Bericht der Evangelischen Kirchengemeinde Schäßburg
Gedanken zum Jahreswechsel 2006 / 2007
Das Highlight dieses Jahres 2006 war sowohl für die hiesigen, als
auch für die in Deutschland und sonst auf der Welt lebenden Schäßburger,
das Treffen in Dinkelsbühl und die damit verbundene Unterzeichnung
der Städtepartnerschaft. Wenn man nach Dinkelsbühl kommt, ist
es als ob man ein Stück «zu Hause fern der Heimat» wieder
findet. Was ich bei diesem Besuch anders als sonst empfand war, dass Rumänien
und die EU – selbstverständlich aus gegebenem Anlass –
immer wieder thematisiert wurden. Einen Tag vorher war die Entscheidung
der Europäischen Kommission bezüglich des Beitrittes Rumäniens
zur EU getroffen worden. Dies große Ereignis wirft seine Schatten
schon lange voraus und am 1. Januar 2007 soll es so weit sein. Dass Menschen,
die geographisch so fern von uns entfernt leben, ein so reges Interesse
bekunden, hat auch mich herausgefordert, mir darüber Gedanken zu
machen.
Was der Beitritt wirklich bringen wird, ist jetzt noch nicht abzusehen.
Was ist das Vereinte Europa oder das „Gemeinsame Haus Europa“
überhaupt? Interessanterweise wird dies Thema – zumindest in
meinem Umfeld hier in Schäßburg – eher am Rande thematisiert.
Was sollte sich denn hier auch groß verändern? Einerseits ist
es klar, dass Mentalitäten sich in Jahrzehnten, wenn nicht gar in
Jahrhunderten entwickeln und verändern; das gilt für die positiven
wie für die negativen. Schäßburg ist immer schon eine
„europäische Stadt“ gewesen; das merkt man bevor man
überhaupt mit jemandem gesprochen hat, an der Architektur. Die Schäßburger
sind immer schon «Europäer» gewesen, unabhängig
von welcher Seite man es betrachtet: wirtschaftlich, kultur- oder sozialhistorisch.
Die positive Seite der EU – vor allem für uns Siebenbürger
Sachsen – ist nicht von der Hand zu weisen: das Wegfallen der Grenzen
(wirtschaftlich, touristisch, familienpolitisch). Ich weiß, dass
man in der Geschichte damit nicht argumentieren kann, aber gefühlsmäßig
empfinde ich es so: für viele unserer Landsleute hätte es keinen
Grund zur Auswanderung gegeben, wären diese Schlagbäume früher
aufgehoben worden. Ob rückwirkend die Aufnahme in die EU diesbezüglich
etwas bringt, sehe ich eher skeptisch. Mit Besorgnis sieht man hier aber
der Einkommens- und Preisentwicklung entgegen. Schön langsam werden
die Konsumpreise an jene der EU angeglichen, wobei die Einkommen (vor
allem die Renten, aber auch die Gehälter für Mittel- und Wenigverdiener)
noch immer einen Bruchteil jener der EU ausmachen. Das wird sich so schnell
nicht ändern. Allerdings glaube ich nicht, dass man sich in den EU-Ländern
große Sorgen wegen erhöhter Wirtschaftsmigration machen muss.
Wer von hier weg wollte hat dies schon längst getan. Jetzt gehen
nur noch Einzelne. So sehe ich das Ganze mit gemischten Gefühlen.
Wir können über Grenzen hinweg Kontakte jeglicher Art aufrechterhalten
und dies in einer Art von der man vor 10 Jahren nicht zu träumen
wagte. Zugleich aber leben wir in diesem Land und können uns über
die hiesigen – nicht immer rosigen – Realitäten nicht
hinweg setzen.
