HOG-Schäßburg / Siebenbürgen

Geschichte und Einrichtungen von Schloss Horneck in Gundelsheim am Neckar

Das Heimathaus Siebenbürgen


Hoch über dem Neckar: Schloß Horneck, Fotos Konstantin Klein

Wer das Neckartal von Heilbronn kommend flussabwärts in Richtung Neckarelz / Mosbach fährt, oder in umgekehrter Richtung von Heidelberg Neckar aufwärts seinen Weg einschlägt, taucht ein in eine malerische Landschaft, die sich dem Betrachter wie ein offenes Geschichtsbuch darbietet. Bewaldete Hänge, alte Terrassenweingärten mit hellen Kalksteinmauern, schmucke, teils von der Winzerei geprägte Ortschaften sowie Burgen und Schlösser wechseln einander ab. Jedes Fleckchen hat seine Geschichte und seine ganz eigene Prägung, die durch das jahrhundertelange Zusammenspiel von Natur und wirtschaftendem Menschen entstanden ist.

Zwischen Bad Wimpfen, der einstigen Kaiserpfalz und Neckarelz liegen eine Reihe von Burgen und Schlössern wie Burg Hornberg, ehemals Sitz des legendären Ritters Götz von Berlichingen, Guttenberg (mit einer berühmten Burgfalknerei / Deutsche Greifenwarte), die romantische Burgruine Ehrenberg sowie Schloss Horneck in Gundelsheim. Letzteres zeichnet sich durch sein Erscheinungsbild in der harmonischen Verbindung von Schloss mit einem 35 m hohen Bergfried, Mauern, Befestigungstürmen und Stadt bis hin zu den Neckarauen besonders deutlich ab. Manche Straßenschilder mit historischen Namen erinnern an eine wechselvolle Geschichte. Wegweiser führen uns hinauf zum Schloss, das sich den Besuchern der Stadt Gundelsheim als „Heimathaus Siebenbürgen“ vorstellt.

Vielen Siebenbürgern ist Gundelsheim mit Schloss Horneck ein Begriff. Für die einen verbindet sich damit vornehmlich das siebenbürgische Alten- und Pflegeheim, für andere wieder stehen eher die wissenschaftlich-kulturellen Einrichtungen im Vordergrund. Im Grunde genommen bilden jedoch sämtliche Einrichtungen zusammen eine Einheit, die als solche in ihrer Vielfalt zu beachten und zu würdigen ist. Die Komplexität der Gundelsheimer Einrichtungen und ihre Vernetzung untereinander, sind im Allgemeinen jedoch weniger bekannt.

Rückblick in vergangene Jahrhunderte

In seiner wechselvollen Geschichte hatte Schloss Horneck unterschiedliche Bestimmungen, und dennoch zieht sich, unterbrochen von Krieg, Zerstörung und Besetzung, seine Bedeutung für Krankenpflege und Fürsorge wie ein roter Faden durch die Jahrhunderte. Bereits im 13. Jahrhundert (1255) war Konrad von Horneck mit seinen Söhnen in den Deutschen Orden eingetreten, einen der Krankenpflege und der christlichen Mission verschriebenen geistlichen Ritterorden, wobei er sein Schloss als fromme Stiftung mit einbrachte. Hier entstand das Zentrum eines Verwaltungsbezirks des Ordens, dann der Sitz des Ordenskomturs (heute geht man in die in Schlossnähe gelegene Gaststätte „Komturei“) und ab 1438 Sitz des Herrn, des „Deutschmeisters“, über alle Ordensbesitzungen im römisch-deutschen Reich. Nach der Zerstörung während des Bauernkrieges (1525) wurde die Burg später als Renaissanceschloss wieder aufgebaut und für den Orden als Komturei bewohnbar gemacht. Nach dem turbulenten 17. Jahrhundert mit dem Dreißigjährigen Krieg, Erbfolgekriegen sowie unterschiedlicher Besetzung und Zerstörung, wurde das Schloss im 18. Jahrhundert im Stil des Barock umgebaut. Nach der Säkularisierung fiel es im Jahr 1806 an Württemberg. Nachdem es kurzeitig als Kaserne diente, hatte es unterschiedliche Besitzer und Funktionen, von denen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts jene eines international bekannten Sanatoriums unter Professor Roemheld zu erwähnen ist. Während der beiden Weltkriege diente es als Lazarett und hatte schließlich die Funktion einer Lungenheilanstalt, bevor es zu Beginn der sechziger Jahre zu seiner heutigen Bestimmung kam.

