Die Pest in Schäßburg
Die Pest war eine der mächtigsten und bedeutendsten Geißeln,
mit der sich die Menschheit seit ihren frühesten Anfängen auseinandersetzen
musste. Die Seuche befiel die Menschen schon im Altertum und brach bis
zum Beginn des 19. Jhd. immer wieder in unterschiedlichen Abständen
aus. Für die Menschheit hatten die Folgen der Pestepidemien tief
greifende Auswirkungen sowohl auf politischer, sozialer und wirtschaftlicher
als auch auf demographischer und psychologischer Ebene. Auf dem Gebiet
der Medizin ging es vor allem um Diagnose, Behandlung und Prophylaxe.
Nach Ansicht der Historiker betrug die Anzahl der Todesopfer in Europa
allein während des Mittelalters etwa 70–80 Millionen.
Für diese Krankheit gab es zwei Bezeichnungen lateinischen Ursprungs:
„pestis“ (ansteckende Krankheit, Epidemie, Pandemie) und „cyma“
(Beule, Geschwulst), woraus das rumänische Wort „ciuma“
entstanden ist.
Die erste Erwähnung einer Pestepidemie im antiken Griechenland finden
wir im Jahre 430 v. Chr. bei Thukydides. Es war die Zeit des Peloponnesischen
Krieges und der Belagerung Athens.
Eine andere Epidemie gab es im Jahre 541 n. Chr. in Äthiopien. Von
dort breitete sich die Seuche über Alexandria, Antiochia und Syrien
bis nach Konstantinopel aus. Gallien und die germanischen Gebiete wurden
vom 6. bis zum 8. Jh. in Abständen von jeweils 12 Jahren von der
Pest heimgesucht.
Es heißt, dass 1346 die schrecklichste Pestepidemie ausbrach. Sie
ging von Asien aus, wurde von Handelskarawanen über die Krim und
Byzanz in die Moldau, nach Muntenien und Siebenbürgen eingeschleppt
und breitete sich bis nach England, Frankreich und Skandinavien aus.
Nach dieser großen Epidemie hat die Pest die Menschheit während
des gesamten Mittelalters bis zum Beginn der Neuzeit immer wieder in Zyklen
von unterschiedlicher Dauer und Heftigkeit gebeutelt.
Zu den von der Pest betroffenen Gegenden gehört auch Schäßburg.
Dokumente, die uns diesbezüglich zur Verfügung stehen, sind
die Chroniken des 17. Jhd. und die Matrikeln der Stadt Schäßburg,
in denen der bekannte siebenbürgische Historiker Gernot Nussbächer
geforscht hat. (Siehe die Artikel „Pest und Pocken. Aus der Medizingeschichte
der Kokelstadt“, erschienen am 18. Juli 1989 in der Zeitung „Neuer
Weg“, und „Epidemie de ciuma la Sighisoara in secolele XVI–XVII:
consecinte demografice“, erschienen in der Zeitschrift „Revista
istorica“ von März bis April 1992.)
Zu den erforschten historischen Aufzeichnungen gehören: das Werk
von Georgius Krauss, die Chroniken von Michael Moses und Johannes Kempes,
die vor kurzem auch in rumänischer Sprache erschienen sind, die „Chronica
civitatis Schaessburgensis“ von Georgius Wachsmann und Johannes
Göbbel sowie das unter dem Namen Schenker-Chronik bekannte Werk „Chronica
Anonymi eu. jusdem procipique vero Schaessb. res tempore hui transscripta
ex. Autographo classis D. Johannis Godofredi Schenker dicta a Th. Possessor”.
Die Analyse dieser Quellen zeigt, dass der Ausbruch von Pestepidemien
in engstem Zusammenhang mit den Kriegen stand, die Hungersnöte zur
Folge haben und große Menschenmassen in Bewegung setzen.
Zu diesem Schluss kam auch Georgius Krauss, der über die Pestepidemie
von 1586 schreibt: „..denn gewöhnlich folgen nach einer Hungersnot
große Pestseuchen, so wie es im Sprichwort heißt: „Post
famem pestis.“
Aus dem 16. Jahrhundert haben wir nur spärliche Nachrichten. Die
Chronik von M. Moses erwähnt in den Jahren 1510 und 1530 Epidemien
in Siebenbürgen.
