Ludwig Schuller
Zum 100. Todestag des Malers und Photografen Schäßburgs
der zweiten Hälfte des19. Jahrhunderts, der mit seinen Werken als
Persönlichkeit in die Geschichte der Stadt eingegangen ist.
Sein Lebenswerk ist in ausdrucksvoller Weise in der „Carinthia“
(Zeitschrift für Landeskunde in Kärnten), von Alfons Hafner
gezeichnet,1990 erschienen. Mit einem kurzen Auszug aus diesem Werk wollen
wir heute den Werdegang und das Lebenswerk Ludwig Schullers würdigen.

Ludwig Schuller - Selbstbildnis
Die Vorfahren des Ludwig Schuller stammen aus Deutsch-Kreuz. Sein Vater
war 1821 evangelischer Vikar in Triest, von wo er nach Feffernitz, Gemeinde
Paternion in Kärnten (Österreich) kam und als Pfarrer ordiniert
und installiert wurde.
Um den etwas trinkfreudigen Schuller durch ein geordnetes Heim von seiner
Schwäche abzubringen, vermittelte ihm der evangelische Ludwig Wilhelm
von Mertens, Inspektor der gräflich Widmannschen Eisenwerke, die
Ehe mit seiner Schwester Maria Elisabeth. Die Eheschließung erfolgte
am 7.12. 1823 in Feffernitz.
Der angestrebte Nebenzweck dieser Ehe wurde allerdings nicht erreicht.
Am 18.1. 1826 wurde dem Ehepaar Schuller ein Sohn geboren, der auf den
Namen Johann Ludwig Fritz getauft wurde.
Noch im selben Jahr kam auch ein Töchterchen zur Welt, das aber nur
11 Stunden lebte, dabei starb auch die Kindesmutter „im Kindbett
am Brand“.
Der gerade 10 Monate alte Ludwig wurde auf einen Pflegeplatz gebracht
und der Pfarrer Johann Schuller war wieder allein im Pfarrhof mit seinem
Problem. Deshalb musste er seinen Dienst in Feffernitz quittieren und
ging am 19.7.1828 nach Schäßburg, wo er als Prediger eine neue
Lebensstellung fand.
Für den kleinen Ludwig sorgte von nun an sein Patenonkel Wilhelm
von Mertens, Künstler und gräfliche Inspektor, in dessen Familie
er einmal auf Schloss Kellerberg an der Drau und einmal bei Onkel Georg
(dem Bruder seines Pflegevaters) in Stuttgart verbrachte.
1831 in seinem 6. Lebensjahr kam er in eine Privatschule und drei Jahre
später also mit 9 Jahren in eine Erziehungsinstitut mit Untergymnasium
für 25 Schüler von 9-14 Jahren in Marbach am Neckar.
Hier kam das erste Mal sein großes Zeichentalent zum tragen, er
zeichnete nach der Natur aus dem Schulzimmerfenster den Nachbarhof mit
Schweinen und Hühnerstall und die dahinter liegenden Gärten.
Die Zeichnung erregte allseits große Bewunderung und Schuller hob
sie bis ins Alter als Andenken auf.
1837 also mit elfeinhalb Jahren wurde er aus dem Erziehungsinstitut herausgenommen,
seine Schulzeit war damit beendet und über Ulm, Augsburg, München,
Salzburg ging es mit dem Fiaker nach Spittal an die Drau nach Schloss
Kellerberg.
Auf Schloss Kellerberg war es nun wieder Onkel und Taufpate „Louis“
der sich seiner annahm.
Vor die Wahl gestellt, Eisenwerksbeamter oder Künstler zu werden,
entschloss sich Ludwig zur Künstlerlaufbahn. Der Onkel schickt ihn
in keine weitere Schule sondern bildete ihn nach einem festen und strengen
Stundenplan mit Schwergewicht Zeichnen und Fremdsprachen selbst aus.
Im März 1843 fuhr Ludwig von Mertens mit seinem nun 17 jährigen
Neffen Ludwig Schuller nach Klagenfurt und brachte ihn in der Lithographischen
Anstalt des Joseph Wagner unter „damit er dort anfange sich selbst
sein Brot zu verdienen“.
