schöner Abschnitt - trennt den Weg und Zugang zum Botanischen Garten, gemeinsam mit einer eisernen Pforte , vom restlichen Schulberg ab.
Wer ist diesen schönen alleeartigen Weg, von der Bergschule zum Garten, noch nicht gegangen? Wenn man von dem kleinen Plateau, knapp oberhalb der Schule, wo die im Schillerjahr 1905 gesetzte „Schillerlinde“ steht, stetig an der Burgmauer entlang aufwärts geht, wird man auf´s schönste für den kurzen Aufstieg belohnt.
Zunächst durch einen einmalig romantischen Blick durch ein Ausfalltürchen in der Burgmauer, durch welches man eines der prachtvollen gotischen Fenster der Bergkirche erblickt.


Die oberste Schanz im Anschluss an den Goldschmiedeturm wird zu einer
Bastei befestigt und Castaldo bastei genannt.

Und dann, wenn man den Weg im Frühling geht - durch die schon eingangs erwähnten Veilchen, die Dank der ersten Sonnenstrahlen und Dank der sie reflektierenden und bewahrenden Kraft der Stadtmauern, die bescheidenen Pflänzchen - als Vorbote und quasi als Versprechen für eine bessere, wärmere Zeit - blühen und duften erlebt. Die ersten Vogelstimmen hört man in dem darunter gelegenen Wäldchen zwitschern, und dann, wenn man durch die Pforte des Botanischen Gartens geht; ist man plötzlich in einer anderen Welt und Zeit.
Der Sage nach war der Burgberg vor 800 Jahren, als unsere Vorfahren von Rhein und Mosel kommend Schäßburg gründeten, mit Eichen dicht bewaldet. Die Eichen wurden gefällt und das Holz zum Bau der Häuser, der Bergkirche und der Verteidigungsanlagen benutzt.
In den ersten Jahrhunderten, nach der Gründung Schäßburgs, hieß der Ort, wo heute der Botanische Garten steht: Oberste Schanz.
Damit bezeichnete man eine in sich geschlossene Befestigungsanlage mit verstärktem Erdwall. Da sich die Kriegstechnik durch die Erfindung des Schießpulvers veränderte, musste eine stärkere Anlage, die Zufahrt zur Burg, westlich der Bergkirche, auf der Stelle der obersten Schanz, gebaut werden.
Dies geschah im Rahmen der Türkenabwehr. 1526 war die berühmte Schlacht von Mohács, in der das ungarische Heer vernichtend geschlagen wurde. Fortan gab es drei Parteien , die mit wechselndem Kriegsgeschick agierten: die Habsburger, die Ungarn und die Türken.
Schäßburg war diesen Wechselwirkungen auch ausgesetzt. So war der ungarische König Johann Zápolya, ein halbes Jahr lang zu Gast bei meinem Vorfahren Lukas Roth – Ruffus, dem Reformator von Schäßburg.
Aber auch der deutsche Kaiser Ferdinand der I. von Habsburg schickte 1551 Truppen nach Siebenbürgen, unter Anführung des Generals Johann Baptiste Castaldo.
Castaldo erkannte in Schäßburg ebenfalls die Schwachstelle des westlichen Bergrückens bei einem Angriff. Er ließ die „Oberste Schanz“ zu einer starken Bastei durch seine deutschen Truppen, ausbauen. Ihm zu Ehren wird dieser Schanz der Name „Castaldo Bastei“ gegeben.Unterirdische Gänge (Kurutzenloch) sollen den angrenzenden Goldschmiedeturm mit der Steilau verbunden haben. Als Jungen haben wir öfters nach diesem geheimen Gang gesucht.
Durch ihre exponierte Lage, wird die Bastei auch in den folgenden Jahrhunderten des öfteren angegriffen, teilzerstört und von den Schäßburgern wieder aufgebaut. Erwähnenswert wäre der tatkräftige Aufbau von 1621 unter Bürgermeister Martin Eisenburger, sowie eine weitere Zerstörung im Jahre 1706 durch die aufständischen Kurutzen des Fürsten Rákoczy.
Als die Türken wiederum die Stadt angriffen und der türkische Pascha, allen voran, hoch auf einem Elefanten, auf der Steilau sich der Stadt näherte, schoss ein wackerer Goldschmied von der „bersten Schanz“ und traf Ali-Pascha tödlich und schlug dadurch die Türken in die Flucht.
Zur Erinnerung an diese Heldentat soll das Türmchen auf der Steilau gebaut worden sein, unter welchem der tote Pascha in vollem Kriegsschmuck auf seinem Elefanten begraben wurde.
Im Revolutionsjahr 1848 drangen die Schlagworte von „Freiheit! Gleichheit! Brüderlichkeit!“ bis in das stille Kokeltal und erhitzen auch hier, mehr oder weniger, die Gemüter.
Seit dem letzten feindlichen Überfall durch die Kurutzen, hatten hier die Waffen geruht und auf Mauern und Basteien war Moos gewachsen. Nun aber wurden sie wieder nach Möglichkeit instand gesetzt. Auf dem Schulberg wurde die weit klaffende Mauerlücke in der „Castaldo Bastei“ mit neuem Mauerwerk geschlossen.
Es dauerte auch nicht lange und im darauffolgenden Sturmjahr 1849 spielte sich auf dem Weisskircher Feld ein Stück Weltgeschichte ab: Die Revolutionstruppen wurden hier vernichtend geschlagen.


