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HOG-Schäßburg / Siebenbürgen |
Alt-Schäßburger Anekdoten
Der Gastwirt wird EhrenbürgerIn einem „Städtl“ im östlichen Galizien lebte der Gastwirt Blau recht und schlecht mit Frau und Kindern. Die Bauern der Gegend tranken bei ihm ihren Schnaps, zahlten, wenn sie Geld hatten, wenn nicht, ließen sie anschreiben und zahlten später. Wenn die Schulden aber ins Unermessliche und Unbezahlbare zu steigen drohten und der Wirt nichts mehr auf Kredit ausschenkte, der Durst und die Wut aber stiegen, kam es zu gewalttätigen Pogromen, bei denen man seines Lebens nicht mehr sicher war. Um solch einer drohenden Gefahr zu entgehen, packte unser Gastwirt Frau und Kinder und seine bewegliche Habe in einen Planwagen und fuhr nach Süden. Als er die Stadt Schäßburg in Siebenbürgen erreichte und da Station machte, wütete in der Stadt die Pest. Der Gastwirt richtete seinen Destillierapparat ein und brannte Alkohol, der bei der Bekämpfung der Pest als willkommenes Desinfektionsmittel gute Dienste tat, sodass die Epidemie eingedämmt und überwunden werden konnte. Als Anerkennung seiner Verdienste dankte die Stadtverwaltung von Schäßburg dem Gastwirt Blau mit der Ernennung zum Ehrenbürger der Stadt mit Wohn- und Bürgerrechten. Die Urkunde hing lange Zeit im Stadtmuseum im Stundturm, bis der Museumsleiter sie der Familie in sicherere Verwahrung übergab. Die Nachkommen dieses Gastwirts besuchten die deutschen Schulen, wurden Apotheker, Postbeamte, Rechts- oder Staatsanwalt, Arbeiter, Buchhalter, Abteilungsleiter in einer Textilfabrik, Angestellter im Kino und pflegten die Nachbarschaft. In der Zeit, als in Deutschland Juden Sterne tragen mussten, wechselten
die Blaus die Straßenseite, damit sächsische Bekannte keine
Schwierigkeiten bekämen, wenn sie sie grüßten. Als die
Frau des Kreisleiters sie jenseits der Straße dennoch erblickte,
laut und freundlich grüßte und der Kreisleiter von „Höherer
Stelle“ deshalb ermahnt wurde, antwortete dieser, er werde seiner
Frau doch nicht verbieten, die guten Nachbarn aus ihrer Kindheit zu grüßen.
Als Russen mit Polizeibegleitung am verschlossenen Tor sächsischer
Nachbarn rüttelten, gingen Blaus durch den Garten und öffneten
selbst. Sobald der Polizist sie erkannte, zog die Gruppe weiter und ließ
das Haus in Frieden. Als in der Nachbarschaft noch nicht jeder einen Plattenspieler
hatte, traf man sich bei der Nachbarin, die einen besaß und auch
die Platten dazu, hörte Beethoven und strickte. Mittlerweile lebt niemand der Familie Blau mehr in Schäßburg. Nachkommen leben in Israel und Amerika. Hans Orendi, Mülheim
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