 

Der Hilfsverein „Johannes Honterus“ e. V. Stuttgart, Träger des Heimathauses Siebenbürgen
Dem Aufruf der Landsmannschaft folgend, der Eröffnung des ersten Altenheimes für Siebenbürger in Rimsting am Chiemsee (1952), weitere Gründungen in anderen Bundesländern folgen zu lassen, hatte der. „Landesverband Südwest“ der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen unter Oskar Kraemer einen Ausschuss gegründet, der sich die Suche nach einer geeigneten Anlage für eine Heimstatt älterer Aussiedler aus Siebenbürgen zur Aufgabe gemacht hatte. Über Vermittlung des Diakonischen Werks in Stuttgart war man an Schloss Horneck herangekommen, das zum Verkauf angeboten wurde.

Um eine rechtliche Grundlage für den Ankauf von Schloss Horneck zu schaffen, wurde am 9. Mai 1960 in Stuttgart ein gemeinnütziger Hilfsverein gegründet, der am 3. Juni 1960 als Träger des Heimathauses Siebenbürgen unter dem Namen „Johannes Honterus“ e.V. Stuttgart in das Vereinsregister beim Amtsgericht Stuttgart eingetragen wurde. Ziel war es, auf Schloss Horneck eine Heimstatt für ältere Siebenbürger zu schaffen, die mit ihrer Atmosphäre den Bewohnern etwas von der Geborgenheit und der Vertrautheit ihrer alten Heimat vermitteln sollte. „In den Vorstellungen der Gründer lebte also“, wie Lothar Schullerus 2006 im Festband für Balduin Herter der „Siebenbürgischen Familienforschung“ schrieb, „von Anfang an das Bild eines „Heimathauses“. Nicht nur für „Tisch und Bett“, wie das in alten Gerichtsbüchern heißt, sollte gesorgt werden, sondern auch für all das, was für das Wohlbefinden der Seele nötig ist, wie Bücher, Bilder, Erinnerungsgegenstände, eigene Möbel und nachbarschaftliche Gemeinschaft sowie geistliche Betreuung. Dieses Bestreben gilt auch heute noch.“
Die Geschäftsstelle des Hilfsvereins „Johannes Honterus“ e. V. liegt in Stuttgart, Florianstrasse 18/1 in 70188 Stuttgart und ist die Anlaufstelle aller Heimanwärter.

Mit dem Kauf von Schloss Horneck und seiner rechtskräftigen Übernahme begann für den Hilfsverein „Johannes Honterus“ eine Strecke von Anstrengungen für die Instandsetzung, bzw. den Umbau der Wohnräume im Hinblick auf ihre Nutzung als Altenheim. Seit April 1961, als die ersten Heimbewohner einziehen konnten, haben im Verlauf von mehr als 40 Jahren zahlreiche Umgestaltungen und Modernisierungen stattgefunden, die aufgelistet, eine lange Reihe ergeben. Sie zeugen von tatkräftigem Einsatz für das Wohl der Heimbewohner durch Sicherung eines hohen Standards in der ?etreuung betagter und hilfsbedürftiger Menschen.
Durch den großen Umbau, An- und Ausbau der Nebengebäude von Schloss Horneck zu einem modernen Pflegeheim, der zwischen 1995 - 2000 in drei Bauabschnitten erfolgte, entstand das modernste Pflegeheim der ganzen Umgebung, in dem geschultes Personal für eine vorbildliche und liebevolle Pflege sorgt. Das Heim, mit heute insgesamt 120 Plätzen in Altenheim und Pflegestation, ist Mitglied im Diakonischen Werk Württembergs.