Professorenkollegium des Schäßburger Gymnasiums 1859
Gründungsväter des "Kollegiengärtchens".


Unter dem Rektorrat von Johann Seiverth 1791/93 wurde die Umgebung der neuen barocken Schule auf der Höhe des Burgberges verschönert und die Obere Schanz oder Castaldo Bastei bepflanzt und es entstand das „Kollegiengärtchen“, später als Botanischer Garten bekannt., angelegt.
Das Kollegiengärtchen war wohl in bester klassischer Tradition des Schäßburger Gymnasiums gegründet worden. Bekanntlich war die Schule über mehrere Jahrhunderte, humanistisch ausgerichtet und somit waren die Sprachen Griechisch und Lateinisch äußerst wichtig. Daher galten auch die griechischen und römischen Ideale als erstrebenswert. Auch der Name Gymnasium leitet sich aus dem Griechischen ab und war ein Ort der körperlichen, musischen und geistigen Bildung. Diese geschah im alten Griechenland in entsprechenden Gartenanlagen, in denen die Lehrer und Schüler spazieren gingen und die verschiedenen Wissenschaften lehrten und lernten. Nachhaltig wurde die Gestalt des Gymnasiums vom Neuhumanismus geprägt. Das Ziel wurde von Wilhelm von Humboldt vorgegeben und war die „harmonische Ausbildung des Geistes“.
Diesem Beispiel folgend wurde aus der einstigen Bastei ein Garten, als Teil der schulischen Anstalt, sowohl für Lehrer, die sich untereinander Kollegen nannten, als auch für die Schüler. So gab man, der alten Bastei eine neue Nutzung und einen neuen Namen: „Kollegiengärtchen“.
Es war eine gute Zeit für die Bergschule. Da die alten Räumlichkeiten den gewachsenen Anforderungen nicht mehr genügten, wurde am 13. März 1792 der Grundstein für eine neue Schule gelegt. Im Jahre 1793 konnte bereits die prächtige Inschrift über dem Hauptportal des neuen Gebäudes angebracht werden, die noch heute auf dem Nachfolgebau von 1901 an derselben Stelle, zu lesen ist:
„PATRIAE FILIIS VIRTUTI PALLADIQUE SESE VOVENTIBUS SACRUM“
„Den Söhnen des Vaterlandes, die sich der Tugend und Wissenschaft weihen, geheiligt“


