HOG-Schäßburg / Siebenbürgen

 

Begrüßungsansprache des Stellv. Vorsitzenden der HOG

Liebe Schäßburger Landsleute, geehrte Gäste und Freunde von nah und fern,

 

Im Namen der Ausrichter des Treffens 2006, der Schäßburger Nachbarschaft Nürnberg – Fürth - Erlangen und des Vorstandes der Heimatortsgemeinschaft Schäßburg, darf ich Sie erstmals in Dinkelsbühl herzlich willkommen heißen!

Auch darf ich einen schönen Gruß und beste Wünsche von unserem schwer erkrankten ehemaligen Vorsitzenden, Walter Lingner überbringen.

Bevor ich die Moderation der heutigen Veranstaltungen an Bettina Schubert zurückgebe, möchte ich zunächst unsere Ehrengäste begrüßen und kurz über den besonderen Anlass unseres diesjährigen Treffens in Dinkelsbühl sprechen.

Wie Sie alle wissen, wurde gestern in feierlichem Rahmen die Städtepartnerschaftsurkunde zwischen Dinkelsbühl und Schäßburg unterzeichnet. Die HOG Schäßburg hat dieses Vorhaben von Anfang begrüßt, im Sinne der allseits beschworenen Rolle als Brückenbauer vermittelt, begleitet und gefördert. Das Entgegenkommen der Partnerstädte, den Festakt zur Unterzeichnung der Städtepartnerschaft mit dem alle drei Jahre stattfindenden Schäßburger Treffen, erstmals in Dinkelsbühl, zu verbinden kann auch als Anerkennung unserer konstruktiven Haltung gewertet werden. Vielen Dank!

„Zu Gast bei Freunden“ – unter diesem Motto hat 2006 die Fußballwelt Deutschland erlebt und die Weltmeisterschaft gefeiert. Ich glaube, wir könnten zu Recht dieses Motto auf unser Treffen in Dinkelsbühl übertragen.
Ich begrüße ganz herzlich den Oberbürgermeister der Großen Kreisstadt Dinkelsbühl, Herrn Dr. Christoph Hammer (mit Gattin) sowie die Vertreter von Verwaltung und Kirchen.

Als Gäste der Stadt Dinkelsbühl und heute auch des Schäßburger Treffens erstmals in Dinkelsbühl, begrüße ich Herrn Bürgermeister Joan Dorin Danesan zusammen mit den Fraktionsvorsitzenden aller Parteien im Schäßburger Stadtrat.


Gäste aus Schäßburg und Dinkelsbühl; Foto Hermann Theil

Bine ati venit la Dinkelsbühl, domnule Primar Danesan, bine ati venit stimati Consilieri la prima intâlnire a Sighisorenilor din Germania in orasul Dinkelsbühl.

Der Anstoß, eine Partnerschaft zwischen der Stadt an der Wörnitz in Franken und der Stadt an der Großen Kokel in Siebenbürgen einzugehen kam schon vor einigen Jahren vom Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen mit tiefer Schäßburger Wurzel, Herrn Volker Dürr , den ich hier mit Gattin im Kreise der Schäßburger herzlich willkommen heiße!
Seine Ansprechpartner waren seinerzeit die Oberbürgermeister Dr. Jürgen Walchshöfer – heute auf Auslandsreise - und Herr Otto Sparrer

Vom Dachverband der Heimatortsgemeinschaften begrüße ich den Vorsitzenden, Herrn Michael Konnerth!

Nach gegenseitigen Besuchen von Vertretern des öffentlichen Lebens, nach bereits dreimaliger Teilnahme Schäßburger Jugendlichen an den traditionellen Jugendcamps der Partnerstädte Dinkelsbühls, einmal sogar als Gastgeber und nach den entsprechenden Beschlüssen der Stadträte, war der nächste Schritt im Vorfeld zu der nun besiegelten Städtepartnerschaft, die Gründung von Freundeskreisen in Dinkelsbühl wie auch in Schäßburg. Der Zweck dieser eingetragenen Vereine ist es, die Partnerschaft in breiten Bevölkerungskreisen zu verankern und mit Leben zu erfüllen.


Tanzgruppe "KIDS" aus Schäßburg

Ich begrüße Frau Bürgermeisterin Hildegard Beck, Stellvertretende Vorsitzende des Freundeskreises Dinkelsbühl - Schäßburg/Sighisoara und aus Schäßburg angereist, Herrn Hermann Baier, ehemaliger Leiter der Bergschule und heute Vorsitzender des Freundeskreises Schäßburg - Dinkelsbühl, rumänisch Asociatia de Prietenie Sighisoara - Dinkelsbühl.