Das Heimathaus empfängt seine Besucher mit einer zum Heim gehörenden Siebenbürgischen Bildergalerie, die in Eingangsbereich, Treppenhaus, Fluren und Aufenthaltsräumen zu sehen ist. Sie stellt Werke siebenbürgischer Künstler der Vergangenheit und Gegenwart dar, wie unter anderen Fritz Kimm, Hans Eder, Heinrich Schunn, Hans Hermann, Juliana Fabritius-Dancu und strahlt eine Vertrautheit aus, die auch für die Heimbewohner zum Wohlfühlen in heimatlicher Atmosphäre beitragen.

Hinter all diesen außergewöhnlichen Leistungen um die Begründung, Sicherung und Modernisierung des Heimathauses steht der volle Einsatz für die Sicherung der finanziellen Ressourcen und ein vorbildliches Finanzmanagement. Durch staatliche und kirchliche Zuwendungen, sowie solche von Vereinen, größere und kleinere Spenden von Privatleuten und nicht zuletzt der ehrenamtliche, selbstlose Einsatz von Vereinsmitgliedern, trugen und tragen weiterhin dazu bei, dass alle Aufgaben bewältigt werden können. Schließlich sei die großzügige Spende der ARD-Fernsehlotterie „Die Goldene 1“ im Jahre 1994 für den Bau des Pflegeheims erwähnt.

„Der Honterusverein hat sich nicht nur als Helfer und Betreuer der alten Menschen verstanden, sondern auch als Bewahrer und Helfer bei der Pflege siebenbürgisch-sächsischer Kultur“ schreibt Lothar Schullerus (2006). So ist Schloss Horneck neben seiner Funktion als Alten- und Pflegeheim auch die Heimstatt kultureller Einrichtungen, die es zu einem kulturellen und wissenschaftlichen Zentrum der Siebenbürger Sachsen machen. Es ist nicht nur ein Ort der Begegnung von und mit Menschen aus Siebenbürgen, sondern auch Nicht-Siebenbürgern, die Interesse an Siebenbürgen, seiner Kultur und Geschichte haben und ihr Wissen darüber auch erweitern möchten.

Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde,
Siebenbürgische Bibliothek und Archiv - Siebenbürgen Institut

Der Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde e. V. Heidelberg (AKSL) gilt als der „erste kulturelle Schützling“ des Heimathauses Siebenbürgen auf Schloss Horneck und zwar über die vom Arbeitskreis betreute Siebenbürgische Bibliothek. Die Geschäftsstelle des Arbeitskreises selbst wurde erst ab 1970 in Gundelsheim eingerichtet. Der Verein verstand sich seit seiner Gründung im Jahre 1962 als Fortsetzer der Arbeiten und Forschungen im Sinne der Traditionen des 1840 in Siebenbürgen gegründeten „Vereins für Siebenbürgische Landeskunde“ und durch die Gründung der Sektion Naturwissenschaften im Jahre 1975 auch als Fortsetzer der Traditionen des 1849 gegründeten „Siebenbürgischen Vereins für Naturwissenschaften zu Hermannstadt“.