Was sich bei uns in der Kirche in der Tat verändert hat und noch
weiter verändern wird, ist der Ausbau der Verwaltung. Vor einigen
Tagen habe ich bei der Lokalkommission für Rückgabeangelegenheiten
– 60 Jahre nach der Enteignung – den „Proces Verbal
de Punere în Posesie“ (Rückerstattungsprotokoll) für
501 ha Wald unterschrieben. Wenn beim Kreisrat in Neumarkt/Tg. Mures die
Genehmigung dafür erteilt wird (und angeblich ist dies nur eine Formsache)
dann besitzt die Kirchengemeinde denselben Waldbestand wie im Jahr 1946.
Es ist die größte Waldfläche, welche im Kreis Mures rückerstattet
wird und für unsere Kirche insgesamt eine der größten
Rückerstattungsaktionen. Im Blick auf die Rückerstattung der
Gebäude geht es sehr schleppend voran, wiewohl andernorts das schon
längst geschehen ist. Der Kindergarten am „Hämchen“
ist (endlich!) im Grundbuch eingetragen; allerdings haben wir –
so wie es das Gesetz vorsieht – noch immer keinen Vertrag mit dem
Bürgermeisteramt. Wahrscheinlich ist die Zeit noch nicht reif dazu.
Wichtig für uns als Evangelische Kirchengemeinde ist und bleibt,
dass wir unser christliches Gemeindeleben haben; daran wird sich hoffentlich
auch nach dem 1.1.2007 nicht viel ändern. Die Kirche begleitet durch
ihre amtlichen und ehrenamtlichen Vertreter ihre Gemeindeglieder so gut
sie es eben kann. Durch ihr Wesen ist die Kirche so gestaltet, dass äußere
Einflüsse nur begrenzt in ihren Lebensvollzug eingreifen (so sollte
es zumindest sein). Selbstverständlich muss man sich immer wieder
an dieses oder jenes anpassen; das bedeutet aber nicht, dem Zeitgeist
das Wort zu reden. Der allmächtige Gott hat uns in weitaus schwereren
Zeiten Durchhaltevermögen geschenkt. Wie sollte er das jetzt nicht
tun? Nichts anders sagt denn auch die Jahreslosung für dieses nun
bald abgelaufene Jahr: «Gott spricht: „Ich lasse sich nicht
fallen und verlasse dich nicht.“ (Josua 1,5b)»
Allen Lesern und Leserinnen der Schäßburger Nachrichten wünsche
ich eine besinnliche Adventszeit bzw. frohe und gesegnete Weihnachten.
Hans Bruno Fröhlich, Stadtpfarrer
Aktuelle Seelenzahl und geistliche Handlungen
vom 10. Juni bis 30. November 2006
Seelenzahl am 10.06.2006: 241 m 271 w = 512 Seelen
Zugänge: Taufe 1 m 1 w = + 2 Aufnahme/Zugezogen 3 m 3 w = + 6
Abgänge: Ausgetreten/Abgewandert - 1 w = – 1
Verstorben 1 m = – 1
Seelenzahl am 30.11.2006: 244 m 274 w = 518 Seelen
Es wurden getauft:
1. Karol Haydl
2. Nadine Sütö
Es wurden konfirmiert:
1. Maria Winkler
2. Elena Kraus
3. Paula Mezei
4. Harald Fernolend
Es wurden getraut:
1. Harald Fernolend & Paula geb. Mezei
2. Daniel Balthres & Andrea Elena geb. Mateoiu
3. Attila Arnandof & Corina Welther
Es wurden beerdigt:
1. Marie Elise Reinhardt (Urnenbeisetzung), 90 Jahre
2. Emmerich-Martin Reichrath (Urnenbeisetzung), 64 Jahre
3. Kuno Martini, 77 Jahre
4. Erna Markowski geb. Kroner (Urnenbeisetzung), 89 Jahre
5. Aurel Saicu, 75 Jahre
Dietlinde Cravciuc, Gemeindesekretärin

Letztes Update:
2007-03-04
- Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de
/ http://www.schaessburg-net.de
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