Im Jahre 1553 heißt es in der Schenker-Chronik: „Aus Kronstadt
breitet sich die ,Vide Miles’ genannte große Pest über
ganz Siebenbürgen aus.“ Ebenda wird berichtet: „1573
wütet die Pest schrecklich in Schäßburg, und 1575 wütet
die Pest ,Vide Miles’ wieder.“
Das nächste Jahrhundert beginnt 1603 mit einer großen Epidemie,
die mit dem Aufenthalt Michaels des Tapferen in Siebenbürgen und
der damit verbundenen Stationierung von Bastas Truppen in Schäßburg
zusammenhängt. Die Chronik der Stadt Schäßburg berichtet,
dass General Basta drei deutsche Kompanien in unsere Stadt gebracht hat,
die nicht nur die Schanze neben dem Goldschmiedturm sowie zwischen Schuster-
und Schlosserturm verstärkten, sondern auch die Krankheit eingeschleppt
haben: „Von den kaiserlichen Soldaten, die in diesem Jahr in Schäßburg
stationiert waren, sind viele an der Pest gestorben.“
Der Chronist G. Krauss hebt hervor, dass diese Epidemie von der Hungersnot
begünstigt wurde, die infolge der großen Ausgaben für
die Truppen ausgebrochen war: „Es gab eine so große Hungersnot,
dass ein Mensch einen anderen getötet und gegessen hat. Wegen der
Teuerung kostet bei uns ein Kübel Getreide 10 Florin (Gulden), in
Klausenburg 40 Florin.“ Der demographische Rückgang ist offensichtlich,
denn der Chronist schreibt weiter: „In dieser Zeit erscheint der
,große Tod’ in der Stadt und es sterben 2000 Seelen; es sind
vor allem Bettler, sodass 700 Beerdigungen aus dem Stadtsäckel bezahlt
werden mussten.“
Unter den Opfern befinden sich auch Pfarrer Petrus Surius und im Jahr
1604 der Konsul Andreas Göbbel.
Im Jahr 1622 bricht eine weitere Epidemie in der Stadt aus. Laut G. Nussbächer
wird in den Matrikeln der Stadt Schäßburg Anfang Juli 1663
das Auftreten der Pest eingetragen, der vor allem Kinder zum Opfer fallen.
Die Krankheit breitet sich rasch aus und Ende Juli sind 20 Tote zu beklagen,
während im August 6 Menschen pro Tag sterben. Im September ist der
Höhepunkt mit sieben Opfern täglich erreicht. Mit Beginn der
Kälte sinkt ihre Anzahl zusehends, sodass am 12. Februar 1624 der
letzte Tote zu beklagen ist. Für das Jahr 1636 vermerkt die Matrikel
eine neue Epidemie. So ist am 8. November zu lesen: „Pestis incipit.“
Auch dieses Mal sind die Opfer Kinder.
Im Jahre 1644 bricht erneut eine große Pestepidemie aus. In der
„Chronica civitatis Schaessburgensis“ heißt es: „Schon
wieder Pest. Von Juni bis Dezember sind fast täglich Menschen gestorben,
an einigen Tagen 50–51.“ Genaue Zahlen erfahren wir vom Schäßburger
Notar G. Krauss: „In diesem Jahr hat die Pest in ganz Ungarn und
Siebenbürgen gewütet. Besonders hier in Schäßburg
sind von Juni bis Dezember 4676 Seelen gestorben, vor allem jene, in die
wir unsere ganze Hoffnung gesetzt hatten. (Als Beispiel werden Pfarrer
Fabinus und Diakon Stefan erwähnt.) Täglich gab es viele Tote.
Vor allem bei zunehmendem Mond stieg auch ihre Anzahl, sodass kurz vor
Vollmond täglich 50–55 Opfer zu beklagen waren. Diese Zahl
wurde, Gott sei Dank, nicht überschritten. Bei abnehmendem Mond sank
auch die Zahl der Todesopfer. Einige starben im Sitzen oder im Gehen,
hatten Kopfschmerzen und Todesflecken. Sie ergaben sich in ihr Schicksal,
nahmen Abschied von ihren Bekannten und starben.“
Bei J. Kempes finden wir für dasselbe Jahr folgende Aufzeichnungen:
„Hier in Schäßburg gab es eine so große Seuche,
dass von Pfingsten bis Weihnachten 3500 Seelen an der Pest starben.“
Gernot Nussbächer erwähnt, dass sich der Schäßburger
Magistrat durch die große Zahl der Todesopfer veranlasst sah, für
fünf Monate zusätzlich mehrere Totengräber einzustellen,
die für ihre Arbeit monatlich 10 Florin erhielten.