Im Botanischen Garten -
Aquarell von Karl Brandsch


Nach einem guten Jahrhundert wurde im Frühling und Sommer des Jahres 1901, das barocke Gymnasium durch das Bauunternehmen Brüder Leonhardt nach dem Entwurf des Stadtarchitekten Gottfried Orendi von Grund auf umgebaut, um ein Stockwerk erhöht und neugotisch gestaltet. Und wieder bekam das „Kollegiengärtchen“, parallel zum neuen Schulbau, eine neue Bestimmung: Am 7. Oktober 1905 beschloss die Konferenz auf dem Schulberge für Zwecke des natur¬wissenschaftlichen Unterrichtes einen Botanischen Garten.
Rektor war zu diesem Zeitpunkt Daniel Höhr. Sein Sohn Heinrich Höhr setzt den Beschluss, als Professor für Naturkunde- und Erdkunde, in die Tat um. Dies können wir aus der Chronik der Anstalt „Programm des Evang. Gymnasiums A.B. in Schäßburg 1905/1906“ entnehmen.


Der Botanische Garten 1948 -
Aquarell W- Lingner


Professor Heinrich Höhr (1875-1949) hatte in Berlin, Jena, Tübingen und Halle Naturwissenschaften und Geographie studiert. Höhr war – wie auch sein Kollege Dr. Karl Petri - Student des großen deutschen Naturwissenschaftlers und Naturphilosophen Ernst Haeckel in Jena gewesen und pflegte diese glückliche Fügung, durch den Satz: „Als ich noch zu den Füßen des großen Haeckel saß,“ hervorzuheben.
Heinrich Höhr war ein bedeutender Schulmann und konnte seine Schüler an der Bergschule ein halbes Jahrhundert begeistern.
Lehrer und Schüler gehen mit großer Freude die neue Aufgabe an und können bereits im ersten Jahr 49 Bäume und Sträucher der heimischen Flora anpflanzen. Der Botanische Garten gilt als „das beste Lehr- und Anschauungsmittel für den pflanzenkundlichen Gymnasialunterricht“.
Bereits im darauffolgenden Jahr weist der Garten 80 Holzgewächse auf und wird durch die Anpflanzung einer einheimischen Kräuterflora ergänzt. Die Pflanzen werden vom Fachlehrer und seinen Schülern auf Exkursionen im Schäßburger Gebiet gesammelt.
Die Einteilung des botanischen Gartens erfolgte nach folgenden drei biologischen Prinzipien:
A Wie sich die Pflanze ernährt (28 Species);
B Wie sich die Pflanze wehrt (98 Species);
C Wie sich die Pflanze vermehrt (212 Species).
1907/8 muss dies Prinzip aus örtlichen Gründen wieder aufgegeben werden.


Bauhütte für Bergkirche im
Botanischen Garten - Foto: R. Schneider


Im Gymnasialprogramm erscheint eine genaue Auflistung der Kräuter, vom Adlerfarn bis zur Tulpe und bei den Holzgewächsen vom Ahorn über die Esche und Traueresche bis zur Zypresse hin. Die im Botanischen Garten stehenden Gewächse sind durch Blechtafeln gekennzeichnet, die den deutschen und lateinischen Namen der einzelnen Pflanzen tragen.
Aus der Begeisterung heraus und dem Motto: „Das Paradies muss ein Garten sein“, wird in der Folgezeit die gesamte Bergeshöhe in einen „Oberen- und Unteren Botanischen Garten“ umgewandelt und bepflanzt. Dabei umfasst der „Obere Botanische Garten“ die Castaldo Bastei der „Untere Garten“ die Anpflanzungen um Bergkirche, Schulen und Heldenhain.
Der Botanische Garten dient als Unterrichtsstätte für Naturkunde und wird von den Schülern, auch in den Ferien gepflegt. Ja, sogar eine Wasserleitung, des 1903 gebauten städtischen Wasserwerkes, wird in beide Teile des Gartens geführt.
Auf dem Plateau des Oberen Gartens wird eine Laube errichtet und an der alten Stadtmauer werden 45 Weinreben der verschiedensten Sorten gepflanzt.
Bereits 1863 wurde auf den Ruinen des Goldschmiedeturms, im Anschluss an den Botanischen Garten eine Turnhalle für das Gymnasium errichtet. Nach und nach übernahm der Botanische Garten auch die Funktion eines Turnplatzes. Auch wiederum auf die klassische Tradition des griechischen „Gymnasions“ zurückblickend, das ursprünglich eine Übungs- und Wettkampfanlage zur körperlichen Erziehung und vormilitärischen Ausbildung der männlichen Jugend war.
Der erste Weltkrieg ließ auch nicht lange auf sich warten. Nur mit dem katastrophalen Ausgang, hatte keiner gerechnet.
Nach dem verlorenen Krieg ging der Lehrbetrieb am Gymnasium weiter. Im Botanischen Garten wurde jeder Klasse ein Beet zugeteilt, das sie zu betreuen hatte.
Ein anderer Teil wurde als Turnplatz benutzt und eine weitere Nutzung bestand darin, den Unterricht in diesem Freiraum abzuhalten. So erinnern sich Kurt Leonhardt und Ernst Graef, die bislang ältesten Bergschüler, wehmütig an den Naturkundeunterricht mit Prof. Heinrich Höhr, Geschichte mit Prof. Eugen Schotsch sowie den Musikunterricht im Botanischen Garten.
1936 wurde die Turnhalle zur Friedhofskapelle (Totenhalle) umgestaltet. Und wieder kommt ein Weltkrieg, der II., der auch verloren geht und seine Spuren auch in diesem Paradies hinterlässt.
Er rafft viele ehemalige Bergschüler hinweg. Deportation nach Russland und indirekte Vertreibung aus der alten Heimat folgen, früher oder später. Es bleiben nur noch die widerstandsfähigsten Bäume und Menschen übrig und der paradiesische Garten verwildert.

