HOG-Schäßburg / Siebenbürgen

150 Jahre seit der Geburt des Gründers des Museums im Stundturm

Hans Leicht und Josef Bacon

Aus der Sicht eines Enkels und Urenkels – Von Richard Ackner, Neubrandenburg

Als gebürtiger Schäßburger, der durch seine Familienforschung mit vielen Schäßburger Namen vertraut ist, darf ich hier zu zwei Männern etwas schreiben, die beide in unserer Stadt geboren wurden. Familiär miteinander verbunden, gibt es in diesem Jahr zwei Daten, die an sie erinnern. Vor 150 Jahren, am 27. März 1857, wurde Dr. Josef Bacon geboren und vor 70 Jahren, am 30. September 1937, starb in Budapest Dr. Hans Leicht – Urgroßvater und Großvater. Eigene Erinnerungen an beide sind naturgemäß spärlich, mehr gibt die Familienforschung her.
Begründer des Museums im Stundturm. Das ist wohl die bleibende Leistung Josef Bacons. Als „Alt Schäßburg“ aus Funden und Schenkungen ins Leben gerufen, zum historischen Museum wissenschaftlich weiterentwickelt, beeindruckt es heute jeden Besucher. 1899 eröffnet. Der 100. Jahrestag wurde würdig begangen. Aber es gab auch eine weitgehend unbekannte Vorgeschichte. Bereits 1878 war der junge Universitätsstudent Josef Bacon in einem Zeitungsaufsatz für die Gründung eines ständigen kunsthistorischen Museums eingetreten und hatte dafür einen der Stadttürme vorgeschlagen. Die Anregung blieb wirkungslos. Bacon schrieb später dazu: „Selbstverständlich nahm niemand von diesem Geschreibsel eines unreifen Jungen Notiz“. – Die Kultur hatte es schon immer schwer.


Aber Dr. med. Josef Bacon ist vor allem Arzt gewesen, seit 1883 Stadtphysikus, Leiter des sanitären Dienstes seiner Vaterstadt mit vielen Verdiensten auf diesem Gebiet. Auch die Errichtung einer Badekolonie in einem Ort mit kohlensäure- und eisenhaltigen Quellen ging auf seine Anregung zurück. Er hat die Leitung dieser Anstalt bis zum Jahr 1934 selbst besorgt. Da war er inzwischen 77.
In seiner langen und vielseitigen medizinischen Praxis hat ihn ein Ereignis wohl besonders beeindruckt. Der Erfolg der ersten Diphtherie-Impfung in Schäßburg Von einem Fortbildungskurs hatte er einige Fläschchen des gerade von Behring hergestellten und noch nicht im Handel erhältlichen Heilserums mitgebracht. Die Impfung wirkte bei einem schwerkranken einjährigen Kind lebensrettend.
Als Stadtphysikus war Dr. Josef Bacon auch Armenarzt, und wer seine Dienste nicht bezahlen konnte, den behandelte er unentgeltlich. Aber er verschrieb seinen Armen nicht nur Rezepte. Einst sagte seine Frau zu ihm: „Wohin hast du deine graue Hose gelegt? Ich finde sie nicht.“ – „Das kannst du auch nicht. Ich habe sie verschenkt.“ – „Verschenkt? Aber sie war doch noch gut!“ – „Das musste sie auch sein, sonst könnte sie dem armen Menschen ja nicht helfen, seinen Bronchialkatarrh loszuwerden.“ – „Na, zum Glück hast du ja noch die braune.“ – „Die? Die habe ich längst weggegeben.“


Josef Bacon auf seiner "Veranda"
Bildarchiv Karin Decker

Im Laufe seines fast sechzigjährigen Wirkens in Schäßburg war Dr. Josef Bacon nicht nur Mitglied der Stadtvertretung und des Magistrats, sondern auch des Presbyteriums der evangelischen Kirchgemeinde und zehn Jahre lang Kurator. Man findet ihn als Obmann der Freiwilligen Feuerwehr, als Vorstand des Männerturnvereins, des Spar- und Aushilfsvereins, des Sebastian-Hann-Vereins … Die Liste ist noch länger. Natürlich nicht alles zugleich.
Selbst dem Familienforscher von heute hat der Urgroßvater Daten über die Herkunft der Bacons hinterlassen, die inzwischen präzisiert und weitergeführt werden konnten. Zwei Generationen an der Mosel, dann lässt sich 1770/1771 sein Urgroßvater Joseph Mathias Bacon, Chirurg und Feldscher beim k.k. Anspach-Regiment, in Schäßburg nieder, wird Beamter und 1790 Senator. Nur der in der Familie vermutete englische Ursprung konnte noch nicht bestätigt werden. Und so wird der Name auch seit eh und je wie Bakon ausgesprochen.
Auch einige Gedichte von Josef Bacon sind überliefert, vor allem seiner Stadt und seiner Heimat gewidmet, wie die Legende zu einem Lageplan auf der Plattform des Stundturms. Es sind nicht viele, obwohl Josef Bacon 1872, 1873 und 1874 das „Schiller-Prämium“ erhielt, gestiftet vom Grafen Franz Haller für den Schüler, „der sich neben sonstiger guter Aufführung insonderheit auch in dichterischen Versuchen auszeichnet“.
Auf diesem Gebiet hat sich sein Schwiegersohn Dr. Hans Leicht ausgezeichnet. Und zwar von Jugend auf. Liebesgedichte, Lyrik, Gedichte zu den verschiedensten Gelegenheiten. Ernstes, Philosophisches. Vor allem das Buch der heiteren Dinge hat viele begeistert. Nur publiziert hat Hans Leicht selbst nichts davon. „Ein Perlenstrauß ungarischer Dichtungen“ – übertragen von Hans Leicht – erschien erst 1938 in Budapest, nach seinem frühen Tod. Alles andere blieb in der Familie. Aber Schäßburg ist darin nur in einem Gedicht zu finden, als er im Dezember 1916 aus dem Schützengraben des Ersten Weltkrieges in den Heimaturlaub und zur Familie kam. So fängt es an:

Ich war mit Toden und mit Schauern
Fast schon vertraut
Und hab nun deine alten Mauern
Wiedergeschaut.