Aus den angeführten Texten geht hervor, dass die Ereignisse sich
enorm auf das Bewusstsein und die Gefühlswelt der Menschen auswirkten.
Es breitete sich ein Gefühl der Hilflosigkeit gegenüber dieser
grausamen Krankheit aus und die Menschen sahen den einzigen Ausweg in
der Resignation.
Über die Jahre 1661–1662 schreibt Georgius Wachsmann: „Im
Januar hört die Pest auf, die ein Jahr lang in Schäßburg
gewütet hat. Hier sterben 620 Seelen und in Hermannstadt 2320. Am
15. August 1662 beginnt die Pest von neuem und es sterben viele Menschen.“
Im 18. Jahrhundert bricht 1709 die schrecklichste Epidemie aus. Trotz
der Quarantänemaßnahmen, die in Siebenbürgen entlang der
Karpaten getroffen wurden, gab es in Gheorgheni einige Krankheitsfälle.
Ein Lederwarenhändler verließ trotz Verbot die Stadt und gelangte
nach Schäßburg, wodurch nicht nur hier, sondern auch in Oderhellen
und Neumarkt die Krankheitserreger verbreitet wurden. Obwohl ein Arzt
aus Prag nach Schäßburg gerufen wurde, nahm die Epidemie katastrophale
Ausmaße an, sodass aus 1000 Familien nur noch 1200 Seelen überlebten.
Wie der Königsrichter Gottlieb Csech von Sternheim berichtet, gab
es im Stuhl Oderhellen dieselbe Situation, nämlich 10.000 Todesopfer.
Auch die Schenker-Chronik erwähnt die Zahl der Todesopfer: „Im
Juni 1709 breitet sich die Ansteckung aus, und zwar in Schäßburg,
Mediasch, Kokelburg sowie im Komitat Thorenburg. In Schäßburg
sterben fast 4000 Menschen.“
Die katastrophalen Ausmaße der Epidemie werden auch in einer Inschrift
in der Klosterkirche erwähnt:
IN HONOREM DEI T.O.M.
BENIGNISS(I)MI et UNICI ILLIUS a PESTE LIBERATORIS
SUB CONSULATV
AMLISSIMI PRUD. ac CIRCUMSP. DOMINI
DIVI GEORGII FABRITII
FORNICE HOC PROPRIIS SUMTIBVS ERECTO
AEDES HAS SACRAS ORNAVIT
AMPLISSIMVS D. WALENTINUS SCHOBEL
Anno 1711
Durch ihre außergewöhnlich hohe Sterberate (60–70% infolge
der Beulenpest und 100% im Falle der Lungenpest) war diese Seuche im Mittelalter
ein Schock für die Menschen und führte zu einer ausgeprägten
Atmosphäre der Unruhe und Angst.
Wie wir gesehen haben, resignierten viele angesichts des allmächtigen
Todes. Aber es gab auch Fälle von praktischen Gegenmaßnahmen.
In diesem Zusammenhang ist die Rolle des Hermannstädter Arztes Johann
Salzmann zu nennen, der im Jahr 1510 die Stadt durch eine dreiwöchige
Quarantäne gerettet hat.
Da es kein Gegenmittel für diese Krankheit gab, blieb Flucht die
einzige und sichere Rettung.
So finden wir bei G. Krauss folgende Aufzeichnungen:
„In diesem Sinne muss ich an einen Zweizeiler erinnern, in dem es
heißt:
‚Diese drei Worte vertreiben die mörderische Pest:
Entweiche sofort, gehe weit, kehre spät zurück.’
