„Der Heiligenhof“ in Bad Kissingen
„Der Heiligenhof“ in Bad Kissingen ist ursprünglich
eine sudetendeutsche Bildungs- und Begegnungsstätte. Er verfügt
über rund 170 Betten auf drei Niveaus: Jugendherberge, Gästehaus
und moderner Seminartrakt und viele zweckmäßige und variable
Gruppenräumlichkeiten sowie einen Jugendzeltplatz mit Versorgungspavillon.
Die Preise für Unterkunft und Vollverpflegung betragen zwischen 25
und knapp 50 Euro pro Tag und Person. Bereits in den 1960er Jahren waren
vereinzelt Siebenbürger Sachsen zu Jugendfreizeiten und Schulungen
auf dem Heiligenhof, der schon immer Spätaussiedler, Vertriebene
und deutsche Minderheiten in Ostmitteleuropa im Programm gepflegt hat.
Seit fast 30 Jahren veranstalten die Scharoscher an der Kokel ihre jährlichen
Heimatortstreffen in Bad Kissingen, neuerdings auch die Gemeinden Hundertbücheln
und Kirtsch. Auch die Schäßburger haben den Heiligenhof entdeckt
und feiern traditionell Ende Januar ihren Fasching daselbst. Ebenso fanden
mehrere Schäßburger Klassentreffen bereits statt. Dank eines
siebenbürgischen Studienleiters, Gustav Binder, geboren 1960 in Kronstadt,
wird der Heiligenhof zunehmend auch ein Ort der Begegnung für die
Siebenbürger Sachsen in Deutschland. So tagen der HOG-Verband und
andere landsmannschaftliche Gruppierungen neuerdings bevorzugt in Bad
Kissingen. Der Heiligenhof bietet preiswerte Seminare zur politischen
und historischen Bildung, neuerdings viele mit Rumänienbezug, die
nachstehend für 2007 aufgeführt werden, an, sowie weitere Wander-,
Sing- und Handarbeitswerkwochen. Die Teilnahme an einer Wochenendtag kostet
im Regelfall ca. 60 Euro, an einer fünftägigen Tagung ca. 150,
inkl. Unterkunft und Verpflegung. Alle Schäßburger sind zu
den Tagungen herzlich eingeladen. Speziell für die HOG-Schäßburg
wird die Tagung vom 26. bis 31, August „Heimat“ im Zeitalter
der Globalisierung angeboten.
Informationen und Prospektmaterial zum Heiligenhof und einzelnen Programmen
erhalten Sie bei: Gustav Binder, Alte Euerdorfer Straße 1, 97688
Bad Kissingen, E-Mail: studienleiter@heiligenhof.de oder www.heiligenhof.de
, wo Sie auch den „Newsletter“ bestellen können.
Tagungsprogramm 2007
4. bis 9. März Mitteleuropäische Städteporträts
Das siebenbürgische Hermannstadt/Sibiu wird – neben Luxemburg
– zur „Europäischen Kulturhauptstadt 2007“ gekürt.
Das Europäische Parlament und der Ministerrat haben für den
Zeitraum 2009 bis 2019 jeweils ein ost- und ein westeuropäisches
Land nominiert, welches nach nationaler Ausscheidung eine Stadt als „Europäische
Kulturhauptstadt“ benennen kann. Bisher liegen folgende ostmitteleuropäische
Städte bereits fest: 2009: Wilna/Vilnius (Litauen), 2010: Fünfkirchen/Pecs
(Ungarn), 2011: Reval/Tallinn (Estland). Mitteleuropa ist von zahlreichen
Stadtgründungen nach deutschem Recht und durch deutsches Bürgertum,
Handwerker und Kaufleute, geprägt. Einige dieser Städte, ihre
deutsche Kultur und Geschichte, sollen wiederentdeckt werden.
26. bis 31. August Was ist „Heimat“ im Zeitalter der Globalisierung?
In Zusammenarbeit mit Heimatortsgemeinschaften aus Siebenbürgen
Über „Heimat“ reden vor allem die, die sie verloren und
verlassen haben, die in überschaubaren dörflichen Strukturen
aufgewachsen sind, die mit ihrem Herkunftsort und den Menschen von dort
auch in der Diaspora Kontakte pflegen und ihre Identität definieren.