Eng mit seinen Anfängen verknüpft ist die Entstehung der Siebenbürgischen Bibliothek, die vom Arbeitskreis betreut wird. Bereits 1955 waren vom Gustav-Adolf-Werk 500 Bände siebenbürgischer Literatur aus dem Nachlass von Dr. Andreas Breckner aus Berlin, einem gebürtigen Agnethler, dem „Hilfskomitee der Siebenbürger Sachsen“ als Dauerleihgabe überlassen worden. Die Bücher, zu denen in kurzer Zeit weitere durch Spenden, Leihgaben und Kauf hinzukamen, wurden zunächst in Rimsting am Chiemsee untergebracht. 1963 wurde die Bibliothek, mit damals 849 Titeln, nach Gundelsheim verlegt, nachdem sich der Hilfsverein „Johannes Honterus“ bereit erklärt hatte, im Heimathaus Siebenbürgen Räume für ihre Unterbringung zur Verfügung zu stellen und auch herzurichten. So wurde der Honterusverein, in dessen Satzung „die unmittelbare und mittelbare Pflege siebenbürgisch-sächsischen Kulturgutes und Brauchtums“ als eine seiner Aufgaben festlegt ist, zum Schirmherrn der vom Arbeitskreis AKSL betreuten siebenbürgischen Bibliothek. Gemäß einer 1967 getroffenen Vereinbarung wird die Bibliothek als „Gemeinschaftswerk der Siebenbürger Sachsen in Deutschland“ bezeichnet, „das in gemeinsamer Verantwortung von Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde, Hilfskomitee der Siebenbürger Sachsen und Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen getragen wird“, wobei der Arbeitskreis „die wissenschaftliche und bibliothekarische Bearbeitung übernimmt“. Nach einem 1970 zwischen dem Arbeitskreis und dem Institut für Auslandsbeziehungen (IFA) in Stuttgart unterzeichneten Kooperationsvertrag richtete das IFA ein Referat für transsilvanische Forschung mit einer Arbeitsstelle ein, die gleichzeitig Geschäftsführung des AKSL und Leitung der Bibliothek in Gundelsheim beinhaltete.

Der Honterusverein ist heute bei unentgeltlicher Unterbringung der Bibliothek und Bereitstellung von Arbeitsräumen - nur noch für die entsprechenden baulichen Bedingungen der Räume und die damit verbundenen Nutzungsmöglichkeiten zuständig. Durch Stiftung von Nachlassbíbliotheken, unterschiedliche, kleinere Buchspenden, Ankäufe und sonstige Zugänge, erfuhr die Bibliothek im Laufe der Jahre eine beachtliche Bereicherung, so dass sie zum 25 jährigen Jubiläum des Arbeitskreises im Jahr 1987 bereits 30.000 Titel umfasste und heute über 71.000 Titel zählt. Im erwähnten Jubiläumsjahr waren in der Geschäftsstelle des Arbeitskreises, der auch die Geschäfte des Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturrates wahrnimmt, acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig, eine Zahl die in den darauf folgenden Jahren aus finanziellen Gründen, d.h. durch Verringerung der Geldmittel aus öffentlicher Hand, rückläufig wurde und zu Einschränkungen im Betrieb des Siebenbürgen-Instituts mit Bibliothek und Archiv führte.
Die Bibliothek ist in mehrere Gruppen gegliedert wie: Bücherkunde und Nachschlagwerke, Landesbeschreibung mit Geologie, Geographie, Flora und Fauna, Geschichte des Landes und der einzelnen Ethnien, Rechtswesen, Wirtschaft, Soziales, Kirche, Volkskunde, Sprachwissenschaft, Kunst und Kultur, Musik, Lehrmittel, Schulwesen, Ortsbeschreibungen, Personen- und Familiengeschichte, Belletristik, Periodika, Vertriebenen- und Flüchtlingsfragen, Sonderbestände und nicht siebenbürgisches Schrifttum. Zu erwähnen ist auch die wertvolle Kartensammlung mit historischen Atlaskarten des 16.-19. Jahrhunderts, historischen Einzelkarten, topographische Kartenwerke der amtlichen österreichischen Landesaufnahmen, thematische Karten, etc.

Seit 1995 hat die Bibliothek EDV-Anschluss an den Südwestdeutschen Bibliotheksverband (SWB). So ist die Bibliothek online mit dem Zentralkatalog in Konstanz verbunden.

Mit den Nachlassstiftungen gedruckter Schriften, kam auch viel Handschriftliches in den Besitz der Bibliothek. Briefe, Rundschreiben, Manuskripte, Aufzeichnungen persönlicher und familiärer Art sowie Niederschriften der Gemeinschaft, des Ortes, der Region mit zeitgeschichtlichen Bezügen, Fotografien etc. bildeten schließlich ein umfassendes Archivgut, das ähnlich den Buchbeständen nach Sachgebieten geordnet wurde.