Hans Leicht hat die Stadt, in der er am 8. Juli 1886 als Sohn des Eisenbahningenieurs Johann Leicht und seiner Frau Wilhelmine Thullner geboren wurde, nicht mehr lange gesehen. Nach seinem Jura-Studium hatte er 1912 eine Rechtsanwaltspraxis eröffnet. Im Bacon-Haus. Aber das Verhältnis mit dem Schwiegervater war nicht das Beste. Zu grundverschieden waren ihre Charaktere, und der Alte hat dem Jungen wohl auch nie verziehen, dass er ihm seine Tochter, seinen Liebling, „entführte“.
Nach Kriegsende 1918, als Österreich-Ungarn zerfiel und Siebenbürgen zu Rumänien kam, entschied sich Dr. Hans Leicht für Ungarn. Vielleicht hat der alte Bacon dazu beigetragen, dass seine Frau und die Kinder ihm nicht nach Budapest folgten.
1918 gab es einen Schritt in die Politik. Von der ungarischen Regierung Karolyi wurde Hans Leicht zum Referenten für die sächsische Minderheit im „Oberkommissariat Siebenbürgen“ ernannt, aber dies Amt stand bereits nur auf dem Papier. Dann, 1919 in der Räterepublik, drängten ihn führende Siebenbürger Sachsen in Budapest (die ihn später fallen ließen) zum Kontakt mit Bela Kun, seinem Mitschüler aus Klausenburg, dem führenden Mann der Räterepublik. Es könnte ja von Nutzen sein. Hans Leicht bekam eine Funktion im Volkskommissariat für die nationalen Minderheiten. Er setzte in Budapest ein deutsches Theater durch und arbeitete für die Deutschen in Westungarn eine neue Verfassung aus, die freilich durch das Ende der Räterepublik nicht mehr zum Tragen kam.
Politik hat Hans Leicht später verabscheut. Das geht auch aus einzelnen Randbemerkungen hervor, wie dieser zu Politikern:

Ihr tönt in Redeschlachtgewittern von des Vaterlandes Ehre,
Hingegen eure Herzen zittern einzig um die Karriere.

Einen großen Teil seiner vielen Gedichte ist als Familiendruck seit 2000 in der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig/ Frankfurt am Main – überreicht mit der Bitte, dass sie dort ihren Platz finden, wie auch die Werke seiner 1999 verstorbenen Tochter, dem einstigen Leicht Lieschen, der Schriftstellerin Elisabeth Hering.
In Schäßburg selbst wird die Erinnerung an Dr. Josef Bacon weiter wachgehalten. Mit der Hinweistafel am Bacon-Haus in der Schulgasse, in der schon viele Besucher ihren Urlaub verbrachten. Mit seiner Büste im Museum und einer ihm gewidmeten Sonderausstellung zum 150. Geburtstag und nicht zuletzt mit dem neu hergerichteten Grabstein auf dem Bergfriedhof, wo immer wieder Schäßburger ihrer Vorfahren gedenken.


Als Arzt in die Welt hinaus zu gehen, als Schiffsarzt oder nach Holländisch-Indien, das war einmal Bacons Wunsch. – aber dann wurde 1883 die Stelle des Stadtphysikus in Schäßburg frei…..


Josef Bacon in seiner Arztpraxis
Fotos: Bildarchiv Karin Decker - Augsburg


Eine Reise nach Konstantinopel. „So sollte denn jene Sehnsucht Befriedigung finden, die ich gehegt, seit den Tagen meiner Jugend, als auf der teuren Höhe da oben mein Herz sich weitete, wenn wir im Frühsommer unter blühenden Fliederbüschen griechische Stunde haltend schwelgen durften in der Schönheit der Odyssee und träumen konnten von schönen Zeiten, die fern versunken im Meer der Vergangenheit“, schreibt Dr. Josef Bacon in der „Schäßburger Zeitung“ im Feuilleton der Ausgabe Januar 1907. Die Gestade des griechischen Meeres sollte er tatsächlich sehen, zwar nicht die Marmorsäulen der Akropolis und nicht die Traumstätten von Olympia, aber doch „die Ufer des gastlichen Schwarzen Meeres und der sonnigen Propontis“. Konstantinopel sollte er sehen, „die an weltgeschichtlicher Bedeutung eine einzige Nebenbuhlerin hat, die ewige Roma“. Der abgedruckte Vortrag erschien in mehreren Folgen und beschreibt detailliert die Reise über Kronstadt, Prahovatal, Bukarest, die „Hauptstadt des jungen Königreichs“, Fetesti, Constanta den Bosporus nach Konstantinopel.

 

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