Es war der richtige Arbeitsplatz um sein Zeichentalent weiter auszubauen.
Seine ersten 10 „Ansichtskarten von Klagenfurt“, alle nach
der Natur gezeichnet fanden großen Anklang. In den zwei Jahren seiner
dortigen Tätigkeit sind wertvolle Lithographien von Landschaften
und Porträts entstanden, die in den „Alben von Kärnten“
und „Ansichten von Krain“ heute noch bewundert werden.
Am 20. Mai 1845 trat Schuller aus den Diensten der Lithographischen Anstalt
Wagner aus um nach Schäßburg zu fahren und anschließend
die Kunstakademie in Wien zu besuchen.
Seine erste Reise nach Siebenbürgen begann am 20. Juni und endete
am 22. Oktober 1845.
Von seiner Ankunft in Schäßburg am 17. Juli 1845 am Steilautürmchen
vorbei ist beiliegende Skizze erhalten.
Außer Schäßburg besuchte Schuller auch Hermannstadt,
Reps, das Szeklerland und viele sächsische Gemeinden.
Überall wurden Freundschaften geschlossen und wertvolle Gespräche
geführt, die den zukünftigen Werdegang Schuller`s sehr beeinflusst
haben.
Er traf das erste Mal seinen Vater, leider waren die Begegnungen die ganze
Zeit über nicht seinen Vorstellungen entsprechend.
Von den Eltern seines Freundes Julius Maetz, dem damaligen Stuhlrichter
in Schäßburg, wurde Schuller herzlich aufgenommen.
Er schloss Freundschaft mit Joseph Haltrich, Theodor Fabini und Fritz
von Sternheim.
Anfang Oktober machte er Abschiedsvisiten mit seinem Vater. Überall
wurde er aufgefordert nach vollendetem Studium nach Schäßburg
zurückzukommen und sich da bleibend niederzulassen.
Zum Abschied am 8.10. 1845 erhielt Schuller von seinem Vater nur die Ermahnung
„Hüte dich vor den Weibern und dem Wein!“. Viel mehr
als diese Gefahr fürchtete Schuller aber „dass es mir aus Mangel
an Talent, Tatkraft und Selbstbewusstsein nicht gelingen werde mir als
Künstler eine sichere Existenz zu gründen und diese Befürchtung
hat mir auch später viele qualvolle Stunden bereitet bis ich 1857
durch die Berufung nach Schäßburg von dieser Sorge befreit
wurde.“
Die Akademie der Bildenden Künste in Wien besuchte Schuller ein Jahr
lang, dann unterbrach er das Studium aus familiären Gründen,
kehrte nach Kärnten zurück, lebte teils in Klagenfurt, teils
am Kellerberg. In Klagenfurt war er künstlerisch tätig, zeichnete,
malte, lithographierte, porträtierte und am Kellerberg half er seinen
Onkel W. v. Mertens, der schwer erkrankt war, zu pflegen.
Im März 1847 starb sein Ziehvater und Onkel, dessen Bruder aber,
Friedrich, in Paris zuhause, kümmert sich um Ludwig und schickt ihm
eine Einladung nach Paris zu kommen.
Schuller plante im Frühjahr 1848 zu Fuß durch Tirol, Süd-Bayern,
Stuttgart über Köln und Brüssel nach Paris zu gehen, aber
die ausgebrochene Revolution machte ihm einen Strich durch die Rechnung.
Erst Januar 1849 war es so weit und Schuller fuhr nach Paris zu seinem
Onkel.
Zunächst betrieb er Anatomiestudien, dann besuchte ereine private
Zeichnerschule, anschließend das Meisteratelier GLEYRE und trat
dann in die Kunstakademie ein, die er 1850/51 bis zu seinem Abschluss
besuchte.
Während seines Pariser Aufenthaltes, der bis 1857 währte, bereiste
Schuller Frankreich und die Schweiz, zeichnete und photographierte, seine
künstlerischen Aufnahmen wurden ganz besonders geschätzt.
Obwohl Schuller in Paris gut Fuß gefasst hatte, folgte er doch 1857
dem Ruf an das Schäßburger Gymnasium, wo man ihm eine Zeichenlehrerstelle
angeboten hatte.