Das 20. Jahrhundert ist eine Epoche von Migrationen. Es wurden gewaltige
Umsiedlungen vorgenommen, Menschen flüchteten, wurden deportiert,
vertrieben, wanderten aus ethnischen, religiösen, wirtschaftlichen
oder anderen Gründen aus. Die Migranten wurden Bürger anderer
Staaten und Gemeinwesen, ihre Kinder sind vielfach assimiliert und gehen
im anonymen Bevölkerungsamalgam der neuen Zeit unter.
6. bis 9. September Rumänien und Bulgarien als neue EU-Mitglieder
Ein Seminar der Akademie Mitteleuropa in Zusammenarbeit mit der Bundesarbeitsgemeinschaft
Ostkunde
Am 1. Januar sind Rumänien und Bulgarien als 26. und 27. Staat der
Europäischen Union beigetreten. Vorerst – bis zur Klärung
der Verfassungsfrage – sind keine weiteren Beitritte vorgesehen.
Rumänien bringt rund 20 Millionen Einwohner in die EU ein und ist
damit nach Polen die bevölkerungsstärkste Nation Ostmitteleuropas,
während Bulgarien mit knapp 8 Millionen Bewohnern eher zu den kleineren
Staaten gehört. Die Wirtschaftsleistung beider Länder ist am
unteren Ende der EU-Mitglieder, jedoch weisen diese Staaten nach fast
zwei Jahrzehnten nicht immer konsequent betriebenen Reformprozeß
die höchsten Wachstumsraten in der Gemeinschaft auf. Nur wenig weiß
man in Deutschland über die Geschichte, Kultur und Geographie dieser
Länder und das ist Anlaß genug, dieses sich als Seminarthema
für Sozial- und Geschichtekundelehrer auszusuchen.
9. bis 12. September Zeitzeugen und Zeitgeschichte in Ostmitteleuropa
Seit Kriegsende sind über 60 Jahre vergangen. Die Erlebnisgeneration
stirbt allmählich aus und verschwindet aus Gründen der Beschwernis
des Alters und aus Gesundheitsgründen aus dem öffentlichen Leben.
Sie hat elementare Lebenserfahrungen gemacht: Krieg, Nachkrieg, Deportation,
Enteignung, Entrechtung, Migration, Neuanfang. Vielfach wurden diese Erfahrungen
ein Leben lang verdrängt, doch mit einem Male sind sie wieder ganz
präsent. Sie müssen bewältigt werden. Wege, wie das geschehen
kann, wird versucht im Seminar aufzuzeigen.
30. September bis 5. Oktober Deutsche Regionalliteraturen in Ostmitteleuropa
Ein Seminar für Nachwuchsgermanisten in Zusammenarbeit mit den Universitäten
Olmütz/Olomouc, Budapest und Klausenburg/Cluj u.a.
Bis in die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen war die deutsche Sprache
die meistgesprochene und meistgeschriebene Sprache in Mitteleuropa, die
lingua franca, der sich die einfachen Menschen ebenso wie die Elite der
östlichen Nachbarvölker bedienten. In der österreichischen
Reichshälfte der Österreichisch-Ungarischen Monarchie hatten
die Deutschsprachigen um 1900 einen Bevölkerungsanteil von rund 30
%. Es erschienen überall deutsche Kalender, Zeitungen, Bücher;
die Alltags- und Behördensprache war – allerdings nicht ausschließlich
– deutsch. Der Geburts- und Wirkungsort bedeutender deutscher Schriftsteller
liegt außerhalb der heutigen deutschen und österreichischen
Staatsgrenzen. Die Auslandsgermanistik in Ostmitteleuropa, vom Baltikum
bis Slowenien, von Siebenbürgen bis nach Böhmen, nimmt sich
gerne des autochthonen literarischen Erbes an.
19. bis 21. Oktober Was geschieht mit dem deutschen Kulturerbe in Ostmitteleuropa
am Beispiel Siebenbürgen?
In Zusammenarbeit mit dem Verband der Heimatortsgemeinschaften
Die (deutschsprachige) Evangelische Kirche A.B. in Rumänien ist Eigentümerin
von zweihundertfünfzig Kirchen und Kirchenburgen sowie weiterer rückerstatteter
Immobilien (etwa Schulen), wertvollen Kultur-, Museums- und Archivgutes.