Denn es hat sich gezeigt, dass es bei der Pest von 1648 in der ganzen
Stadt kein einziges Haus gab, in das sie nicht eingefallen ist. Dagegen
blieben im gesamten Stuhl alle Dörfer, die von der Stadt weit waren,
verschont. Ebenso sind auch 63 Seelen, die die Stadt rechtzeitig verlassen
haben, am Leben geblieben. Darum sollte jeder, der in einer solchen Zeit
verschont bleiben will, aus meinem Beispiel lernen. Denn wenn du der Pest
ausweichst, kommst du gesund nach Hause.“
Im Kampf gegen die Pest suchten die Menschen vor allem in den katholischen
und orthodoxen Gegenden ihre Rettung durch Teilnahme an Prozessionen.
Sie riefen eine ganze Reihe von Schutzheiligen an und erflehten die Vergebung
durch den Allmächtigen. Die Orthodoxen suchten Schutz bei den Heiligen:
Haralambie, Pantelimon und Visarion. Bei den Katholiken waren es die Heiligen:
Anton, Sebastian, Karl Bartholomäus, Antonius von Padua, Ludwig der
Heilige, Gregor, Ignatius, Katharina u. a.
In Siebenbürgen und dem Banat gibt es bis heute Heiligenbilder, auf
denen der Heilige Haralambie die Pest zertritt, oder Denkmäler, die
der Heiligen Dreifaltigkeit gewidmet sind, weil eine Gemeinschaft vor
dem Tod bewahrt wurde.
In Temesvar wurde zum Dank dafür, dass die Stadt 1739–1740
von der Pest verschont blieb, eine Pestsäule errichtet, zu der die
Menschen bis zum Jahre 1914 jährlich pilgerten.
Am bedeutendsten ist eine Prozession in der italienischen Stadt Palermo.
Auch heute noch feiert die ganze Stadt in der Zeit vom 14–17. Juli
die Heilige Rosalia. Der Sage nach soll diese Heilige im Jahr 1624 die
Stadt vor der Pest gerettet haben.
Nach 1740 hat es in Europa dank der verbesserten hygienischen Bedingungen
und der systematischen Vernichtung der Ratten keine größeren
Epidemien mehr gegeben.
Schon seit Beginn der ersten Epidemien hat man diese als Strafe Gottes
angesehen. Im Altertum hielt man die Krankheiten für eine Rache des
Gottes Apollo und im Mittelalter galten sie als Sühne, durch welche
die Menschen zum wahren Glauben bekehrt werden sollten.
Da die Menschen sich im Mittelalter die Herkunft und Ursachen der Pest
nicht erklären konnten, richtete sich ihr Zorn gegen alles Fremde.
Auch Invaliden, Bettler, Zigeuner und Hexen mussten als Sündenböcke
herhalten.
Die wahre Ursache, d.h. der Krankheitserreger der Pest, wurde erst 1894
vom Franzosen Alexandre Yersin entdeckt, der die Bakterien in den Lymphknoten
der verstorbenen Kranken identifizierte und sie nach seinem Namen „Yersinia
pestis“ nannte.
Ihre Übertragung auf den Menschen durch die Flöhe der Ratten
sowie durch andere blutsaugende Insekten wurde 1898 von Paul-Louis Simond
bewiesen.
Yersinia pestis ist ein sehr virulenter Bazillus. Schon 100 bis 500 Bakterien
reichen aus, um die Lungenpest hervorzurufen, die meistens tödlich
verläuft.
Die Weltgesundheitsorganisation kennt heute 38 Länder (darunter die
Mongolei, Vietnam, China, Indien, Madagaskar, Südafrika usw.), in
denen es Gebiete mit Nagetieren gibt, darunter auch Ratten, die von Flöhen
(Xenopsylla cheopis) befallen werden, welche die Krankheit auf den Menschen
übertragen. Durch die Bisse dieser Flöhe dringt die Yersinia
pestis durch die Haut in den menschlichen Körper. Bei der Übertragung
von Mensch zu Mensch bilden die Atemwege, aber auch der Verdauungsapparat,
die Bindehaut und der Rachen das Eingangstor. Demzufolge gibt es die Pest,
welche die Haut angreift, d.h. die Beulen- oder Bubonenpest, die gewöhnlich
weniger problematisch und nicht ansteckend ist. Dagegen ist die Lungenpest
sehr ansteckend und wird durch Speicheltröpfchen beim Husten, Sprechen
oder Singen übertragen. Die Prophylaxe geschieht durch das Vermeiden
von Flohbissen, durch das Befreien der Haustiere von Ungeziefer und Parasiten
sowie das Ausrotten der Ratten. Für Menschen, die in Laboratorien
arbeiten, sowie für Reisende und Armeeangehörige, die sich in
gefährdete Gebiete begeben, gibt es schon einen wirkungsvollen Impfstoff.