In Dinkelsbühl haben einige Schäßburger Familien eine neue Heimat gefunden. Neben zahlreichen gebürtigen Dinkelsbühler Bürgern arbeiten sie aktiv im genannten Freundeskreis mit. .

Zwischen der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen und der Stadt Dinkelsbühl besteht bereits seit über 20 Jahren eine verbriefte Partnerschaft, seit 56 Jahren wird an Pfingsten hier der traditionelle Heimattag ausgerichtet, immer schon mit Ehrengästen aus der Bundes- und Landespolitik, Regierungsvertretern aus Rumänien – neuerdings auch aus Schäßburg. Der Heimattag endet traditionell mit einer ergreifenden Feierstunde an der Gedenkstätte der Siebenbürger Sachsen und dem Großem Zapfenstreich mit der berühmten Dinkelsbühler Knabenkapelle.
Diese Gedenkstätte - die wenigsten werden es wissen - wurde von einem gebürtigen Schäßburger Architekten in Arbeitsgemeinschaft mit einer schwäbischen Bildhauerin geschaffen. Mit dem heutigen ersten Schäßburger Treffen in Dinkelsbühl werden die Verbindungen zwischen den beiden Städten um einen weiteren Aspekt reicher.

Ganz herzlich darf ich die zahlreichen Teilnehmer aus Schäßburg begrüßen
die Vertreter der Evangelischen Kirche, stellvertretend Herrn Dechant Hans Bruno Fröhlich mit fast dem gesamten Presbyterium und den Aktiven aus dem kirchlichen und diakonischen Bereich,
die Vertreter des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien an der Spitze mit den Stadträten Harald Gitschner und Stefan Gorczika, dem Geschäftsführer Prof. Viorel Rusu,
von der Bergschule – heute noch mit zwei deutschsprachigen Zügen – ist angereist Frau Marianne Cojocaru vom Bergschulverein, desgleichen die Schulleiterin des Colegiul National Mircea Eliade genannten rumänischen-ungarischen Gymnasiums, Frau Mariana Gorczika, die sich besonders für Deutsch als Fremdsprache einsetzt.
Und nicht zuletzt begrüßen wir die Kindertanzgruppe KIDs unter der Leitung von Frau Eleonora Ianovici, die bereits beim gestrigen Festakt aufgetreten ist und auch uns mit ihren Darbietungen erfreuen wird.

Das heutige Schäßburg ist nicht mehr das mittelalterliche Städtchen wie es viele in verklärter Erinnerung haben. Und die heutigen Schäßburger, hier wie dort, haben sich in Struktur und Haltung grundlegend gewandelt. Wer sich heute als Schäßburger fühlt, dort geboren ist, als Schüler, oder als Berufstätiger einen Lebensabschnitt dort verbracht hat, wurde von den späten Nachkriegsjahren bis zur politischen Wende geprägt, einige auch von den Höhen und Tiefen der Jahre nach 1989.

Die Jugendlichen, noch in Siebenbürgen geboren oder schon hier, haben einen anderen Bildungs- und Lebenshorizont und gehen selbstbewusst ihren Weg. Trotzdem gilt es die Weltoffenheit der jüngeren Generationen einfühlsam mit einem Bekenntnis zur Herkunft zu stärken - „Ohne Wurzeln, keine Früchte“.
Die Dokumentation der Vergangenheit, ist in den vergangenen 12 Jahren seit der Gründung der HOG der Schwerpunkt unserer „Schäßburger Nachrichten“ gewesen. Hier wird das von der Vergangenheit geprägte Heimatbild zunehmend der Aktualität weichen müssen um die Gemeinschaft zu stärken.

Die Aussiedlungswellen sind verebbt, die in Schäßburg verbliebenen Landsleute können reisen, ihre Kinder zur Ausbildung ins Ausland schicken wie das bis 1940 normal war. Zahlreiche deutsche und österreichische Firmen siedeln Betriebe in Siebenbürgen an, sie sind wichtige Arbeitgeber. Deutsche Stiftungen haben beispielhafte Leistungen erbracht.

Die verbliebenen deutschsprachigen Schulen, wie auch die Bergschule in Schäßburg, werden von der Mehrheitsbevölkerung am Leben gehalten um Ihren Kindern bessere Chancen zu bieten. Die 500 in Schäßburg noch lebenden Sachsen und ihre, zunehmend interethnischen Familien artikulieren sich erfolgreich über das Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien im öffentlichen Leben und übernehmen Verantwortung.