Neben der deutschen Bundesregierung haben private deutsche und internationale
Stiftungen, die Gemeinschaften der ausgewanderten Siebenbürger Sachsen
und rumänische Behörden einzelne Denkmäler, Ensembles dokumentiert,
gesichert, restauriert, Archive erschlossen etc. Neben diesen geglückten
Projekten steht eine Füller weiterer Aufgaben an. Insbesondere die
Verantwortung der ausgewanderten Siebenbürger Sachen für das
Kulturerbe ihrer Herkunftsgemeinde und die Möglichkeiten mit Sachverstand
und materiell zu helfen sollen ausgeleuchtet werden.
28. Oktober bis 2. November Antikommunistische Opposition und Widerstand
in Mitteleuropa von 1953 bis 1989
In Zusammenarbeit mit den Landesgruppen Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz
der Sudetendeutschen Landsmannschaft
1953 Berlin, 1956 Warschau und Budapest, 1968 und 1977 Prag, 1989 überall,
sind die markanten Jahreszahlen von Volkserhebungen und Formierung einer
Opposition gegen den von der Sowjetunion installierten Kommunismus in
Mitteleuropa. Bis 1989 wurden diese Bewegungen mit Waffengewalt und Repressionsmaßnahmen
unterdrückt. Unter Duldung der Gorbatschowschen Politik, die den
Kommunismus reformieren wollte, kam es zu einer ganz Mitteleuropa erfassenden
Freiheitsbewegung, die von der deutschen und europäischen Vereinigung
gekrönt worden ist. Gewiß eine der glücklichsten historischen
Fügungen im 20. Jahrhundert in Europa.
8. bis 10. November Fremdarbeiter, Zwangsarbeiter und Zivildeportierte
im Gefolge des Zweiten Weltkrieges
In Zusammenarbeit mit dem Pädagogischen Arbeitskreis Mittel- und
Osteuropa (PAMO)
Während des Zweiten Weltkrieges waren die wehrfähigen Männer
weitgehend in die deutsche Wehrmacht eingezogen und im Einsatz. Durch
den großen Bedarf an Rüstungsgütern und zur Aufrechterhaltung
der Versorgung fehlten in Deutschland Arbeitskräfte. Zwar mußten
Frauen in Männerberufen tätig werden, das reichte jedoch nicht
aus, den Arbeitskräftebedarf zu decken. Millionen „Fremdarbeiter“
und Zwangsarbeiter aus den besetzten Ländern wurden eingezogen bzw.
ins Deutsche Reich deportiert. Die Formen des Einsatzes waren vielfältig.
Sie reichten vom Arbeitseinsatz in Konzentrationslagern oder in unterirdischen
Produktionsanlagen bis zum „Familienmitglied“ auf dem Bauernhof
oder dem Einsatz im kirchlichen Bereich. Nach dem Krieg wurden deutsche
Zivilisten zu Hunderttausenden zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion verschleppt.
Bei allen Aktionen gab es hohe Opferzahlen. Welcher Opfer wird gedacht?
Welche Opfer sind vergessen? Welche Rolle spielt das Thema in den Lehrplänen
der Schulen und in den Schulbüchern?
4. bis 9. November Über den Umgang mit der kommunistischen Vergangenheit
18. bis 23. November Deutsche und jüdische Geschichte in Ostmitteleuropa
Ein Seminar für Studierende aus Deutschland und den östlichen
Nachbarländern
Mitteleuropa ist dort, wo Deutsche und Juden mit anderen Ethnien gelebt
haben. Durch den nationalsozialistischen Rassenwahn wurde das mittel-
und osteuropäische Judentum nahezu vollständig vernichtet. Die
Überlebenden der Schoa sind nach der Staatsgründung Israels
meist dorthin – aber auch in die USA und in andere westliche Staaten
– emigriert. Die Deutschen Osteuropas, außerhalb und innerhalb
der ehemaligen Reichsgrenzen, wurden während und nach dem Zweiten
Weltkrieg umgesiedelt (Hitler-Stalin-Pakt), flüchteten vor der sowjetischen
Front, wurden vertrieben oder emigrierten bis in jüngste Zeit als
Aussiedler nach Deutschland. Nur Reste beider Gruppen sind noch anzutreffen,
aber reichliche Zeugnisse ihrer Geschichte. Das Augenmerk soll auf das
Schicksal beider Gruppen gelenkt werden, das Zusammenleben untereinander
und mit den anderen Völkern des gemeinsamen Raumes.
Gustav Binder, Studienleiter, Bad Kissingen

Letztes Update:
2007-03-04
- Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de
/ http://www.schaessburg-net.de
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