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HOG-Schäßburg / Siebenbürgen |
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Dr. Hermann Binder – ein Leben für die Kirche
Hermann Binder wurde am 25. Dezember 1911 im evangelischen Pfarrhaus
zu Halvelagen geboren. Er besuchte das „ Bischof-Teutsch“-Gymnasium
in Schäßburg. Diese traditionsreiche Bildungsanstalt legte
das Fundament für die gediegene Ausbildung, die er sich anschließend
an den Universitäten Wien, Tübingen und Berlin (1929 –
33) im Blick auf den zu ergreifenden Beruf eines evangelischen Pfarrers
erwarb. Er gehört zu den wenigen Volltheologen unserer siebenbürgischen
Kirche vor dem zweiten Weltkrieg, die sich ausschließlich für
den Dienst im Pfarramt vorbereiteten. War es doch üblich, dass siebenbürgische
Pfarrer erst nach der Ausübung eines Lehrerberufes als reife, erfahrene
Männer ins Pfarramt wechselten. Das vorgeschriebene Vikariatsjahr
leistete Hermann Binder bei seinem Vater in Halvelagen ab. 1934 wurde
er Pfarrer der stattlichen Landgemeinde Keisd und 1938 berief ihn die
Schäßburger Kirchengemeinde zu ihrem Stadtprediger und Seelsorger,
wo er sich „trotz seiner Jugend“ (Archiv) auf der Kanzel und
in der Seelsorge bewährte. Hermann Binders wissenschaftliches Interesse
galt der Arbeit am Neuen Testament, worüber die „Kirchlichen
Blätter“ jener Jahre Zeugnis ablegen. 1942 ging Hermann Binder
für drei Monate nach Transnistrien, wo er als evangelischer Pfarrer
tätig war. Aufschlussreiche Tagebuchaufzeichnungen berichten über
jenen außergewöhnlichen Einsatz. Dieser ungewöhnliche
Zeitabschnitt war gleichsam ein Vorbote dessen, was noch kommen sollte.
Die veränderte politische Lage nach dem 23. August 1944 stellte Volk
und Kirche in eine Zeit des Umbruchs hinein, wie es sie in der Geschichte
unseres Volkes noch nie gegeben hatte. Hermann Binder wurde mit vielen
Schäßburgern nach Russland deportiert, wo er schwer erkrankte.
Nach drei Jahren konnte er über die damalige Ostzone Ende 1947 heimkehren
und kurz vor Weihnachten seinen Pfarrdienst in Schäßburg wieder
aufnehmen. Inzwischen hatte sich der Wind gedreht. Der politische Umschwung
hatte zu grundlegenden Veränderungen auf allen Gebieten geführt.1948
schuf ein neues Kultusgesetz auch in der Kirche neue Verhältnisse.
Weltanschaulich repressive Jahre bestimmten von nun an Leben, Denken und
Handeln der Menschen. Der Alleingültigkeitsanspruch der kommunistischen
Partei und des von ihr bestimmten Staates erstreckte sich auf alle Gebiete.
Auch die Arbeit der Kirche wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. Auslandsstudien,
bisher üblich, waren nicht mehr möglich. So gründete unsere
Kirche 1949 zusammen mit den andern protestantischen Kirchen Rumäniens
in Klausenburg das „Vereinigte Protestantisch-theologische Institut
mit Universitätsgrad“ als Ausbildungsstätte für angehende
Pfarrer dieser Kirchen. Schon 1949 wurde Hermann Binder zum theologischen
Lehrer berufen, zunächst für das Fach „praktische Theologie“.
Ab 1953 dann für die wissenschaftliche Arbeit am Neuen Testament.
Für diesen Dienst in Klausenburg wurde er vom Schäßburger
Presbyterium beurlaubt. Als 1955 das Theologische Institut dann nach Hermannstadt
verlegt wurde, bestand die Möglichkeit, dass 1956 auch die Familie
nach Hermanstadt umziehen konnte. Am 21. Oktober 1956 fand in der Klosterkirche
die Verabschiedung aus dem Schäßburger Pfarramt statt. Es war
ein schwerer Abschied. Hermann Binder war allseits beliebt und geachtet,
als Mensch und als Pfarrer. Am Abend versammelten sich die Mitglieder
des Presbyteriums sowie alle Mitarbeiter mit der Familie zu einem bescheidenen
Abschiedsessen. In seinem Abschiedswort bei Tisch bezog sich Hermann Binder
auf die prägenden sowie arbeitsreichen Jahre in Schäßburg
und sagte dann wörtlich: „wenn zwei Pfarrer in einer Gemeinde
in Eintracht zusammenarbeiten, ersetzen sie einen dritten“, und
gab somit seiner Freude über die ersprießliche Zusammenarbeit
Ausdruck (Archiv). Die Verbindung zwischen Hermann Binder und der Kirchengemeinde
Schäßburg ist nie abgerissen. Er blieb ein guter Freund unserer
Gemeinde sowie ein gern gesehener und gehörter Prediger und Gast. Die vielen ehemaligen Studenten, inzwischen gestandene Pfarrer bzw. Ruheständler,
die ihren Professor und Dekan auf diesem letzten Weg begleiteten, erlebten
diesen Abschied im Spiegel sehr persönlicher Erinnerungen. Hermann
Binder ist der letzte unserer theologischen Lehrer der ersten Generation,
dem wir die letzte Ehre erwiesen. Alle andern, mit denen wir einst in
Klausenburg oder in Hermannstadt unsere theologische Existenz begannen,
ruhen längst in Siebenbürgen und in Deutschland in Gottes Erde.
Insoweit war dieser Abschied auch ein Wendepunkt. Wir erlebten diesen
Tag deshalb auch wie ein Vermächtnis. Denn die Prägungen, Werte
und Erfahrungen, die noch einmal aufleuchteten, bleiben für uns Hinweis
und Spur des Lebens. Erinnerungen erweisen sich nämlich immer auch
als eine Sprachlehre der Hoffnung. Sie sind die „Heimwehleiter,
die den Tod übersteigt“ (Nelly Sachs).Im Blick auf diese Hoffnung
hat uns Hermann Binder immer wieder auf einen Text aus dem 2. Korintherbrief
hingewiesen, wo es im 5. Kapitel heißt: „Wir wissen, wenn
unser irdisches Haus, diese Hütte zerbrochen wird, dann haben wir
einen Bau von Gott erbaut. Ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das
ewig ist im Himmel ... So sind wir denn allezeit getrost und wissen: solange
wir im Leibe wohnen, weilen wir fern von dem Herrn, denn wir wandeln im
Glauben und nicht im Schauen.“ Dr. August Schuller, Brühl.
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