Die Siebenbürgische Bibliothek und das Archiv sind im Siebenbürgen-Institut (gegründet 1992) vereinigt, und werden als solches nach außen vertreten. Die Leitung des Instituts und der Bibliothek, die Geschäftsstelle des Arbeitskreises für Siebenbürgische Landeskunde und die Verwaltung des Kulturrats ist seit 1996 in einem Gundelsheimer historischen Fachwerkhaus in der Schlossstrasse 41 untergebracht. Der Siebenbürgisch-Sächsische Kulturrat e. V. bestehend aus zwölf Mitgliedsvereinen, stellt den Verwaltungsrat und Träger des Instituts dar. Das Siebenbürgen-Institut ist als ein so genanntes „An-Institut“ der Universität Heidelberg angeschlossen. Ein von der Universität einberufener, wissenschaftlicher Beirat hat für das Siebenbürgen-Institut eine beratende Funktion.

Die Sammlungen des Siebenbürgen-Instituts in Bibliothek und Archiv gelten heute als eine Art „Nationalbibliothek“ und „Nationalarchiv“ und sind als die zentrale Forschungs- und Dokumentationsstelle für Siebenbürgen außerhalb Rumäniens und des historischen Ungarn zu sehen. Hier laufen die Fäden eines umfassenden Wissenschaftsnetzes zusammen, nach Gundelsheim kommen Studenten, Doktoranden, Wissenschaftler, Heimatkundler, allgemein an Siebenbürgen Interessierte aus Deutschland, Rumänien und vielen anderen Ländern. Hier werden zahlreiche Bücher, Schriftenreihen und Zeitschriften herausgegeben und Tagungen organisiert. Für letztere bietet sich der repräsentative, barocke Festsaal an. Aber auch andere, kleinere Räume stehen für wissenschaftliche, kulturelle und gesellige Veranstaltungen zur Verfügung. Auch gehört der Austausch von Wissenschaftlern zwischen Ost und West und die gezielte Förderung von Nachwuchswissenschaftlern im internationalen Rahmen zu den wichtigen Aufgaben des Instituts.

„Verein Freunde und Förderer der Siebenbürgischen Bibliothek“ und
„Stiftung Siebenbürgische Bibliothek“

Um die vielfältigen Aufgaben der Bibliothek zu unterstützen, wurde 1992 der „Verein Freunde und Förderer der Siebenbürgischen Bibliothek“ gegründet. Auf die Notwendigkeit eines derartigen Freundeskreises der Siebenbürgischen Bibliothek, „der als lose Vereinigung besonders in dringenden Fällen helfen könnte“ hatte Balduin Herter, langjähriger Leiter der Bibliothek, bereits Jahre davor hingewiesen.
Einige Jahre später, 1999 wurde die Stiftung Siebenbürgische Bibliothek gegründet. Dabei handelt es sich um eine Bürgerstiftung, die die Aufgabe hat, mit den Erlösen aus dem eigenen Kapitalstock die langfristige Sicherung des Siebenbürgen-Instituts mit Bibliothek und Archiv zu gewährleisten. Sie will in dem Maße einspringen, in dem sich die öffentliche Hand aus der Förderung zurückzieht Ziel der Stiftung ist es, das Siebenbürgen-Institut mit Bibliothek und Archiv auf Dauer öffentlich zugänglich zu halten, die Bestände weiter auszubauen, zu pflegen und die professionelle Betreuung zu gewährleisten.

Das Siebenbürgische Museum und der „Förderverein Siebenbürgisches Museum Gundelsheim“ e. V.