Dieser wird intramuskulär gespritzt.
Bis ins Mittelalter wurden als Bekämpfungsmittel gegen die Pest Pflanzen
und Kräuter wie Geißklee, Pestwurz, Knoblauch und Johanniskraut
verwendet. Auch räucherte man die verseuchten Räume aus, indem
man das Holz der Wacholderbüsche verbrannte. Heute behandelt man
die vereinzelt auftretenden Fälle mit Antibiotika wie Streptomycin
in Verbindung mit Tetracyclin.
Schon im Mittelalter führten die Pestepidemien zu irrationalen Reaktionen
und Auswüchsen innerhalb der menschlichen Gesellschaft. Der Fremde
wurde als Störenfried empfunden, der zu allem Bösen, ja sogar
zur Vernichtung fähig war. Um seine Person wurden wahre Verschwörungstheorien
gewoben. Er galt als Unruhestifter und wurde verdächtigt, die Seuche
zu verbreiten. Dieses geschah vor allem in den von Juden bewohnten Gebieten.
Da sie in gesonderten Stadtteilen wohnten, galten sie als Verbreiter der
Krankheiten, gleichzeitig aber auch als Träger des Gegenmittels.
Sowohl Juden als auch Muslime wurden beschuldigt, die Vernichtung der
Christenheit zu beabsichtigen. Darum wurden gegen sie wahre Pogrome veranstaltet.
Außer den genannten Auswüchsen und den empirischen Vorbeugungsversuchen
(siehe den Hermannstädter Arzt Johann Salzmann) gab es auch schon
erste Maßnahmen, welche auf das Erkennen der eigentlichen Zusammenhänge
schließen ließen. So erließ die Stadt Basel im Jahre
1400 ein Gesetz, das sich zum ersten Mal mit den Seuchen im Allgemeinen
befasste und in verseuchten Gebieten den Handel mit Lebensmitteln verbot.
In jenem Jahrhundert gab es die ersten Siechenhäuser, in denen die
von dieser grausamen Seuche befallenen Menschen von den Gesunden isoliert
und bis zu ihrer Genesung oder ihrem Tode gepflegt wurden.
Venedig war die erste Stadt, in der 1423 ein Krankenhaus speziell für
Pestkranke eingerichtet wurde.
Erst im Jahre 1851 werden bei einer internationalen Gesundheitskonferenz
Sofortmaßnahmen für den Fall einer Epidemie beschlossen und
vor allem allgemeingültige Quarantänemaßnahmen für
alle fünf Kontinente festgelegt.
Abschließend können wir sagen, dass die Pestepidemien Auswirkungen
auf unsere Stadt hatten, vor allem, was die Einwohnerzahl betrifft. Durch
die beiden großen Epidemien von 1646 und 1709 sank die Zahl der
Bewohner besonders stark. Die Seuche von 1709 verursachte den Tod von
ungefähr 4000 Seelen. Auch die Einquartierungen der kaiserlichen
Truppen sowie die vernichtende Feuersbrunst von 1676 führten zum
gewaltigen Sinken der Bevölkerungszahl und damit zweifellos zum wirtschaftlichen
und politischen Niedergang der Stadt. Im Vergleich zum vorhergehenden
Jahrhundert hat sich im 18. Jahrhundert ihre Lage verschlechtert. Sie
war nicht mehr an den großen Ereignissen beteiligt, die das Schicksal
Siebenbürgens bestimmten, und verlor immer mehr an Bedeutung.
Aus einer Stadt, die einst eine äußerst wichtige Rolle im politischen
und wirtschaftlichen Leben des Fürstentums gespielt hatte, wird Schäßburg
zu einer einfachen Provinzstadt und ist es auch heute noch.
Nicolae Tescula und Georg Hundorfean, Schäßburg
(Übersetzung aus dem Rumänischen: Wiltrud Seiler, Schorndorf)

Letztes Update:
2007-03-04
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