HOG-Schäßburg / Siebenbürgen

40 Jahre Gedenkstätte der Siebenbürger Sachsen in Dinkelsbühl

Die mittelalterliche Freie Reichsstadt Dinkelsbühl in Franken ist Partnerstadt von Schäßburg. Seit 25 Jahren schon besteht eine verbriefte Partnerschaft mit der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen. Bekanntlich finden sich hier seit 55 Jahren an Pfingsten die Siebenbürger zum Heimattreffen ein. Zum Abschluss seines umfangreichen kulturellen, politischen und unterhaltsamen Programms findet seit Jahrzehnten ein beeindruckender Fackelzug statt. Begleitet von zahlreichen Zuschauern, führt er, von der Schranne kommend durch die Segringerstraße und das Segringer Tor zur Gedenkstätte der Siebenbürger Sachsen. Diese wurde am Ende des wunderschönen „Lindendoms“ der entlang der Stadtmauer führenden Alten Promenade errichtet. Hier wird in einer ergreifenden Feier mit großem Zapfenstreich der Toten aus zwei Weltkriegen sowie der Opfer von Flucht und Deportation gedacht. Beim diesjährigen Heimattreffen wurden 40 Jahre seit der Errichtung dieser Gedenkstätte gefeiert. Die Ansprachen hielten Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer und Pfarrer i.R. Kurt Franchy.
Architekt dieser Gedenkstätte war der gebürtige Schäßburger Dipl.-Ing. Hans Wolfram Theil, Stuttgart. In Arbeitsgemeinschaft mit der Bildhauerin Hanne Schorp-Pflumm aus Stuttgart-Büsnau entstand 1967 ein eindrucksvolles Denkmal aus rotem Basaltporphyr.
Vorausgegangen war ein von der Landsmannschaft ausgeschriebener Ideenwettbewerb. Unter den 17 eingegangenen Entwürfen wählte die Jury den in Teamarbeit entstandenen Entwurf der Stuttgarter aus, denen eine harmonische Synthese aus Architektur und bildhauerischer Gestaltung gelungen war.
„Architekt Theil entwarf einen Sockel aus sieben Schriftblöcken, die in ihrer Form an Grabmale erinnern – Symbol der in fremder Erde ruhenden Toten. Bankartig angeordnet, weisen diese Blöcke nach Osten und Westen, Süden und Norden. Der höchste Block, der aus der Mitte aufstrebt, zeigt die von Hanne Schorp-Pflumm gestalteten Reliefs zweier Menschengruppen, Symbolgestalten der siebenbürgischen Heimat, Söhne und Töchter des Landes, das verlassen werden musste“ (Stuttgarter Nachrichten, 8.4.1967). Die Rückseite dieses Blockes trägt die Inschrift: „ Gedenke der deutschen Söhne und Töchter Siebenbürgens, die in zwei Weltkriegen und schweren Nachkriegsjahren ihr Leben ließen.“ Die maßvoll geordnete Freianlage fordert nicht nur zum Betrachten, sondern auch zum Begehen und Verweilen auf.
Bei der Grundsteinlegung am 16. April 1967 wurde eine Kassette eingemauert. Sie enthält eine Urkunde mit dem Dinkelsbühler Stadtwappen, in der die langjährige Freundschaft mit der Landsmannschaft gewürdigt wird sowie Erinnerungsstücke. Dabei erklärte der damalige Bundesvorsitzende der Landsmannschaft, Rechtsanwalt Plesch, er glaube, dass mit dieser Gedenkstätte über die jetzige Generation hinaus die Verbundenheit der Siebenbürger mit Dinkelsbühl bleiben werde. Bürgermeister Dr. Höhenberger betonte, dass Dinkelsbühl auf diese Freundschaft stolz sei, und sprach den Wunsch aus, dass die Gedenkstätte künftig nicht nur an die Toten mahnen, sondern auch für alle Zeiten von dieser Freundschaft künden möge. Dass beider Wünsche in Erfüllung gingen, bestätigt die diesjährige Feier aber auch die besonderen Beziehungen Dinkelsbühls zu Schäßburg. Dieses sowohl durch die Städtepartnerschaft, wie auch die von einem Schäßburger entworfene Gedenkstätte.
Finanziert wurde die Gedenkstätte allein durch Spenden. Den Spendern dankte die Siebenbürger Landsmannschaft mit einer Gedenkmünze, in die der Entwurf der Gedenkstätte geprägt war und auf deren Rückseite der uns allen vertraute Vers von Michael Albert, “Deiner Sprache, deiner Sitte, deinen Toten bleibe treu“, stand.
Wie auch alle Bürgermeister nach ihm, war Dr. Friedrich Höhenberger ein erklärter Freund der Siebenbürger Sachsen. Er hat die Kreisgruppe gefördert und alles Mögliche getan, damit die Heimattage in Dinkelsbühl bleiben. Und er hat einen der schönsten Plätze seiner Stadt für die Errichtung dieses Denk- und Mahnmals zur Verfügung gestellt. Dafür ist dem heute 82-Jährigen zu danken. Der Lindendom mit seiner Gedenkstätte wir jährlich von vielen Touristen, Gruppen aus dem In- und Ausland sowie in Dinkelsbühl tagenden Heimatortsgemeinschaften besucht.
Als damals 20-Jähriger war ich bei der Preisverleihung, der Grundsteinlegung und der Einweihung an Pfingsten 1967 dabei. Es war einer der denkwürdigsten Heimattage, wurden doch mit der Gedenkstätte auch die neue Glocke im Glockenturm und das Siebenbürger Haus in der Segringer Straße eingeweiht. Zur 40-Jahr-Feier wurde die Gedenkstätte saniert, die Oberflächen versiegelt.

Johann Schuller (Dinkelsbühl)

 

 

balken.gif (7924 Byte)

Letztes Update: 2007-08-30 - Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de http://www.schaessburg-net.de © 2000 by kdg