Unter diesen, beispielhaft genannten neuen Randbedingungen muss auch die Heimatortgemeinschaft Schäßburg sich neu definieren. Der heute neu gewählte Vorstand – an der Spitze mit Dr. August Schuller, unserem ehemaligen Stadtpfarrer - wird die Ziele unserer Satzung entsprechend neu auslegen und mit Leben erfüllen müssen.
Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung, der Kirche, den verschiedenen Organisationen in Schäßburg kann auf eine unverkrampfte, offene Basis gestellt werden. Es bestehen Chancen, die Aktivitäten mit gleichen Zielen abzustimmen und zu verzahnen, zum Wohle von Schäßburg und den Schäßburgern in aller Welt.

Es sind reizvolle Aufgaben für jeden engagierten Bundesbürger siebenbürgischer Herkunft, Aufgaben die von vielen Schultern getragen werden müssen.

Die europäische Dimension der eingangs erwähnten Städtepartnerschaft wurde beim gestrigen Festakt durch die Anwesenheit und die Festrede von Dr. Ingo Friedrich, Vizepräsident des Europaparlaments unterstrichen. Mit dem Beitritt Rumäniens 2007 zur Europäischen Union wird nach 60 Jahren Isolation, auch die Rückkehr Siebenbürgens, damit auch Schäßburgs, zur europäischen Wertegemeinschaft vollzogen.

Dieses historische Ereignis wird sicher nicht problemlos umgesetzt werden können.
Euphorie einerseits, Skepsis und Unbehagen bestimmen die gemischten Gefühle hier wie dort.

Die HOG Schäßburg wird Ihren Beitrag dazu leisten, den Übergang einfühlsam abzufedern und zu beschleunigen, damit auch – um mit den Worten der Deutschen Stiftung Denkmalschutz zu sprechen – „Vergangenheit Zukunft hat“. Damit das steinerne wie auch das geistig-kulturelle Erbe jahrhunderte langer deutscher Siedlungsgeschichte gepflegt wird. Damit die Menschen, die heutige Gesamtbevölkerung Schäßburgs, sich zu dieser Vergangenheit bekennt, selbst- und verantwortungsbewusst im Europa der Vaterländer sich frei entfalten kann.

Dabei ist Schäßburg bereits heute vielen Städten in Rumänien einen Schritt voraus.
Schäßburg hat bereits drei europäische Auszeichnungen erhalten.
Domnule primar Danesan, Asociatia Sighisorenilor din Germania va felicita cordial pentru cele trei distinctii europene deja primite!

Dass Schäßburg weit über die Landesgrenzen bekannt ist, beweist die Anwesenheit von Frau Jessica Douglas-Home, Vorstandsvorsitzende des Mihai- Eminescu-Trust, London - Welcome to Dinkelsbühl, Jessica - als Überraschung hat sie eine Video-Grußbotschaft von SKH Prince Charles mitgebracht, die 17.00 Uhr im Rahmen Ihres Vortrages abgespielt wird.

In Schäßburg funktioniert ein vom Institut für Auslandsbeziehungen Stuttgart gefördertes Interethnisches Jugendzentrum, das jährlich stattfindende Festival ProEtnica der 19 anerkannten Minderheiten in Rumänien, das Festival Mittelalterliches Schäßburg, die Sommerakademie für klassische Musik unterstreichen beispielhaft den Weg Schäßburgs zurück zu einer kulturellen und touristischen Hochburg Rumäniens.

Das Motto „Stadt der Kulturen, Stadt der Kultur,“ mit dem Hermannstadt 2007 den Herausforderungen einer Europäischen Kulturhauptstadt begegnet, kann und sollte auch auf die Zukunft Schäßburgs übertragbar sein.

Ich hoffe, dass unser Treffen den natürlichen Rahmen für intensive Gespräche zwischen den Teilnehmern beider Städte bietet und sich dadurch Ansätze für weitere intensive, breite Zusammenarbeit ergeben.
Ich wünsche unserem Treffen einen angenehmen Verlauf, allen Teilnehmern von nah und fern eine gute Unterhaltung.

Seid alle herzlich willkommen!

Hermann Theil, Weinsberg

 

 

 

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Letztes Update: 2007-03-04 - Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de http://www.schaessburg-net.de © 2000 by kdg