HOG-Schäßburg / Siebenbürgen

Zum 50. Todestag von Oberforstrat Ing. Julius Fröhlich


Bergschule vom Postland
Foto Andreas Fuhrmann

Bei Julius Fröhlich gedenken wir eines hervorragenden siebenbürgisch-sächsischen Forst- und Weidmanns, der durch seine kenntnisreichen forstwissenschaftlichen Veröffentlichungen und außergewöhnlichen Leistungen als Forstmann internationalen Ruf erlangte. Seine in 40 Jahren in verschiedenen Ländern Europas und in Afrika gesammelten Erfahrungen hat er in seinem Fachbuch „Urwaldpraxis“ zusammengefasst. Auch als Verfasser zahlreicher humorvoller Erzählungen und Anekdoten aus seinem Berufsleben sowie durch seine „Bosnischen Geschichten“ war er vielen seiner Mitmenschen bekannt.

Julius Michael Fröhlich wurde am 8. Februar 1881 in Schäßburg als Sohn des Gymnasialprofessors und später in Keisd und Reichesdorf Pfarrers, Josef Fröhlich, geboren. Nach Abschluss der Bergschule in Schäßburg (1899) diente er sein Freiwilligenjahr in Kaschau (heute Kosice) ab und wurde hier zum k.u.k. Leutnant der Reserve befördert. Ab 1900 begann er an der Forstakademie in Schemnitz (Oberungarn, heute Slowakei) Forstwissenschaft zu studieren und setzte 1901 seine Ausbildung an der Hochschule für Bodenkultur in Wien fort, die er 1904 als Diplom-Ingenieur abschloss.

Vom Forstpraktikanten zum Oberforstrat

1905 begann Fröhlich in Sarajevo seine berufliche Tätigkeit als Forstpraktikant im österreichischen Forstdienst. 1907 heiratete er Charlotte Leicht, die ihm die beiden Söhne Otto und Paul schenkte. – 1908 rückte Fröhlich zum Forstverwalter auf und wurde 1909 Verwalter der Forstdomäne (58000 ha) in Pribinc und danach in Praca. 1912 wurde er zum Oberförster ernannt. Diese Jahre im österreichischen Forstdienst und danach die Zeit bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs ermöglichten ihm, jene Urwalderfahrungen zu sammeln, die ihn später zum gesuchtesten Forstfachmann Südosteuropas werden ließen.
Im Ersten Weltkrieg war Fröhlich als Oberleutnant der Reserve im Einsatz und zuletzt als Verbindungsoffizier und Dolmetscher beim deutschen Oberkommando in Serbien tätig. Von 1919-1921 war er als Forstbeamter bei den staatlichen Forstbehörden in Jugoslawien beschäftigt .Anschließend kehrte er nach Siebenbürgen zurück. Die erste Arbeitsstelle erhielt er „zu Hause“ bei der staatlichen Forstbehörde in Schäßburg. Seine Tätigkeit hier war jedoch mit zu viel Büroarbeit verbunden. Darum wechselte er nach zwei Jahren als Forstrat zur „Floß-Companie“ in Sächsisch-Regen, die ihren Sitz am Oberlauf des Mieresch in Rastolita (Ratosnya), am Fuß des Kelemen-(Caliman-)Gebirges hatte. Von dort wechselte er zur internationalen großen Holzfirma „Foresta“, bei der er bis 1940 als technischer Leiter beschäftigt war. Dank seiner großen fachlichen Erfahrung wurde Fröhlich zwischen 1930 – 1940 als Fachberater zur Erstellung von Expertisen für die forsttechnische Erschließung großer Urwaldgebiete nach Italien, Kleinasien (Anatolien) und Abessinien (heute Äthiopien) gerufen.



Im August 1940 trat er in den ungarischen Staatsdienst, wurde 1941 zum Oberforstrat ernannt und der königlich-ungarischen Forstdirektion in Klausenburg zugeteilt. Von dort wurde Fröhlich 1942 in das Forstministerium nach Budapest berufen.

Flucht, Neuanfang, begnadeter Erzähler

Im Zuge der Evakuierung Nordsiebenbürgens im September 1944 flüchtete Fröhlich mit seiner Familie aus Sächsisch-Regen nach Ödenburg (Sopron, Ungarn) und von dort nach Oberösterreich, wo er in Altmünster bei Gmunden sesshaft wurde. Anfang 1945 übernahm er hier die private Forstverwaltung Ebenzweier, wo er sein außergewöhnliches Fachwissen beim Aufbau einer kleinen Muster-Waldwirtschaft erneut unter Beweis stellen konnte.
Fröhlich hat seit 1919 zahlreiche forstwissenschaftliche und forsttechnische Arbeiten über die südosteuropäischen Wälder in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften (Rumänien, Ungarn, Deutschland, Österreich und Schweiz) veröffentlicht. Dabei galt sein Interesse immer mehr den Urwäldern Südosteuropas und Kleinasiens. Seine in Jahrzehnten hier gesammelten forstwirtschaftlichen Erfahrungen hat er in seinem Fachbuch „Urwaldpraxis. 40jährige Erfahrungen und Lehren“ veröffentlicht, das 1954 im Neumann Verlag, Radebeul und Berlin, erschienen ist und von der Fachwelt mit größter Beachtung und Anerkennung aufgenommen wurde. Dieses Buch widmete er seinem jüngeren Sohn Paul, der, an der Schwelle seiner forstlichen Laufbahn, 1945 an der Ostfront gefallen war. Er plante die Ergänzung seines Buches „Urwaldpraxis“ durch zusätzliche waldbauliche Erfahrungen. Doch mitten in der Vorbereitung weiterer Veröffentlichungen, starb J. Fröhlich völlig unerwartet am 31.05.1957 an den Folgen einer Sepsis in einem Krankenhaus in Linz a. D. Er wurde in Altmünster am 3. Juni 1957 unter großer Anteilnahme beigesetzt. Als Anerkennung seiner Verdienste wurden in Altmünster eine Straße und ein Wald nach ihm benannt.
Als hervorragender Erzähler hat Fröhlich seine Erlebnisse in den heimatlichen Waldungen und in Bosnien sowie humorvolle Begebenheiten aus seinem Leben ab 1905 in der Schäßburger Zeitung, dem „Groß-Kokler Boten“ und andern siebenbürgischen Zeitungen veröffentlicht. Ebenfalls in Schäßburg erschien 1939 im Verlag Friedrich J. Horeth auch die erste Auflage seiner „Bosnischen Geschichten“ (128 S.). Ein weiteres Büchlein „Jagderlebnisse und Abenteuer. Ein Jägerleben in Bosniens Wäldern“ (111 S.) hat er 1947 in Bad Ischl drucken lassen. Durch seine außergewöhnlichen Leistungen als Forstmann und Schriftsteller gehört Julius Fröhlich zu den bedeutenden Schäßburger Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts.-
Die Herausgabe eines Auswahlbandes mit siebenbürgischen Geschichten sowie die Drucklegung seiner gesammelten Jagderlebnisse hat er nicht mehr erlebt.
Dr. Heinz Heltmann (St. Augustin)







balken.gif (7924 Byte)

Letztes Update: 2007-09-22 - Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de http://www.schaessburg-net.de © 2000 by kdg