Stadtführer Schäßburg

von Anselm Roth
Erschienen 2006 im Hora Verlag zu Hermannstadt.
Der Autor selbst stammt aus Kronstadt und ist ein Enkel des aus Schäßburg
stammenden siebenbürgisch-sächsischen Politikers Dr. Hans Otto
Roth. Ebenso ist der uns allen bekannte Photograph Hermann G. Roth, der
eine wunderbare Photoreportage von Schäßburg im Jahre 1894,
als wertvolles Zeitdokument, erstellt hat, ein Großonkel von ihm.
Somit ist der Autor bestens berufen, auch als „Nicht – Schäßburger“
, einen Reiseführer über diese- unsere Stadt, zu verfassen und
auch die Fotos in hervorragender Qualität entsprechend zu erstellen.
Anselm Roth wohnt in Hermanstadt, erweist sich aber durch sein Werk, als
ein guter Kenner des derzeitigen Schäßburgs.
Der Reiseführer ist nach praktischen Gesichtspunkten aufgebaut und
verzichtet auf zu ausführliche Rückblenden die den geschichtliche
Teil etwas zu kurz und weniger präzise ausfallen lassen.
Er umfasst folgende Kapitel:
Wissen (Eine 800 Jahre alte Geschichte),
Sehen (Ein Spaziergang zu den Sehenswürdigkeiten),
Kennen (Die Stadt, pro Etnica und das Dorf Birthälm),
Kaufen (Kitsch und Kostbarkeiten),
Essen (Ohne Mittelalter geht gar nichts),
Schlafen (Herrschaftlich bis abenteuerlich),
Staunen (Ein Park für den Vampir und die Wusch),
Merken (Adressen, Hotels und Pensionen, Websites, Literatur, Wörterbuch)
und
Planen (Stadtplan von Schäßburg).
Der „ Stadtführer Schäßburg/Sighis¸oara mit
Birthälm/Biertan“, wie sein ausführlicher Titel lautet,
hat einen flüssigen Stil und lässt sich leicht lesen. Sowohl
Schäßburger, als auch Fremde und Besucher können sich
ein Bild unserer Vaterstadt aus diesem 94-Seiten umfassenden Werk machen.
Die Vielzahl an praktischen Hinweisen werden dem gewogenen Leser einen
schönen und abwechslungsreichen Aufenthalt in Schäßburg
bescheren.
Die „Siebenbürgische Elegie“ unseres Heimatdichters und
93. Rektors des Honterus - Gymnasiums zu Kronstadt: Adolf Meschendörfer(1877-1963),
springt einem sinnbildlich schon vom Titelblatt ins Auge:
„Anders rauschen die Brunnen, anders rinnt hier die Zeit ... Zögernd
nur schlagen die Uhren, zögernd bröckelt der Stein...“
Auf dem Bild ist nämlich unser Stundturm mit Uhr und Wochenwerk zu
sehen und der bröckelnde Backstein des stark renovierungsbedürftigen
Wahrzeichens der Stadt.
Besonders angenehm empfindet man, nach den Reiseführern der rumänisch-kommunistischen
Ära - als nur rumänische Bezeichnungen erlaubt waren, dass nun
aus historischem Verständnis heraus, alle Namen zweisprachig angegeben
sind: deutsch und rumänisch.
Da Schäßburg „UNESCO- Weltkulturerbe“ ist und ein
steigendes, internationales touristisches Interesse erstrebt, ist die
Benutzung der deutschen Sprache ausgesprochen förderlich.
Dem Bischhofssitz Birthälm ist ein extra Kapitel gewidmet. Birthälm
ist seit 1993 ebenfalls auf der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO.
Dies ist insofern erfreulich, dass auf diese einmalige Sehenswürdigkeit,
die etwas abgelegen liegt, von Schäßburg aus hingewiesen wird
und als Gegenpol zum geschäftigen Treiben der Stadt steht.
In Birthälm lebten und wirkten im 16. Jahrhundert 5000 Siebenbürger
Sachsen. Davon sind heute noch 70 übrig geblieben. Seine Hochblüte
erreichte Birthälm, nachdem der Sachsenbischof Lucas Unglerus 1572
den Bischofssitz aus der Haupt- und Hermannstadt nach Birthälm verlegt
hatte.
Damals konkurrierte der Bischofssitz und Marktflecken Birthälm mit
den Nachbarstädten Schäßburg und Mediasch, musste aber,
wegen seiner abgelegenen Lage, den Vorrang an diese beiden Städte
abtreten und sich an einem beschaulichen, geistigen und geistlichem Dasein
erfreuen.
„Die Ruhe in Birthälm weicht einmal im Jahr einem Tohuwabohu,
(bibl. Bezeichnung für den Zustand vor der Schöpfung) das jedoch
nicht ohne Reiz ist: An einem Samstag im September strömen Sachsen
aus der ganzen Welt nach Birthälm“ um sich zu treffen, kulturelles
Erbe und Traditionen zu würdigen, wie Anselm Roth, es trefflich beschreibt.
Von dem Ausflug nach Birthälm zurückgekehrt, schildert der Autor
uns einen Rundgang über die Burg, wobei er die wichtigsten Sehenswürdigkeiten
sowohl im Bilde festhält, als auch eine kurze Beschreibung hinzufügt.
Der Rundgang wird dann auf die Unterstadt erweitert und auch hier werden
viele interessante Stationen gemacht.
Es fehlt eine ausführliche und detaillierte Beschreibung der Bevölkerung
die in der nächsten Ausgabe eingebracht werden sollte.
Die berühmt-berüchtigte Lebensgeschichte des ehemaligen Bürgermeisters
Schuller von Rosenthal wird geschildert; wie er die Gesetze der „Bürgerrepublik“
der Freien und Königlichen Stadt Schäßburg missachtet,
und sich zur Krönung noch einen Harem hält und Falschgeld im
Keller münzt. Zur Strafe für diese und andere Missetaten wird
er zum Tode verurteilt und 1703 auf dem Mönchshof enthauptet.
Sämtliche Hotels und Pensionen sind einzeln aufgeführt und in
Angebot und Preislage dargestellt. Des weiteren findet man eine ausführliche
Beschreibung der Gastronomie mit ihren spezifischen Essen und Getränken.
Nicht zu kurz kommt auch die Umgebung der Stadt, wo insbesondere die Breite
mit ihren 1000-jährigen Eichen und deren nachhaltige Nutzung und
Erhaltung ihren Niederschlag findet.
Ja, sogar die ehemalige Schmalspurbahn „Wusch“ bekommt in
diesem Reiseführer einen gebührenden Platz mit ihren drei Lokomotiven,
die von den Schäßburgern humorvoll:
- Galilei (... und sie bewegt sich doch,)
- Luther (... hier steh’ ich und kann nicht anders...)
- Schiller (... spät kommt ihr, doch ihr kommt...)
genannt wurden; deren bekannte Aussprüche sie trefflich charakterisieren.
Ein Stadtplan und ein Verzeichnis der wichtigsten Adressen von Schäßburg
sowie ein kleines deutsch-rumänisches Wörterbuch und der Literaturnachweis
(erweiterungsbdürftig) runden den Stadtführer zu einem Ganzen
ab.
Dr. Rolf Schneider (Oberhausen)

Letztes Update:
2006-08-26
- Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de
/ http://www.schaessburg-net.de
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