Das Heimathaus auf Schloss Horneck beherbergt auch das Siebenbürgische Museum, das als zentrales Museum der Siebenbürger Sachsen weltweit gilt. Von einem Überblick über das Land Siebenbürgen, seiner Geographie, Landschaft, Geschichte und seinen Bewohnern ausgehend, werden hier unterschiedliche Aspekte mit beispielhaften Exponaten dargestellt. Dabei geht es um das städtische Leben, jenes im ländlichen Umfeld, um Kirche, Schule, das bunte Treiben der Märkte, um Brauchtum, Gesellschaft und Vereinsleben. Außerdem finden sich hier Räume mit thematischen Schwerpunkten wie Keramik, Zinn, Goldschmiedekunst, eine reiche Textiliensammlung mit Bauernstickereien von großem Formenreichtum und vielfältigen Dekorationsmotiven, ein Graphikkabinett (rund 1200 Arbeiten), sowie eine Gemäldesammlung. Letztere umfasst etwa 350 Gemälde bedeutender siebenbürgischer Künstler vom späten 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Unter ihnen finden sich Werke von Johann Martin Stock, Franz Neuhauser, Arthur Coulin, Friedrich Mieß, Robert Wellmann, Grete Csaki-Copony, Hans Eder, Eduard Morres, Hermann Konnerth, Ernestine Konnerth, Henri Nouveau (Neugeboren), Trude Schullerus, Hans Hermann, Fritz Kimm, Hans Mattis-Teutsch u. a.

Um dem Besucher das gesellschaftliche Leben der Siebenbürger Sachsen sowie ein Bild vom Lande selbst zu vermitteln, werden im zentralen Raum des Museums eine Diaschau sowie eine interaktive Darstellung der Geschichte präsentiert.

Hervorgegangen ist das Siebenbürgische Museum in Gundelsheim aus der „Sammlung von Gebrauchs- und Kunstgegenständen“, die Frau Lore Connerth-Seraphin seit 1950 zusammengetragen und 1961 als Heimbewohnerin nach Gundelsheim mitgebracht hatte. Später überließ sie diese Sammlung dem Hilfsverein „Johannes Honterus“. Im Laufe der Jahre kamen weitere Schenkungen und Leihgaben von Siebenbürgern hinzu. Der Honterusverein hat, so Lothar Schullerus (2006), „den Löwenanteil an der Ermöglichung dieses Museums beigetragen. Er stellte nicht nur die Räume zur Verfügung, sondern besorgte auch die nötigen Einrichtungen für die Unterbringung der Exponate.“ Durch die Vergrößerung der Sammlung und der Leihgaben wurden immer wieder Anpassungen der Räume an die Bedürfnisse des Museums notwendig, für die ebenfalls der Honterusverein sorgte. Seit Januar 2005 ist ein Teil der Sammlungen (Gemälde, Graphiken u. a.) im Alten Rathaus in der Schlossstraße untergebracht.
Das Museum wird seit 1981 von dem zu diesem Zweck gegründeten Trägerverein „Siebenbürgisches Museum Gundelsheim“ betreut. Gründungsmitglieder sind neben dem Hilfsverein „Johannes Honterus“ die Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen und das Hilfskomitee der Siebenbürger Sachsen und der evangelischen Banater Schwaben sowie der Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde. Im Oktober 1981 wurde das Museum auf Schloss Horneck unter Schirmherrschaft von Ministerpräsident Lothar Späth als „Zentralmuseum der Siebenbürger Sachsen“ eingeweiht. Am 8. November 2002 wurde der „Förderverein Siebenbürgisches Museum Gundelsheim e. V.“ zur Unterstützung des Museums gegründet Er ging hervor aus dem bereits bestehenden Freundeskreis des Siebenbürgischen Museums.

Alle erwähnten, in Gundelsheim zusammengeführten Einrichtungen verdeutlichen ihre enge Vernetzung und beweisen einmal mehr, dass es nur durch gemeinsame Anstrengungen möglich war, das zu leisten, was sich Benutzern und Besuchern hier darbietet. Diese Einrichtungen zu unterstützen, zu pflegen und für die Zukunft zu bewahren. sollte unser aller Anliegen sein.

Dr. Erika Schneider (Rastatt)


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