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150 Jahre seit dem Erscheinen der Haltrich’schen
Märchen
Joseph Haltrich war nur 34 Jahre alt, als seine Märchensammlung
auf Vermittlung der Brüder Grimm 1856 im renommierten Springer-Verlag
in Berlin erschien. „In seiner Kindheit hatte er sich an den Märchen
erhoben, die sie dem aufhorchenden Knaben erzählten... ein Hauch
des Märchens ist seinem Wesen immer eigen geblieben“ –
so charakterisiert Friedrich Teutsch seinen Onkel Joseph Haltrich.
Am 22. Juli 1822 in Reen geboren, besuchte Haltrich das Schäßburger
Gymnasium und studierte anschließend in Leipzig. In Berlin besuchte
er auch Vorlesungen der Brüder Grimm und war von der volkskundlichen
Bewegung der deutschen Romantik stark beeindruckt. In die Heimat zurückgekehrt,
wurde er Professor (ab 1850) und Rektor (ab 1869) der Bergschule, dann
Pfarrer in Schaas, wo er auch starb (17. Mai 1886).
Haltrich hat ein umfangreiches volkskundliches Werk hinterlassen und gehört
zu den bedeutendsten siebenbürgisch-sächsischen Folkloristen
des 19. Jahrhunderts. Doch sein bekanntestes und volkstümlichstes
Werk sind die „Deutschen Volksmärchen aus dem Sachsenlande
in Siebenbürgen“, die insgesamt 8 Auflagen erlebt haben. (Berlin,
Wien, Hermannstadt, München, Bukarest). Sein Vorsatz, Märchen
zu sammeln, stammte noch aus seiner Studentenzeit in Leipzig. Sein Freund
Friedrich Wilhelm Schuster hatte in Leipzig begonnen, nach Haltrichs Erzählung
und auch aus eigener Erinnerung Märchen aufzuschreiben. Diese Aufzeichnungen
bildeten dann den Grundstock zu Haltrichs Sammlung. Später, als Gymnasialprofessor,
ließ sich Haltrich auch von seinen Schülern Märchen ihrer
Dorfheimat erzählen bzw. aufschreiben. Die erste Sammlung enthielt
mythische Märchen und Schwänke. Die Tiermärchen kamen erst
später dazu. Haltrich hatte diese bereits vorher in einer von deutschen
Volkskundlern sehr geschätzten Studie „Zur deutschen Tiersage“
publiziert. Die dritte, erweiterte Auflage (C. Gräser, Wien, 1882)
war auch mit Illustrationen von Ernst Peßler geschmückt. Seit
damals sind die Haltrich’schen Märchen häufig von rumäniendeutschen,
rumänischen, österreichischen und deutschen Künstlern illustriert
worden, und es kann ruhig behauptet werden, Haltrich sei der am meisten
illustrierte siebenbürgisch-sächsische Autor.
Die Haltrich’schen Märchen sind gegenwärtig nur noch selten
im antiquarischen Handel zu finden, denn auch die letzte Ausgabe ist längst
völlig vergriffen. Es wäre sicher lohnend, eine neue Gesamtausgabe
herauszugeben (vereinzelte Märchen gibt es in Anthologien oder als
Märchenbücher) und wieder einem größeren Leserpublikum
zur Verfügung zu stellen. Nicht so sehr in der alten Heimat, in Deutschland
wäre die Nachfrage sicher groß. Bereits die letzte Ausgabe
der siebziger Jahre im Bukarester Kriterion-Verlag, die Hanni Markel besorgte,
war ein echter „Exportschlager“.
Das hier reproduzierte Ölporträt malte auf Bestellung des Schäßburger
Gymnasiums A. Coulin 15 Jahre nach Haltrichs Tod. Als Vorlage diente eine
Fotografie aus den siebziger Jahren. Die zweite Abbildung zeigt die Titelseite
der Erstausgabe des Märchenbuches.
Walter Roth, Dortmund

Letztes Update:
2007-03-04
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