HOG-Schäßburg / Siebenbürgen

Otto Schuster zum 75. Geburtstag

Jüngster Handballer der Landesmeisterelf 1948


Otto Schuster, Foto: Likas Geddert

Otto Schuster (Schussi) wurde am 3. Februar 1931 als jüngster Sohn von fünf Kindern des Ehepaares Maria und Paul Schuster in Keisd bei Schäßburg geboren. Als er 5 Jahre alt war, ist seine Familie in die Schäßburger Bahngasse umgezogen. Die Grundschule und das Gymnasium besuchte Otto bis 1946 in Schäßburg.
Das Kriegsende 1945 bedeutete für alle Siebenbürger Sachsen ein Jahr des Schreckens, Tief greifende politische und wirtschaftliche Umwälzungen erschütterten die sächsische Gemeinschaft. Sein ältester Bruder war Soldat, seine zwei Schwestern und der 17 Jahre alte Bruder wurden nach Russland verschleppt. Otto blieb als jüngstes Kind alleine bei den Eltern zurück. In den Nachkriegswirren hat „Schussi“ das Gymnasium nach der Quarta verlassen und auf Wunsch seiner Eltern den Beruf des Eisendrehers bei der Firma Daniel West & Söhne erlernt.
Schon in jungen Jahren zeichnete sich seine sportliche Begabung ab. Er war überall dort zu finden, wo in Schäßburg Sport getrieben wurde. Auf dem Sportplatz beim Fußball und Handball, in der „Schwimmschule“ sowie beim Geräteturnen. In den Wintermonaten spielte er selbstverständlich auf dem Eisplatz oder auf der Kokel Eishockey.
Seine Vorliebe galt allerdings dem Handball und sein Traumziel war die Viktoria - Elf. In dieser glorreichen Mannschaft spielen zu dürfen, war der Traum eines jeden jungen Schäßburgers. Mit seinen im Gymnasium erworbenen sportlichen Grundfertigkeiten begann er seine handballerische Laufbahn beim ungarischen Sportklub Madozs in der untersten Spielklasse. Zusammen mit Mozsi Balasz, Hans Zultner, Hermann Baier, Helmut Müller, Hans Enzinger u.a. sammelten die jungen Spieler ihre ersten Erfahrungen und wurden für höhere Aufgaben „gestählt“. Mit seinen eins fünfundsiebzig Meter war er kräftig gebaut, sehr schnell und engagiert, wieselflink und zweikampfstark. Kein Wunder, dass seine Gegner nur selten an ihm vorbei kamen und er für alle Trainer einer der auffälligsten Defensivspieler der Mannschaft wurde.
Wegen Abwanderung und Ausfall einiger Stammspieler bei Viktoria war es nur logisch, dass einige junge, ehrgeizige Spieler wie Schussi, Mozsi und Zulli zu Viktoria wechselten. Die neuen Spieler wurden schnell in die Mannschaft integriert. Die Leichtigkeit im Umgang mit dem Ball, seine defensiven und offensiven Fähigkeiten, seine Zweikampfstärke trugen dazu bei, dass Schussi sich in kurzer Zeit einen Stammplatz in der Mannschaft sichern konnte. Mit Hans Lehni im Tor, Rudi Eder, Richard Löw und Walter Schmidt in der Innenverteidigung, dazu die beiden Außenverteidiger Hermann Kamilli und Otto Schuster verfügten die Schäßburger über ein fast unbezwingbares Bollwerk. Die erfolgreiche Abwehr war eine der Voraussetzungen für viele Schäßburger Siege in der Feldhandball- Meisterschaftsrunde 1948. Wertvoll in der Abwehr, aber auch torgefährlich und ideenreich bei seinen Vorstößen auf der linken Seite, hat er manches Tor vorbereitet oder auch selbst geschossen. Die Krönung seiner sportlichen Laufbahn war 1948 der Titel als Rumänischer Landesmeister. Schussi war mit seinen 17 Jahren der jüngste Spieler der Meistermannschaft, sein Beitrag beachtlich.


Hans Zultner, Heilbronn
Im darauf folgenden Meisterschaftsjahr 1949 hat es leider nur zum Vizelandesmeister. gereicht. Nach einer 4:1- Niederlage in Hermannstadt im Endspiel um die Rumänische Meisterschaft und einem 5:3- Erfolg in Schäßburg hat das bessere Torverhältnis zu Gunsten von Hermannstadt entschieden. Nach zweijähriger Spielerfahrung war Schussi inzwischen zu einer bedeutenden Spielerpersönlichkeit herangereift, bekannt nicht nur in Schäßburg, sondern auch bei bedeutenden Handballvereinen des Landes. Mit einer kurzen Zwischenstation bei Dynamo Bukarest wird er 1952-1955 zum dreijährigen Militärdienst einberufen wo er als Sportler bei Santierul Kronstadt den Aufstieg in die erste Handball-Liga schaffte. Bereits im ersten Jahr belegte die neu formierte Mannschaft den 4. Platz vor renommierten Mannschaften wie Hermannstadt, Temeschburg und Heltau. Auch hier war Schussi einer der wichtigsten Leistungsträger.
Während seiner Militärdienstzeit spielte Schussi nicht nur Handball sondern war in der Wintersaison einer der wichtigsten Leistungsträger der Eishockeymannschaft von Santierul Kronstadt. Eishockey war seit frühester Jugend seine zweite große Leidenschaft. Als einer der jüngsten Spieler gehörte er zum Kader der damals spielstarken schäßburger Eishockeymannschaft, an der Seite der berühmten Schäßburger Eishockeyspieler wie Eder, Kamilli, Adleff, Matefi , Essigmann, Kowatschewitsch, Capatina u.a. Schäßburg konnte sich mit den stärksten Mannschaften des Landes, wie Miercurea Ciuc, Bukarest oder Târgu Mures messen. Die Glanzzeit des Schäßburger Eishockeys gipfelte mit einem 4. Platz in der Rumänischen Eishockey - Meisterschaft.

1955, nach Ableistung seines dreijährigen Militärdienstes, kehrt Otto Schuster nach Schäßburg zurück, wo sich seine Handballerkarriere dem Ende nähert. Die Zeit des Kleinfeldhandballs ist angebrochen und Otto widmet sich immer mehr seinem Beruf als Eisendreher bei dem Unternehmen „Faianta-Sticla“ in Schäßburg.
1956 heiratet er seine große Jugendliebe Erika Haner, mit der er 2006 nach 50 Jahren glücklicher Ehe die „goldene Hochzeit“ feiern durfte.

Die Aussiedlung 1973 in die Bundesrepublik Deutschland bedeutet auch für ihn und seine Familie das Jahr der großen Wende. In Nürnberg finden sie eine neue Heimat. Bei der weltbekannten Firma Siemens findet er in seinem Beruf eine Arbeitsstelle und arbeitet bis zu seiner Verrentung 1986 als anerkannter Fachmann.
Heute lebt der 75-jährige Jubilar zusammen mit seiner Erika in Dinkelsbühl, und sie nehmen sich die Zeit, sich liebevoll um ihre 2 Kinder und 3 Enkelkinder zu kümmern.
Schussis ehemaligen Sportkameraden wünschen diesem verdienstvollen, untadeligen und fairen Sportsmann zu seinem 75 Geburtstag sowie zur „Goldenen Hochzeit“ nachträglich noch alles Gute, viel Gesundheit und Glück.
Hans Zultner (Heilbronn)

 



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