Erste Skizze Ludwig Schullers bei seiner Ankunft in Schäßburg
17. Juli 1845 beim Steilautürmchen - Privatarchiv
Laut Schullers Brief vom 25.8.1857 fährt er „morgen früh“
und zwar mit Cousine Friedericke und Tante Maria von Martens nach Schäßburg
um zur Hochzeit seines Freundes Julius Maetz zurechtzukommen, aber auch
um dort seine Lebensstellung als Gymnasiallehrer anzutreten.
In Schäßburg: Im Schuljahr 1857/58 begann Schuller mit dem
Zeichenunterricht an der Bergschule, 1859/60 auch mit dem Französischunterricht
in der Oberstufe. In den folgenden Jahren gab er auch an der Realschule,
dann auch an der Mädchen-, Bürger- und Gewerbeschule Unterricht.
Seine liebste Tätigkeit in Schäßburg war die Öl-
und Aquarellmalerei von Landschaften, Porträts, Altarbilder und Photographie.
In erster Ehe heiratete er Friederike von Mertens, seine Cousine 1858
in Villach. Dem Ehepaar wurde 1860 eine Tochter Elisabeth, den Schäßburgern
als Betty Schuller bekannt, geschenkt. 1862 kam ein Sohn Ludwig zur Welt,
der aber schon 1863 verstarb, und kurz danach folgte ihm auch seine Mutter.
Schuller war nach dem Tod seiner ersten Frau mit der vierjährigen
Betty allein und heiratete schon nach 9 Monaten Emilie Binder aus Fogarasch,
deren Mutter aus dem angesehenen Siebenbürgisch Sächsischen
Geschlecht der Pilder von Steinburg stammte.
Schuller wurde in zweiter Ehe drei Kinder geboren, 1866 Karl., 1869 Hermine
Ida, 1873 Ludwig Wilhelm. Die beiden Söhne hatten weitere Nachkommen,
die Tochter blieb ledig.
Eine so romantische Stadt wie Schäßburg war natürlich
für Schuller als Künstler die ideale Werkstätte. Seine
7 erhaltenen Bilder von Schäßburg gehören zu den wertvollsten
Dokumenten unserer Vaterstadt. Im Bereiche der Porträts stammen von
ihm: G.D. Teutsch, Fr. Müller, M. Albert, v. Steinburg, v. Sternheim
, Maetz und Gull.
In sechs Siebenbürgisch-Evangelischen Kirchen ist ein Altarbild von
Ludwig Schuller:
Deutsch Zeppling, Birk, Siechhofkirche Schäßburg, Dunnesdorf,
Groß - Lasseln, Keisd.
Schuller stand nicht nur als Lehrer im Lichte der Öffentlichkeit,
es war Schuller, der die Photographie im Jahre 1857 nach Schäßburg
gebracht und dort eingeführt hat. Er war aber auch Gründer der
freiwilligen Feuerwehr und Vorstand der Liedertafel von Schäßburg.
Zweimal war Schuller in seinen späteren Lebensjahren noch in Kärnten,
1873 mit Tochter Betty und 1896 mit Tochter Hermine, Seinen Söhnen
zeigte er 1897 in Wien die Akademie der bildenden Künste, die er
vor 51 Jahren besucht hatte.
Am 6. Mai 1888 starb Schuller`s zweite Gattin. In diesem Jahr begann er
mit der Abfassung seiner Lebensgeschichte, worin er auf 290 Seiten die
ersten 26 Jahre seines Lebens beschrieb.
1901 beendete er die Niederschrift ohne Angabe des Grundes.
Schuller war bis nach der Jahrhundertwende geistig voll auf der Höhe
und viel kontaktfreudiger als in jungen Jahren.
Er trat erst 1903, also mit 77 Jahren in den Ruhestand. Statt der verdienten
Ruhe traf ihn gleich ein Schicksalsschlag , als am 8. August 1904 seine
Tochter Betty, die begabte Malerin, mit 44 Jahren starb.
Knapp zwei Jahre später, am 18. März 1906, ist ihr auch Ludwig
Schuller im 81. Lebensjahr gefolgt.
Walter Lingner (Düsseldorf)

Letztes Update:
2006-08-13
- Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de
/ http://www.schaessburg-net.de
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