HOG-Schäßburg / Siebenbürgen

 

 

 

Michael Friedrich Benedikt Freiherr von Melas

ein großer Sohn Schäßburgs.

Zum 200. Todestag.

Die Habsburger Monarchie, zu der Siebenbürgen als Großfürstentum gehörte, hat in der zweiten Hälfte des 18. und am Anfang des 19. Jahrhunderts mehrere Kriege geführt oder sich daran beteiligt. Es waren dies der Siebenjährige Krieg (1756-1763 ), der Bayerische Erbfolgekrieg (1778/79 ), der Krieg auf Seiten Russlands gegen die Türkei (1787/91), mehrere Kriege gegen das revolutionäre und dann gegen das Kaiserreich Frankreich 1792 - 1815.


Freiherr von Melas


Es ging in diesen Auseinandersetzungen seitens der Habsburger Monarchie um die Vormachtstellung im Deutschen Reich gegenüber Preußen, um die Ausbreitung des österreichischen Einflusses auf dem Balkan nach dem Zerfall des Osmanischen Reiches, um die Verteidigung der habsburgischen Besitzungen in Belgien und Oberitalien gegenüber Frankreich und gegen die Eroberungszüge Napoleon Bonapartes. Eine derart von Kriegen beherrschte Zeit war für einen Offizier bestens geeignet, Karriere zu machen und seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen.
Zu den endlosen Kriegen gegen Frankreich hat auch Siebenbürgen Rekruten und seine rumänischen und szeklerischen Grenzregimenter stellen müssen. Friedrich Teutsch schreibt in seiner „Sachsengeschichte“: „An den Franzosenkriegen nahmen auch aus der Reihe des sächsischen Volkes nicht wenige Söhne teil, mehr als einer in höheren Stellen und viele kehrten mit kriegerischen Ruhm bedeckt wieder heim. Bei der kriegsgeschichtlich berühmten Verteidigung des Blockhauses in Malborghetto in Kärnten am 17. Mai 1809 fiel als der Tapferste der Ingenieurhauptmann Friedrich Hensel aus Kronstadt und als General der Kavallerie erwarb sich einen Namen der sächsische Pfarrerssohn aus Radeln M. Melas, der die Schlacht bei Marengo kommandierte, und dem Napoleon nach der Schlacht mit anerkennenden Worten einen Ehrensäbel spendete.“
Dieses Sohnes der Stadt - des Freiherren von Melas - soll hier ehrend gedacht werden. Er entstammte einer Schäßburger Pfarrersfamilie. Sowohl sein Großvater Bartholomäus als auch sein gleichnamiger Vater waren Schäßburger Stadtpfarrer und Dechanten des Schäßburger Kapitels. Bevor der letztgenannte Melas nach Schäßburg berufen wurde, war er Pfarrer in Schweischer, Radeln und Keisd. Sein namhafter Sohn Michael Friedrich Benedikt wurde am 13. Mai 1729 in Radeln geboren. Obwohl auch seine Mutter eine Pfarrerstochter war, wählte der Sohn nicht den Pfarrerberuf, sondern entschloss sich für eine militärische Laufbahn. Nach dem Besuch des Schäßburger Gymnasiums trat er in das im Raum Schäßburg stationierte österreichische Infanterieregiment ein und nahm bereits als Unterleutnant am Siebenjährigen Krieg an allen Schlachten teil. Zum Schluss des Krieges befehligte er als Major ein Grenadierbataillon. Auch im Bayerischen Erbfolgekrieg stand er im Feld.
Da man in Militärkreisen an der Stärkung der Kavallerie interessiert war, wurde Melas als Oberst eines Kürassierregiments mit der Pferdezucht in Böhmen betraut und schuf damit die Grundlagen für das Militärremontierungswesen.
Gemeinsam mit Russland beteiligte sich Österreich am Krieg von 1787/91 gegen das Osmanische Reich, und das sollte bereits der letzte Türkenkrieg sein. Obwohl das österreichische Heer, in dem auch Melas mitkämpfte, erfolgreich war und 1789 Belgrad eroberte, erhielt Österreich keine nennenswerte Gebietserweiterung.
In den ab den 90er Jahren folgenden Kriegen europäischer Koalitionen gegen Frankreich kämpfte Melas zunächst in den Niederlanden, bei Mainz und in der Pfalz. Dann übernahm er - inzwischen zum General aufgestiegen - das Kommando über die österreichische Armee in Oberitalien und errang 1799 gemeinsam mit dem russischen Heer unter dem Feldherrn Suworow mehrere Erfolge gegen die Franzosen.. Er wurde dafür mit dem Kommandeurkreuz des Maria-Theresia-Ordens ausgezeichnet und in den Freiherrenstand erhoben.
Im Jahre 1800 erschien an der Führung des französischen Heeres in Norditalien General Napoleon Bonaparte, der 1799 als erster Konsul die Macht in Paris an sich gerissen hatte. Es kam zu mehreren Zusammenstößen, bei denen Melas als Oberkommandierender der Österreicher den Franzosen standhielt. Bei Marengo (14. Juni 1800) kam es zur entscheidenden Schlacht, in der Melas zuerst die Franzosen zum Rückzug zwang. Da er die Schlacht gewonnen glaubte, zog er sich wegen einer Verwundung in die Stadt Alessandria zurück und überließ seinen Feldherren die Verfolgung des flüchtenden Feindes. Mit neu herbeigeführten Kräften konnten die Franzosen den Angriff zurückschlagen und mit starkem Geschützfeuer die siegesfreudigen Österreicher auseinander schlagen und der Schlacht eine unerwartete Wendung geben. Daraufhin kam es zu einem Waffenstillstand und schließlich zur Niederlage Österreichs. Auf Grund des Friedensvertrages von Luneville (1801 ) musste es Oberitalien an Frankreich abtreten.
Ob Melas an der Niederlage von Marengo schuldig war, darüber gibt es keine eindeutige Meinung. Napoleon hingegen zollte ihm Hochachtung für seine Tapferkeit und die Schlachtführung. Er schenkte ihm einen Säbel mit folgender Empfehlung:“ Ich bitte Sie, mein General, mir zu erlauben, Ihnen einen Säbel anzubieten, welchen ich in Ägypten von den Barbaren erbeutete, und denselben als einen Beweis der ganz besonderen Achtung anzunehmen, welche mir der von Ihrer Armee auf dem Schlachtfelde von Marengo bewiesene Mut eingeflößt hat.“
Für den 71jährigen Melas brachte dieser Feldzug das Ende seiner Karriere. Er erhielt zwar noch das Generalkommando in Graz und Prag, wurde dann aber 1803 in den Ruhestand versetzt. Er zog sich nach Elbe-Teinitz in Böhmen zurück, wo er mit seiner Frau ein Haus erworben hatte. Hier ist er vor 200 Jahren, am 31. Mai 1806, verstorben und hat hier auch seine letzte Ruhe gefunden.
Melas wird nicht nur in der siebenbürgisch-sächsischen Literatur sondern auch in militärgeschichtlichen Abhandlungen und biographischen Nachschlagewerken Österreichs und Deutschlands als bedeutender Feldherr gewürdigt.

Dr. Michael Kroner (Oberasbach)


 

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