"Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit ..."
Aus der Geschichte des ehrbaren Handwerks in Schäßburg
Rasier-, Frisier- und Haararbeiterladen
Fritz Taschler wurde am 18. April 1880 in Schäßburg geboren.
Nach der Schule und Lehre ging er, wie das damals üblich war, auf
Wanderschaft. Sein Weg führte ihn nach Wien, Berlin, Hamburg , Köln,
Paris. Der Bruder Josef (Schuhmacher) war auch dort und der Vater besuchte
seine Söhne zur Weltausstellung. Der Vater war auch Schuhmacher,
stammte aus Toblach in Südtirol und war auf der Wanderschaft in Schäßburg
geblieben.
Mein Vater wanderte weiter nach Genf, Luzern, Lugano, Zürich, Bozen,
Bruneck, besuchte Toblach, die Heimat seines Vaters im Pustertal.
Um die Zeit, als mein Vater in der Fremde war, trug man das Haar hochgesteckt
und onduliert. Das heißt: Mit der Brennschere wurden ins Haar Wellen
geformt. Bei schwachem, dünnen Haarwuchs wurden die Haare noch mit
künstlichen Haarteilen aufgefüllt.

Friseursalon Taschler - Archivbild
In besonderen Fällen, z.B. bei Bällen, wurden die Damen zu Hause
frisiert. Da die Entfernungen manchmal groß waren, schnallte mein
Vater sich Schlittschuhe an, um die Strecken zu bewältigen.
Im Jahre 1906 kehrte er heim nach Schäßburg, wo er ein Geschäft
gründete: „Herren- und Damenfriseur, sowie Haararbeiten jeder
Art.“ Nach dem Krieg 1914-1918 kam eine neue Haarmode für Damen
auf: „Der Bubikopf“. Manch schöner Haarzopf wurde das
Opfer der Schere. Der Bubikopf brachte eine neue Friesiermethode mit sich:
Die Wasserwelle. Die nassen Haare wurden mit kleinen Kämmchen geformt
und dann mit dem Fön, später unter der Trockenhaube getrocknet.
1928-29 kam die Dauerwelle auf. Anfangs war das eine große Prozedur,
mit der Zeit wurde sie immer mehr vereinfacht. Das Haar wurde auf dünne
Wickler aufgedreht und Wickel für Wickel elektrisch angeschlossen.
Später ließ man das elektrische Gerät weg und stülpte
über jeden Wickel eine vorgeheizte Klammer.

Dann kam die „Kalt-Welle“. Das ist ein chemischer Vorgang,
der stromlos gemacht wird.
Ein umfangreicher Arbeitsbereich des Friseurs war die Haararbeit: Perücken
machen, Zöpfe und Haarteile. Dazu kam noch das „Theater-Frisieren“
und Schminken, sowie Puppenreparaturen. Die Puppen hatten Porzellanköpfe
und bekamen zu Weihnachten neue Perücken, denn die kleinen Puppenmütter
wollten ihren „Kindern“ auch Zöpfe flechten und sie richtig
kämmen und frisieren.
Martha Neagu geb. Taschler (Wiehl)

Letztes Update:
2006-08-13
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