Der Botanische Garten wird nun zum erweiterten Pausenhof „degradiert“ und dient gelegentlich als Übungsort für die Blasmusik. Ab und an wird bei schönem Wetter auf diesem einzigartigen Plateau auch „Exitus“ – das Abschiedsfest der scheidenden Gymnasiasten gefeiert.
Unser aller geliebter Naturkundelehrer Prof. Dr. Eckhard Hügel, ebenfalls ein „Haeckelschüler“ bemüht sich redlich, uns die Schönheiten der heimatlichen Natur ans Herz zu legen. In seinem Anschauungsunterricht bringt er jedesmal Pflanzen aus dem ehemaligen „Oberen- und Unteren Botanischen Garten“ sowie aus dem alles umschließenden „Wäldchen“ des Schulbergs.
In den späten 8o-er Jahren wird dann noch ein hoher Maschendrahtzaun um den Botanischen Garten gesetzt, damit auch Ballspiele durchführbar sind.

Um die Jahrtausendwende 2000 erhält der Garten seine vorerst letzte Bestimmung, als Bauhütte für die Renovierungsarbeiten der Bergkirche.
Nur wer leise und aufmerksam den oberen Schulberg erklimmt, wird hier und da einen namhaften Baum, wie etwa die Schillerlinde aus dem Jahr 1905, „in der zarten Schwebe zwischen Grün und summendem Spätsommerschatten,“ wieder entdecken.

Der Weltenbaum Esche Yggdrasill in einem mittelalterlichen Manuskript  

 

 


Dendrochronologische Untersuchungen der Esche
Foto: R. Schneider
Esche mit Jahresringen - Foto: R. Schneider


Wer dann den Gipfel des Schulbergs – den Botanischen Garten erklimmt, wird an seinem äußersten Ende einen symbolträchtigen Baum und Zeugen als „pars pro toto“ (Teil fürs Ganze) für das verflossene 19. und 20. Jahr¬hundert zu sehen bekommen.
Dieser Baum ragt mit seinem Blätterdach halb über die Bastei und halb über den Friedhof hinaus und ist so in seiner himmelstrebenden Form weit sichtbar. Ebenso hat man von hier, dem höchsten, äußersten und westlichsten Punkt der Burg, eine einmalige Aussicht über das traute Kokeltal, die Breite, das Schaaserbachtal, und den Eichrücken, Tannenwald und Villa Franka, sowie die dahinter liegenden und im Dunst verschwindenden Bergketten.


Abschlussfeier der Bergschüler im Botanischen Garten unter
der 100-jährigen Esche - Archivbild


Im Herbst kann man sogar die Karpaten sehen, die zu dieser Zeit, manchmal schon schneebedeckt sind.
Nicht zufällig, steht dieser erhabene Baum im Kreis der anderen, nach botanischen und symbolischen Gesichtspunkten angepflanzten Bäume, an dieser Stelle! Es ist eine Esche!
Die Esche genoss unter den Bäumen, bei den Germanen eine besondere Verehrung als sogenannter Weltenbaum. Der Weltenbaum, dessen Wurzeln sich unter alle Erdteile erstrecken und dessen Krone in den Himmel ragt, ist eine Esche, die Yggdrasil genannt wird.
Die gewaltige Esche Yggdrasil, der Weltenbaum, bildete die Mittelachse des Universums. Wie eine Säule verband sie die Welten der Götter, Menschen, Riesen und Toten miteinander. Sie war der Schicksalsbaum des Universums. Sie trug die Last der Welt, und wenn die Welt litt, litt auch sie.
In den Schöpfungsmythen ist die Welt in drei Stockwerke aufgeteilt: Das Reich der Götter – Asgard, das Reich der Menschen, Elben und Riesen – Midgard und das Totenland ¬– Niflheim: Yggdrasil durchdrang alle drei Stockwerke und verband sie miteinander.
Auf dem Wipfel thronte ein weiser Adler der weit ins Land Ausschau hielt. Im Wurzelbereich entsprang eine Quelle an der die Nornen saßen und das Schicksal spannen.
Gelegentlich kam auch Wotan, der oberste Gott, vorbei um sich nach dem Gang der Welt zu erkunden. Ein Eichhörnchen lief den Stamm auf und ab, um die Nachrichten zu verbreiten. In diesem Sinne, pflanzten die Professoren des „Kollegigärtchens“ diesen Baum zwischen Botanischem Garten und Friedhof.
Unter ihnen war der damalige Deutschlehrer und heutige Namenspatron der Bergschule, Josef Haltrich. Haltrich stand in direktem Briefwechsel mit den Brüdern Grimm, die ja bekanntlich die Märchen und germanische Sagenwelt wieder aufleben ließen.
In unserem kleinen sächsischen Kreis, sammelte Josef Haltrich sächsische Sagen und Märchen, die von Jakob Grimm und seinen Landsleuten begeistert aufgenommen wurden.
1996 wurde die Esche gefällt – die schicksalhafte Weltenesche – So hat auch die“ königlich freie Stadt Schäßburg“ den größten Teil ihrer deutschen Bürger verloren, als wir notgedrungen nach 850 Jahren Kulturgeschichte und Gründung der Stadt, die Heimat verlassen mussten.
Als ich Schäßburg nach 19 Jahren das erste Mal wieder besuchte, fand ich den Baum liegend vor. Ich ließ mir vom Friedhofswärter eine Scheibe abschneiden und nahm sie als symbolträchtiges Zeichen mit nach Hause, nach Oberhausen im Rheinland .
Die Esche wurde am Ende des 19. Jahrhunderts gesetzt und enthält all die Jahresringe bis 1996, als sie gefällt wurde. Das Studium der Jahresringe ist eine eigene Wissenschaft, die Dendrochronologie heißt: Anhand der Abfolge, der verschiedenen Breiten der Jahresringe kann auf gute und schlechte Jahre geschlossen werden.


Die Blasmusik der Gymnasiasten Jahrgang 1982 - 1985 im
Botanischen Garten - Archivbild


Ja, es kann sogar ein unbekanntes Holzscheit datiert werden. Anders ausgedrückt, kann jeder von uns Schäßburgern und Freunde von Schäßburg seine guten und weniger guten Jahre an diesem einen Baumquerschnitt ablesen und nachvollziehen - Jahr für Jahr.
Eine einmalige Zeitreise durch das sogenannte 20. Jh. – Unser Jahrhundert!
Wohlwissend, dass auch unsere Seele wächst und Spuren hinerlässt, ähnlich den Jahresringen eines Baumes.

Dr. Rolf Schneider (Oberhausen)

 

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